Sa., 05.10.2019

Prozess gegen Physiotherapeuten aus Bad Oeynhausen fortgesetzt Therapeut besaß Mauspad mit Kinderpornofotos

Der angeklagte Physiotherapeut Rainer M. mit seiner Verteidigerin Iris Grohmann

Der angeklagte Physiotherapeut Rainer M. mit seiner Verteidigerin Iris Grohmann Foto: Christian Althoff

Von Christian Althoff

Bad Oeynhausen (WB). Physiotherapeut Rainer M. aus Bad Oeynhausen, der sich auf Babys und Kinder spezialisiert hatte, soll jahrelang kleine Patientinnen missbraucht haben. Am Freitag ging vor dem Landgericht Bielefeld der Prozess gegen den 61-Jährigen weiter.

An mindestens acht Mädchen im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren soll sich der Therapeut vergangen haben, auch unter Gewaltanwendung. Im Mittelpunkt des zweiten Verhandlungstages standen sogenannte Kinderpornofotos, die Polizisten bei dem Therapeuten gefunden hatten.

Der Vorsitzende Richter Carsten Nabel blätterte durch die Beweismittel, während die Staatsanwältin, die Schöffen, die Verteidiger und vier Opferanwälte um ihn her­umstanden. Auch der Angeklagte Rainer M. ging zur Richterbank hin­über. Mit den Händen in den Hosentaschen sah er sich die Bilder aus zwei, drei Metern Entfernung an. Seine Ehefrau Reinhild M. (62), mitangeklagt wegen Beihilfe, blieb auf ihrem Platz sitzen und starrte vor sich hin.

»Es war verstörend«, sagte die Opferanwältin Zeliha Evlice aus Vlotho später auf dem Gerichtsflur. »Zu den Asservaten gehören auch zwei Mauspads mit Fotos nackter Mädchen, vielleicht fünf oder sechs Jahre alt. Hatte der Angeklagte die Dinger etwa auf seinem Schreibtisch liegen?«

Opferanwalt Baris Devletli aus Bad Oeynhausen sagte, auf dem Richtertisch habe er zudem einen selbstgemachten Wandkalender mit anzüglichen Bildern gesehen. Außerdem Kinderpornofotos, die der Angeklagte katalogisiert und in Kategorien eingeteilt habe: »Von sehr gut bis schlecht.« Zum Teil zeigten die Fotos nackte Kinder am Strand, auf anderen Bildern seien Missbrauchstaten an Mädchen zu sehen.

Rechtsanwältin Evlice sagte, sie vertrete ein 16 Jahre altes Mädchen, das als Erstklässlerin in der Praxis missbraucht worden sein soll . »Was meiner Mandantin damals passiert ist, wurde ihr aber erst bewusst, als sie in die Pubertät kam.« Das Mädchen soll auch von Rainer M. fotografiert worden sein. Rechtsanwalt Devletli: »Auch meine Mandantin hat die große Sorge, dass Missbrauchsfotos von ihr existieren und vielleicht sogar im Umlauf sind. Sie hofft, dass der Prozess Klarheit bringt.«

Bisher allerdings äußern sich die Angeklagten nicht persönlich. Ihre Verteidiger hatten lediglich zum Prozessauftakt Mitte September erklärt, in der Bad Oeynhausener Praxis sei eine »spezielle manuelle Therapie« angewendet worden, die Rainer M. aus unterschiedlichen Therapien entwickelt habe. Von Kindesmissbrauch wollen die Angeklagten nichts wissen.

Am Montag wird die Verhandlung fortgesetzt. Die Angeklagten haben angekündigt, dass ihre Anwälte dann Details zu der »speziellen manuellen Therapie« mitteilen werden. Das Gericht hat vorsorglich einen Sachverständigen für Physiotherapie geladen, der sich die Schilderungen anhören und sie bewerten soll.

Kommentare

"Zu den Asservaten gehören auch zwei Mauspads mit Fotos nackter Mädchen, vielleicht fünf oder sechs Jahre alt."

Wer bedruckt so etwas, ohne Anzeige zu erstatten? Hier sehe ich noch Ermittlungsbedarf!

1 Kommentare

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