Do., 21.11.2019

Gute Resonanz auf Telefon-Sprechstunde mit dem HDZ NRW »Erste Signale nicht unterschätzen«

Antworten rund um den Diabetes: Die Oberärzte Dr. Michael Hauber (von links), Dr. Young Hee Lee-Barkey, Abdulwahab Arbi und Dr. Tania-Cristina Costea haben den WESTFALEN-BLATT-Lesern am Weltdiabetestag Rede und Antwort gestanden.

Antworten rund um den Diabetes: Die Oberärzte Dr. Michael Hauber (von links), Dr. Young Hee Lee-Barkey, Abdulwahab Arbi und Dr. Tania-Cristina Costea haben den WESTFALEN-BLATT-Lesern am Weltdiabetestag Rede und Antwort gestanden. Foto: Marcel Mompour

Bad Oeynhausen (WB). Als komplexe Grunderkrankung erfordert der Diabetes mellitus vor allem eine besondere und dauerhafte Achtsamkeit auf vermeintlich harmlose Geschehen wie kleine Wunden, Kribbeln in den Füßen oder Sehstörungen. Denn solche können für Diabetiker schnell zu großen Problemen führen.

Soweit der Tenor der Leser-Telefonaktion dieser Zeitung, die am Weltdiabetestag mit vier Oberärzten des Diabeteszentrums am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW) stattfand.

»Nein, auf den Kaffee müssen Sie nicht verzichten.«

»Nein, auf den Kaffee müssen Sie nicht verzichten.« Diese Sorge kann Oberarzt Dr. Michael Hauber der 60-jährigen Anruferin nehmen, die sich Rat suchend aufgrund erhöhter Leberwerte meldet. Unter Diabetikern ist die Fettleber weit verbreitet: Etwa 85 Prozent leiden unter der Erkrankung, während im Vergleich zur Normalbevölkerung etwa ein Viertel aller Erwachsenen betroffen sind. Die Leberwerte GOT und GPT geben dabei im ersten Stadium der Erkrankung bei einer Blutuntersuchung in aller Regel noch keinen Hinweis. »Ein Ultraschall der Leber kann Aufschluss geben«, erläutert Michael Hauber. »Die gute Nachricht ist, dass die Fetteinlagerungen in den Leberzellen oft rückgängig gemacht werden können«, sagt der Gastroenterologe.

Dr. Michael Hauber wie auch Oberärztin Dr. Young-Hee Lee-Barkey empfehlen bei Fettleber, das Gewicht zu reduzieren. Grundsätzlich sollten Menschen mit Diabetes auf ihr Gewicht und eine ausgewogene Ernährung achten, vor allem aber auch auf Bewegung: »10.000 Schritte am Tag sollten es schon sein.«

»Diabetes kann die Aktivität bestimmter Hormone beeinflussen.«

Eine Anruferin (78) leidet neben einer Fettleber an einer chronischen Magenschleimhautentzündung (Gastritis), vermutlich durch Bakterien verursacht. »Hier wird in der Regel mit säurehemmenden Medikamenten in Verbindung mit speziellen Antibiotika behandelt«, erklärt Michael Hauber. »Wichtig ist es, dass Patienten empfohlene Dosierungen bei zwei Medikamenten einhalten und der Therapieerfolg kontrolliert wird, zum Beispiel durch Atemtest oder Magenspiegelung.«

Die Endokrinologin Dr. Tania-Cristina Costea stand als Ansprechpartnerin zum Thema Schilddrüse und Hormone zur Verfügung. »Ein schon bestehender Diabetes kann die Aktivität bestimmter Hormone beeinflussen.« Das ist bei einer 58-jährigen Anruferin der Fall, die mit erhöhten Blutzucker- und Cholesterinwerten bislang nicht behandelt wird und bereits seit zehn Jahren an Typ 2-Diabetes leidet. »Voraussichtlich sind hier auch entsprechende Medikamente für die Schilddrüse notwendig, die gut eingestellt werden müssen.«

Schon ein kleiner Kratzer an der Haut kann zu großen Problemen führen

Deutlich komplexer ist das Krankheitsbild einer Anruferin, die bereits einen Herzinfarkt erlitten hat, an Asthma und Leberzirrhose leidet und bei der die Autoimmunerkrankung Hashimoto sowie eine Gefäßentzündung diagnostiziert wurden. »Je zahlreicher die Begleiterkrankungen sind, die im Zusammenhang mit der Diabeteserkrankung auftreten, umso aufwendiger gestaltet sich meist die Behandlung.« Es sei wichtig, frühzeitig auf kleinste Veränderungen zu achten und Symptome nicht zu unterschätzen.

Dass schon ein kleiner Kratzer an der Haut zu großen Problemen führen kann, weiß Oberarzt Abdulwahab Arbi, der als Spezialist für Wundheilung Fragen zum Diabetischen Fußsyndrom beantwortet. Ein 83-jähriger Anrufer klagt über eine chronische Wunde an der Ferse, die sich einfach nicht schließen will. Auf Nachfrage erfährt Abdulwahab Arbi, dass der Mann seit 20 Jahren Typ-2-Diabetiker und seine Wunde schon viele Monate unbehandelt ist. »Chronische Wunden oder Wundbrand entstehen aufgrund von Nerven- und Durchblutungsstörungen als schlimme Diabeteskomplikation«, sagt Abdulwahab Arbi.

Nicht verschleppen

Bei Vorliegen einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK), von der eine weitere Anruferin berichtet, schmerzen oft auch Waden und Füße. Dies sollte mit einer stationären Untersuchung abgeklärt werden, rät Abdulwahab Arbi. Dem Anrufer mit der Fußwunde empfiehlt er, ein zertifiziertes ambulantes Wundheilungszentrum aufzusuchen, um Therapiemöglichkeiten zu klären. Er sagt: »Möglicherweise ist es ratsam, spezielles Schuhwerk zu tragen. Moderne Therapieverfahren mittels Vakuumverband, Fischhaut- oder Kaltplasmatherapie fördern die Heilung von langwierigen Wunden. Das darf nicht verschleppt werden, sonst drohen Verformungen und Gelenkversteifungen des Fußes bis hin zur Knochenauflösung oder schlimmstenfalls eine Amputation.«

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