Mi., 09.10.2019

Pianist Robin Giesbrecht (26) spricht über sein bewegtes Leben als Künstler Klavierkonzert statt Hochzeitsreise

In der Konzertreihe »Beflügelt« des Kirchenkreises Vlotho ist Robin Giesbrecht an diesem Freitag in der Evangelischen Kirche in Eidinghausen zu hören. Dieses Foto ist bei seinem Auftritt im Februar 2017 an gleicher Stelle entstanden.

In der Konzertreihe »Beflügelt« des Kirchenkreises Vlotho ist Robin Giesbrecht an diesem Freitag in der Evangelischen Kirche in Eidinghausen zu hören. Dieses Foto ist bei seinem Auftritt im Februar 2017 an gleicher Stelle entstanden.

Bad Oeynhausen  (WB). Obwohl er bereits seit 2011 in den USA lebt, kehrt Robin Giesbrecht immer wieder gerne in seine alte Heimat Bad Oeynhausen zurück. Vor seinem Konzert an diesem Freitag um 20 Uhr in der Evangelischen Kirche in Eidinghausen spricht der 26-Jährige über seine Arbeit als Pianist und Dozent, seine Hochzeit und seine Begeisterung für den »American Way of Life«. Die Fragen stellte Redakteur Malte Samtenschnieder.

Mit welchen Gefühlen blicken Sie Ihrem »Heimspiel« am Freitag, 11. Oktober, in der Evangelischen Kirche in Eidinghausen entgegen? Werden Sie bei diesem besonderen Konzert in der alten Heimat Familie und Freunde wiedersehen? Auf wen freuen Sie sich besonders?

Robin Giesbrecht: Ich freue mich auf mein Konzert in der alten Heimat. Denn es ist jetzt in der Tat meine »alte« Heimat. Ich lebe nun schon seit fast acht Jahren in den USA und sehe vor allem nach meiner Hochzeit vor drei Wochen New York als meine »neue« Heimat an. Jedoch freue ich mich sehr, meine Familie wieder zu sehen und mit meinem Bruder einige Runden Fifa zu spielen. Das ist bei uns so Tradition. Auch hoffe ich, nach so langer Zeit alte Schulfreunde wieder zu sehen.

Haben Sie Gelegenheit, einige Tage in Bad Oeynhausen zu verweilen, oder müssen Sie sich direkt um folgende Projekte kümmern?

Giesbrecht: Ich reise Donnerstagabend an und fliege leider am Sonntag wieder zurück. Meine Frau Arianna und ich haben in den nächsten Wochen weitere Konzerte, bevor wir uns auf unsere Flitterwochen Anfang November auf Bora Bora freuen können.

Sie haben Werke von Albeniz, Liszt, Chopin und Rachmaninoff auf das Programm für das »Beflügelt«-Konzert in Eidinghausen gesetzt. Was waren die Kriterien für diese Stückauswahl?

Giesbrecht: Das derzeitige Programm ist eine Mischung aus Werken, die mich mein ganzes Leben lang begleitet haben. Die Chopin-Walzer waren die ersten anspruchsvollen Werke, die ich als Kind gespielt habe. Die Flamencos von Albeniz zeigen meine Begeisterung, zu reisen und andere Kulturen kennenzulernen. Die »Dante Sonata« von Liszt ist wohl das wichtigste Werk in meinem Repertoire, das ich für den Rest meines Lebens weiterspielen und studieren werde. Die zweite Rachmaninow-Sonate zeigt meine musikalische Entwicklung in den vergangenen Jahren. Insgesamt wird es ein Konzert mit einem bewährten Programm, das für alle zugänglich ist.

Bei Ihrem letzten Gastspiel in Bad Oeynhausen hatten Sie eine große Überraschung im Gepäck: Mit ihrer Lebenspartnerin Arianna – ebenfalls einer ausgezeichneten Pianistin – haben Sie Teile des Programms als Duo bestritten. Werden Sie diesmal wieder gemeinsam auftreten?

Giesbrecht: Meine Frau konzertiert diesmal selbst – und zwar in ihrer eigenen Heimatstadt Cleveland. Es ist ein unglaublicher Zufall, dass wir beide, kurz nach unserer Hochzeit, am selben Wochenende Konzerte in unseren Heimatstädten haben.

Eigentlich müssten Sie und Ihre Frau derzeit gemeinsam Ihren »Honeymoon« genießen. Ist die Hochzeitsreise wegen zu vieler Termine ersatzlos gestrichen oder wird sie später nachgeholt?

Giesbrecht: Anfang November geht es, wie gesagt, los. Wir können es kaum abwarten, für zwei Wochen abzuschalten.

Als Mittzwanziger blicken Sie bereits auf eine reichhaltige Konzerterfahrung mit Auftritten in aller Welt zurück. Wie fügen sich die Auftritte in Bad Oeynhausen hier ein? Welches Gastspiel haben Sie bisher am meisten genossen? Wo würden Sie gerne einmal auftreten? Mit wem würden Sie gerne einmal die Bühne teilen?

Giesbrecht: Ich erinnere mich gerne vor allem an Bad Oeynhausen und an meine Kindheit zurück. Am meisten vermisse ich meinen Mentor Gottfried Böttger, mit dem zusammen ich in Bad Oeynhausen ein großartiges »Classic meets Jazz«-Konzert gespielt habe. Ich wünschte mir, wir könnten das wiederholen.

Sie haben Ihr Musikstudium an der Juilliard School in New York und an der Yale-University in New Haven absolviert. Wie sieht Ihr Alltag nach dem Abschluss Ihres Studiums aus?

Giesbrecht: Während ich an der Yale-Universität Bachelor-Studenten unterrichte, bereiten Arianna und ich uns durchgehend auf kommende Konzerte vor, überlegen uns neue Pläne und Programme – und kümmern uns unter anderem auch um die Organisation vieler Konzerte. Gleichzeitig ziehen wir eine neue Stiftung in Connecticut auf, mit der wir eine Konzertreihe ins Leben rufen sowie in der späteren Zukunft eine Schule eröffnen wollen.

Sie sind sowohl als Konzertpianist als auch als Dozent für Klavier tätig. Was bedeutet es Ihnen, Ihr Wissen und Ihre Erfahrung an andere aufstrebende Pianisten weiterzugeben?

Giesbrecht: Die klassische Musik ruht im Gegensatz zur populären Meinung nie. Wir lernen weiterhin so viel über die Musik und durch die Musik, und so ist es wichtig, das wir dieses Wissen aktiv bereichern. Beispielsweise wissen wir noch immer weniger über viele Lernprozesse unseres Gedächtnisses als über das Universum – das muss man sich erst mal richtig vorstellen. An der Yale-Universität habe ich viel über neurowissenschaftliche Studien in Verbindung mit der Musik gelernt. Oft war ich Teil dieser Studien. Und so ist es mein Ziel, dieses Verständnis in meinem Unterricht zu nutzen, um effizientes Lernen und Üben zu fördern.

Sie leben seit 2011 in den USA. Können Sie sich vorstellen, eines Tages nach Deutschland zurückzukehren?

Giesbrecht: Das weiß ich noch nicht. Wir sind oft am Träumen, dass wir spontan nach Hamburg ziehen, meine Lieblingsstadt in Deutschland. Jedoch können wir uns ebenfalls unser Lächeln bei jeder Landung mit dem Flugzeug in New York – mit dem schönsten Blick der Welt – kaum verkneifen. Aber vielleicht eines Tages...

Was sind Ihrer Meinung nach derzeit die größten Unterschiede zwischen dem »American Way of Life« und dem Leben in Deutschland?

Giesbrecht: Ich glaube, wir könnten die ganze Zeitung mit den Unterschieden füllen. Zusätzlich ist der »American Way of Life« in New York noch mal ganz anders als in den restlichen Staaten. Vor allem ist in New York alles schneller: Das merke ich vor allem, wenn ich Freunde oder Familie zu Besuch habe. Über die generellen Unterschiede, etwa in Politik oder Wirtschaft, muss ich, glaube ich, nichts hinzufügen. Das wird schon in den Nachrichten regelmäßig besprochen.

Glauben Sie, Musik kann dabei helfen, diese unterschiedlichen Philosophien in Einklang zu bringen?

Giesbrecht: Musik geht über diese Grenzen hinaus. Musik kann uns verbinden – trotz aller Unterschiede. Denn sie ist emotional, nicht nur philosophisch. Gleichzeitig jedoch dürfen wir nicht vergessen, dass Musik eben doch von Menschen geschrieben wurde, die von menschlichen Problemen betroffen waren. So müssen wir als Interpreten also den Einklang finden.

Können Sie dafür ein Beispiel benennen?

Giesbrecht: Liszts »Dante Sonata« ist ein perfektes Beispiel: Obwohl der Komponist dieses Werk als programmatische Tondichtung schrieb, um die Erfahrungen von Dantes Inferno in Musik zu verwandeln, war er selbst auch oft in seiner eigenen »Hölle« gefangen, wie er oft schrieb. So kann man die Schönheit der Musik selbst miterleben, jedoch auch den emotionalen Schmerz, den der Komponist in dieser quasi Improvisation festgehalten hat.

Worauf dürfen sich die Zuhörer bei Ihrem Auftritt in wenigen Tagen in der Evangelischen Kirche in Eidinghausen freuen?

Giesbrecht: Vor allem auf ein buntes Programm, in dem für jeden etwas dabei ist.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6988589?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516044%2F