Fr., 23.08.2019

Auftakt der 18. »Poetischen Quellen« in der Auferstehungskirche in Bad Oeynhausen Konzert-Lesung eröffnet neue »Weltsichten«

Zum Auftakt der 18. »Poetischen Quellen« hat das »Ensemble Vinorosso« sein Programm »Weltsichten« in der Auferstehungskirche am Kurpark präsentiert.

Zum Auftakt der 18. »Poetischen Quellen« hat das »Ensemble Vinorosso« sein Programm »Weltsichten« in der Auferstehungskirche am Kurpark präsentiert. Foto: Malte Samtenschnieder

Von Malte Samtenschnieder

Bad Oeynhausen/Löhne  (WB). Mit einer faszinierenden Konzert-Lesung in der voll besetzten Auferstehungskirche am Kurpark hat am Mittwochabend das 18. internationale Literaturfest »Poetische Quellen« begonnen. Für ihr Programm »Weltsichten« ernteten das »Ensemble Vinorosso« und Schauspieler Rolf Becker vom begeisterten Publikum viel Beifall.

Die äußerst positive Resonanz der Besucher entschädigte Michael Scholz, künstlerischer Leiter der »Poetischen Quellen«, für alle Mühen im Vorfeld . Gemeinsam mit Sprecher Rolf Becker hatte er die Textauswahl speziell für die Auftaktveranstaltung des aktuellen Literaturfests konzipiert.

Ziel war es, zum Jahresmotto der 18. »Poetischen Quellen« – es lautet: »Die Lesbarkeit der Welt« – hinzuleiten. Dazu hatten Michael Scholz und Rolf Becker unter anderem Textpassagen von Nazim Hikmet, SAID, Ingeborg Bachmann und Etel Adnan ausgewählt.

Musiker aus 15 Nationen

Den musikalischen Part während der rund zweistündigen Konzert-Lesung übernahm das »Ensemble Vinorosso«. Unter der Leitung des begnadeten Klarinettisten Florian Stubenvoll wirken in dem Weltmusik-Orchester Künstler aus 15 Nationen zusammen.

Geografisch umfasste das Repertoire Weisen vom Mittelmeer über den Balkan bis zur Schwarzmeer-Region. Alle Stücke hatte der musikalische Leiter so eingerichtet, dass sie im Einklang zu den vorgelesenen Texten standen.

Mit traditioneller Klezmermusik sowie beschwingten Tänzen aus Albanien, Mazedonien, Serbien, Georgien und Griechenland eröffnete das »Ensemble Vinorosso« den Zuhörern Einblicke in seine eigene musikalische Welt.

Für das mitteleuropäische Ohr ungewohnte harmonische Reihungen und noch dazu stetig wechselnde, ungerade Taktarten luden die voller Spiel- und Lebensfreude vorgetragenen Charakterstücke zusätzlich mit Spannung auf. Diese entlud sich bei den Gästen, indem sie mitschnippten, mitwippten und zwischendurch immer wieder begeistert applaudierten.

Literarische Denkanstöße

Vielfältige Denkanstöße hielt Rolf Becker in seinen Lesungen parat. Sein erster Auftritt endete mit einem Appell: »Das heutige Leben der Menschen muss geändert werden!« Diese Aussage zog sich wie ein roter Faden durch das weitere Programm.

So begab sich Rolf Becker etwa auf die Suche danach, »was in der Hölle nicht Hölle ist«. Oder er kam beim Blick auf Schicksale von Flüchtlingen nach der Ankunft in Europa zu dem Fazit: »Von ihrem Heimatkontinent haben sie nur noch sich selbst.«

Bei ihrem Streifzug durch rasante Balkan-Musik wagten Florian Stubenvoll und sein mit Profi-Musikern besetztes Ensemble auch immer wieder Klangexperimente. So legte der musikalische Leiter bei dem Tanz »Dvaispetorka« das konventionelle, mit einem Rohrblatt versehene Mundstück seiner Klarinette zur Seite. Stattdessen spielte er das Instrument direkt an. Mit einem verblüffenden Effekt: Es nahm fast den Klang einer Flöte an.

Sowohl klanglich als auch optisch begeisterte später Maja Hunziker mit einer Strohgeige. Bei diesem Instrument werden die Schwingungen der Saiten ähnlich wie bei einem Grammophon mit einem Klangtrichter aus Metall verstärkt.

Mehrere Zugaben erklatscht

Mit ihrem »Weltsichten«-Programm lösten die Beteiligten am Ende regelrechte Begeisterungsstürme aus. Erst nach mehreren Zugaben verließen Musiker und Sprecher unter Beifall die Bühne.

An diesem Freitag wird das Literaturprogramm in der Bad Oeynhausener Innenstadt fortgesetzt: mit zwei Lesungen am Standort des Colon-Sültemeyer-Brunnens um 15 Uhr (Raoul Schrott) und um 16 Uhr (Edoardo Albinati) sowie einem Lyrik-Abend um 19.30 Uhr in der Auferstehungskirche am Kurpark.

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