Di., 01.10.2019

Anfangsverdacht gegen 55 Jahre alten leitenden Mitarbeiter – Akten und Datenträger beschlagnahmt Razzia im Wittekindshof: Es geht um Freiheitsberaubung

Im Geschäftsbereich 4 des Wittekindshofes in Bad Oeynhausen findet derzeit eine Razzia von Polizei und Staatsanwaltschaft statt.

Im Geschäftsbereich 4 des Wittekindshofes in Bad Oeynhausen findet derzeit eine Razzia von Polizei und Staatsanwaltschaft statt. Foto: Rajkumar Mukherjee

Von Florian Weyand

Bad Oeynhausen (WB). Polizeieinsatz auf dem Wittekindshof in Bad Oeynhausen: Ermittler aus dem Kreis Minden-Lübbecke und der Staatsanwaltschaft Bielefeld durchsuchen mit 70 Kräften Teile des Geländes im Ortsteil Volmerdingsen.

Beamte in Zivilkleidung durchsuchen seit zehn Uhr den Geschäftsbereich 4 des Wittekindshofs. Hintergrund ist der Verdacht des Freiheitsentzugs. Im Rahmen der mehrstündigen Aktion wurden mehrere Gebäude auf dem weitläufigen Gelände durchsucht.

Anfangsverdacht gegen einen 55-jährigen Mann

»Gegen den Leiter des Geschäftsbereichs, einen 55-jährigen Mann, besteht der Anfangsverdacht, dass er insbesondere im dortigen Bereich Heilpädagogische Intensivbetreuung Zwangsmaßnahmen wie Verschluss im eigenen Zimmer und in einem speziell hierfür angelegten Raum sowie Fixierungen von Bewohnern anordnete, ohne dass ein richterlicher Beschluss hierfür vorlag beziehungsweise zur Weiterführung der Maßnahme eingeholt wurde«, heißt es in einer Pressemeldung der Staatsanwaltschaft Bielefeld. Es wird daher gegen ihn insbesondere wegen des Vorwurfs der Freiheitsberaubung ermittelt.

Die Ermittler sichten derzeit Akten und stellen diese sicher. »Es ist ein großer Polizeieinsatz in einem sensibelen Bereich, es gehe nicht um den gesamten Bereich des Geländes«, sagt Steinmeyer. Er bestätigte am späten Nachmittag auf Nachfrage, dass die Ermittler Akten sowie elektronische Daten sichergestellt haben.

Ermittler rechnen mit einem langen Verfahren

Die Daten »werden nunmehr zur Überprüfung des Anfangsverdachtes ausgewertet«, gibt die Staatsanwaltschaft bekannt. Aufgrund des umfangreichen Materials und möglicherweise den daraus resultierenden Vernehmungen verschiedenster Personen gehen die Ermittler von einem längeren Verfahren aus.

An dem von den Behörden sorgfältig vorbereiteten Einsatz waren rund 70 Beamte vor Ort beteiligt. Darunter befanden sich auch IT-Experten. Zudem war ein Staatsanwalt vor Ort anwesend. Die Aktion dauert derzeit noch an und verlief bisher reibungslos.

Strafanzeige gegen den Wittekindshof

Im Mai hatte die gesetzliche Betreuerin eines damals 28-Jährigen Strafanzeige gegen die Oeyhausener Einrichtung wegen Freiheitsberaubung, Misshandlung von Schutzbefohlenen und Beleidigung gestellt . Der Mann war seit seiner Kindheit aufgrund einer geistigen Behinderung in verschiedenen Einrichtungen untergebracht gewesen. Zuletzt im Wittekindshof.

Im Oktober 2017 hatte er gemeinsam mit seiner Freundin versucht, sich umzubringen. Deshalb legten sie in einem verwaisten Haus an der Mindener Straße Feuer. Das misslang. Jüngst wurde den beiden der Prozess gemacht. Das Urteil: sechs Monate Haft auf Bewährung.

Mann soll elf Monate eingesperrt worden sein

Sein Anwalt Martin Rother berichtete im Mai dieser Zeitung: »Elf Monate ist der Mann in seinem Zimmer eingesperrt worden. Man hat ihn in das Haus IV verlegt. Dort hat eine intensivere Betreuung stattgefunden.« Er sei regelrecht isoliert worden. »Wenn er auf die Toilette wollte, musste er klopfen.

Manchmal hat er dann minutenlang warten müssen, bis ein Pfleger kam.« Einmal sei er 24 Stunden lang auf seinem Bett fixiert worden, habe »Hammermedikamente« bekommen, damit er so ruhig gestellt werden konnte. Rother: »Das ist nur in Ausnahmesituationen und mit einem richterlichen Beschluss gestattet. Und das nur für 30 Minuten unter Fachaufsicht.

Wittekindshof will Ermittlungen unterstützen

Die Diakonische Stiftung Wittekindshof unterstütze die Ermittlungen, teilt Vorstandssprecher Pfarrer Prof. Dr. Dierk Starnitzke mit. »Wir sind an einer vorbehaltlosen Aufklärung im hohen Maße interessiert.« Selbstverständlich kooperiere der Wittekindshof umfassend mit den Behörden. »Denen wir für ihre besonnene Vorgehensweise sehr dankbar.« Starnitzke bitte jedocjh um Verständnis, dass die Einrichtung sich »aufgrund des laufenden Verfahrens nicht zu weiteren Details der Ermittlungen äußern« könne.

 

 

 

Kommentare

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