Di., 29.10.2019

Landgericht setzt Prozess gegen Ehepaar aus Bad Oeynhausen fort Therapeut hat Kind angefasst

Rainer und Reinhild M. gestern auf der Anklagebank im Bielefelder Landgericht.

Rainer und Reinhild M. gestern auf der Anklagebank im Bielefelder Landgericht. Foto: Althoff

Bad Oeynhausen (WB/ca). Im Prozess um den mutmaßlichen Missbrauch acht kleiner Patientinnen hat der angeklagte Physiotherapeut aus Bad Oeynhausen gestern ein weiteres Teilgeständnis abgelegt. Er gab zu, ein Kind beim Herstellen eines Kinderpornofotos angefasst zu haben.

Rainer M. (61) steht wegen Besitzes und Herstellens sogenannter Kinderpornografie und Kindesmissbrauchs vor Gericht. Auch seine Ehefrau Reinhild M. (62), die ihm geholfen haben soll, ist angeklagt. Acht Mädchen glaubt die Staatsanwaltschaft als Opfer identifiziert zu haben, 149 Mädchen standen in der Patientenkartei.

Gestern sahen sich die Prozessbeteiligten erneut Fotos aus dem Besitz des Angeklagten an, darunter ein Bild, das den in Pose gesetzten Po einer kleinen Patientin zeigen soll. Er habe das Foto gemacht, aber nie ein Kind angefasst, beteuerte der Angeklagte. Daraufhin wollte der Vorsitzende Richter wissen, wessen Daumen denn auf dem Bild zu sehen sei. Rainer M. wich aus, aber später erklärte seine Anwältin: »Es war doch sein Daumen.« Das Gericht wies erneut darauf hin, dass es nicht gut sei, nur das zuzugeben, was ohnehin bewiesen sei.

Ein Techniker war auf die Bilder gestoßen

Zu Beginn des Prozesstages hatte das Gericht Polizisten befragt, die in dem Fall ermittelt hatten. Ein Beamter erklärte, den Hinweis auf den Physiotherapeuten habe die Polizei im Oktober 2017 bekommen: »Ein von dem Therapeuten beauftragter Computertechniker war bei einer Fernwartung des PCs auf Kinderpornos gestoßen.«  Er selbst habe den Fall erst im März 2019 »von einem kranken Kollegen« übernommen und zwei Tage später mit anderen Polizisten bei Rainer M. durchsucht – wegen Verdachts des Kinderpornobesitzes. »Wir hatten Personalnot bei der Kripo. Ich war der einzige Kriminalbeamte bei der Durchsuchung.« Die Ehefrau habe sich nicht für die eineinhalbstündige Durchsuchung der Wohnung interessiert. »Sie setzte sich vor den Fernseher und aß etwas.«

Der Polizist sagte, bei der Wohnungsdurchsuchung sei er auf Fotos gestoßen, bei denen er das Gefühl gehabt habe, »dass es hier auch um Kindesmissbrauch gehen könnte«. Er habe Rainer M. geraten, keine Kinder mehr zu behandeln, dann habe er die Staatsanwaltschaft informiert und das Kreisgesundheitsamt. Das hatte allerdings fast zwei Wochen gebraucht, um Rainer M. die Arbeit mit Kindern zu untersagen.

Der Prozess geht im November mit der Befragung möglicher Opfer ohne Öffentlichkeit weiter.

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