Was nach dem Leichenfund unter einer Bäckerei-Terrasse in Bad Oeynhausen jetzt noch weiter passiert
Alter der Knochen wird ermittelt

Bad Oeynhausen (WB). Der Leichenfund unter der Terrasse der Bäckereifiliale »Brotschaft« am Südbahnhof, fast genau vor einem Monat , hat viele Menschen bewegt. Über den Stand der Ermittlungen und das weitere Vorgehen hat das WESTFALEN-BLATT mit Polizeisprecher Thomas Bensch gesprochen. Mittlerweile ist die Mordkommission aufgelöst worden.

Freitag, 25.10.2019, 19:41 Uhr aktualisiert: 26.10.2019, 09:24 Uhr
Vor fast genau einem Monat ist unter der Terrasse der »Brotschaft«, unweit des Südbahnhofes, ein Leichnam entdeckt worden. Bislang ist die Identität des Mannes weiter unklar. Weitergehende rechtsmedizinische Analysen laufen. Foto: Louis Ruthe
Vor fast genau einem Monat ist unter der Terrasse der »Brotschaft«, unweit des Südbahnhofes, ein Leichnam entdeckt worden. Bislang ist die Identität des Mannes weiter unklar. Weitergehende rechtsmedizinische Analysen laufen. Foto: Louis Ruthe

Wie besonders/ungewöhnlich ist dieser Fall aus Sicht der Polizei einzustufen?

Thomas Bensch: Eine Besonderheit an diesem Fall ist sicherlich, dass der Bereich um den ehemaligen Südbahnhof dauerhaft von einer Vielzahl von Menschen frequentiert wird. Ebenso markant ist es, dass die sterblichen Überreste dort unter einer öffentlich zugänglichen Terrasse gelegen haben. Zudem ist es sehr ungewöhnlich, dass dies über viele Jahren hinweg unentdeckt geblieben ist. Darüber hinaus gibt es derzeit keine örtlichen Vermisstenfälle, die im Zusammenhang mit der Leiche zu sehen sind.

 

Sind inzwischen Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen?

Bensch: Ja, bei den Ermittlern sind einige Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen. Diese sind mit den vorhandenen Informationen abgeglichen worden, haben aber letztendlich nicht zur Identifikation des Mannes beigetragen.

 

Ist eine weitergehende Obduktion des Leichnams angedacht?

Bensch: Die Obduktion hat im September das Rechtsmedizinische Institut des Universitätsklinikums Münster abschließend durchgeführt. Anschließend sind weitere, zum Teil sehr aufwendige Untersuchungen eingeleitet worden. Dadurch erhoffen sich die Ermittler auch Aufschluss zur Identität des Verstorbenen zu erhalten. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen gilt es abzuwarten.

Rechtsmedizinische Untersuchungen brauchen Zeit

Ist eine ergänzende Öffentlichkeitsfahndung mit Kleidungsstücken geplant?

Bensch: Für weitere zielgerichtete Ermittlungen bedarf es unter anderem der Ergebnisse der rechtsmedizinischen Untersuchungen. Dabei wird unter anderem das Alter der Knochen ermittelt. Mit Hilfe dieser Ergebnisse erhoffen sich die Ermittler die minimale, beziehungsweise die maximale Liegezeit der Knochen bestimmen zu können. Zudem wird bei der rechtsmedizinischen Untersuchung der Zahnstatus des Verstorbenen erhoben. Die erwarteten Ergebnisse führen dann hoffentlich zur Klärung der Identität des Toten.

 

Wann kann mit den Ergebnissen dieser rechtsmedizinischen Untersuchung gerechnet werden?

Bensch: Solche Untersuchungen sind sehr zeitintensiv. Das kann einige Monate dauern. Da in dem Fall des Verstorbenen nach wie vor von einem Vermisstenfall ausgegangen wird, ist ein Termin für das Ende der Untersuchungen schwer einzuschätzen. Denn ein Kapitalverbrechen wie Mord, wird im Vergleich zu der Untersuchung dieses Leichnams priorisiert behandelt.

Der Fall könnte bei Aktenzeichen XY landen

Wie aufwendig ist ein Abgleich mit der Vermisstenkartei auf Landes- beziehungsweise Bundesebene?

Bensch: Ein mit den bislang vorhandenen Ergebnissen erfolgter Abgleich verlief negativ. Für eine weitere zielgerichtete Suche über das Bundes- und Landeskriminalamt bedarf es ebenfalls der rechtsmedizinischen Untersuchungen.

 

Wäre der Fall etwas für die Fernsehsendung Aktenzeichen XY?

Bensch: Die Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke hat in der Vergangenheit schon einige Fälle in der Sendung »Aktenzeichen XY ungelöst« vorgestellt. Ob sich das Sendeformat auch in diesem Fall anbietet, wird von den weiteren Ermittlungen abhängen.

Welche Fälle aus dem Kreisgebiet sind in der Sendung bislang gezeigt worden?

Bensch: An drei Fälle kann ich mich erinnern. Im Jahr 2008 haben sich bei einem Überfall in Minden-Haddenhausen zwei unbekannte Personen als Kriminalbeamte ausgegeben. Im November 2014 hat ein Beamter der Kreispolizeibehörde nach zwei Maskierten gefahndet, die in Porta Westfalica ein Rentnerehepaar in deren Haus überfallen hatten. Zuletzt ist der Raubüberfall auf den Edeka-Markt in Preußisch Oldendorf-Bad Holzhausen in der Sendung thematisiert worden. Nach den Sendungen haben die Polizei mehrere dutzend Hinweise erreicht.

Leichnam ist bereits bestatten worden

Wenn Sie einen Prozentwert angeben müssten: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass man die Identität des Mannes ermitteln kann?

Bensch: Dies wäre derzeit rein spekulativ und entspricht nicht einer professionellen Polizeiarbeit, welche sich ausschließlich an Fakten orientiert.

 

Was passiert mit dem Leichnam nach dem Ende der Ermittlungen?

Bensch: Die sterblichen Überreste wurden zwischenzeitlich seitens der Staatsanwaltschaft Bielefeld freigegeben. Anschließend fand, gemäß der Bestattungsrichtlinien des Landes NRW, die Beisetzung statt.

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