Jüngster Patient im Herzzentrum Bad Oeynhausen war zwei Tage alt
30 Jahre Transplantationen im NRW-Herzzentrum

Bad Oeynhausen (WB). 30 Jahre Herztransplantationen in Bad Oeynhausen: Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) wird am Samstag ins NRW-Herz- und Diabeteszentrum (HDZ) kommen, um das Jubiläum mit Patienten und Ärzten zu feiern.

Freitag, 13.12.2019, 03:00 Uhr aktualisiert: 13.12.2019, 07:11 Uhr
Noah (3) hat im Juli in Bad Oeynhausen ein Spenderherz bekommen, sein Vater Markus 1991 mit vier Jahren. Er hatte damals Glück und musste nur sechs Wochen auf ein Spenderorgan warten, Noah dagegen ein Jahr. In dieser Zeit am Kunstherzen erlitt er einen Schlaganfall. Foto: HDZ
Noah (3) hat im Juli in Bad Oeynhausen ein Spenderherz bekommen, sein Vater Markus 1991 mit vier Jahren. Er hatte damals Glück und musste nur sechs Wochen auf ein Spenderorgan warten, Noah dagegen ein Jahr. In dieser Zeit am Kunstherzen erlitt er einen Schlaganfall. Foto: HDZ

Wie alles begann

1989, neun Jahre nach Gründung des NRW-Herzzentrums, bekam hier ein Soldat aus Bielefeld als erster Patient ein Spenderherz. Er lebte noch 13 Jahre mit dem fremden Organ. 20 Jahre zuvor, 1969, war in München zum ersten Mal in Deutschland ein Herz verpflanzt worden. Der Patient überlebte aber nur 27 Stunden. Die nächste Transplantation in Deutschland wurde erst 15 Jahre später durchgeführt, nachdem Sandoz das Medikament Ciclosporin entwickelt hatte. Es dämpft die Immunabwehr, so dass Spenderorgane nicht mehr so leicht abgestoßen werden.

Wann passt ein Herz?

Spender und Empfänger müssen die gleiche Blutgruppe haben, und die Größe der Herzen sollte gleich sein. Auf der Warteliste des Herzzentrums stehen regelmäßig zwischen 100 und 150 Menschen. Vor allem Kinder müssen lange warten, oft bis zu zwei Jahre.

2525 Herzen transplantiert

In Bad Oeynhausen wurden bisher 2525 Herzen verpflanzt, außerdem 58 Lungen. Zudem gab es 24 Herz-Lungentransplantationen. Damit ist das Herz- und Diabeteszentrum europaweit nach Paris das zweitgrößte Zentrum.

Das kostet eine OP

Eine Transplantation kostet laut AOK je nach Aufwand zwischen 74.000 und 166.000 Euro.

Mit zwei tagen operiert

Empfänger eines Spenderherzens waren bisher 426 Frauen, 1909 Männer, 104 Jungen und 86 Mädchen. Der jüngste Patient in Bad Oeynhausen war ein zwei Tage altes Neugeborenes, der älteste 77 Jahre. Anfangs wurden Kinder von „normalen“ Herzchirurgen operiert, später von Kinderherzchirurgen. Seit 2008 gibt es im Herzzentrum eine eigene Abteilung für die Behandlung angeborener Herzfehler, sie wird von Herzchirurg Dr. Eugen Sandica geleitet. Ihm zur Seite steht seit Jahren die Kinderherzchirurgin Dr. Ute Blanz. Studien zeigen, dass junge Patienten fremde Organe besser verkraften als alte.

Die Überlebenschance

Zwischen 1967 (erste Transplantation durch Christiaan Barnard) und 1970 wurden weltweit 164 Herzen transplantiert, doch die Patienten überlebten im Durchschnitt nur vier Monate. Erst bessere Medikamente gegen die Abstoßung brachten den Fortschritt. Prof. Jan Gummert, Ärztlicher Direktor des HDZ: „Heute leben zehn Jahre nach der Transplantation noch etwa 60 Prozent der Patienten. Drei unserer Patienten haben sogar schon seit mehr als 30 Jahren ein Spenderherz.“

Die stressigste Nacht

Manchmal warten die Herzchirurgen wochenlang auf ein Spenderherz, manchmal überschlagen sich die Ereignisse. Es war am 23. April 2009 kurz nach Mitternacht, als dem Herzzentrum in Bad Oeynhausen drei Organe zugewiesen wurden. Noch in der Nacht operierten die Ärzte einen Jungen (13) aus Detmold, eine Frau (39) aus Hameln und einen Mann (40) aus Solingen. Seit damals ist es acht Mal vorgekommen, dass im HDZ drei Herztransplantationen innerhalb von 24 Stunden durchgeführt wurden.

Hoch und tief

1991 wurden in Bad Oeynhausen 147 Herzen transplantiert, 2007 waren es nur 61.

Das OP-Team

Im HDZ gibt es zehn Chirurgen, die Herzen verpflanzen. Zum OP-Team gehören der Operateur, zwei Assistenten, ein Anästhesist, ein Kardiotechniker, OP-Pfleger und Anästhesiepfleger – insgesamt bis zu zwölf Mitarbeiter. Dazu kommen im Vorfeld der Transplantationskoordinator und das Entnahmeteam. In der Regel dauert eine Transplantation mindestens drei bis vier Stunden.

Was sich geändert hat

Prof. Jan Gummert

Prof. Jan Gummert Foto: HDZ

„Eine Herztransplantation ist für einen Chirurgen technisch gesehen keine besonders anspruchsvolle Operation“, sagt Prof. Jan Gummert. Die Herausforderung sei, die Abstoßung unter Kontrolle zu halten. „Hier hatte die Entdeckung von Ciclosporin zur Prävention der Abstoßung deutlichen Einfluss auf die Lebenserwartung.“ Die Medikamente seien immer weiter verbessert worden. Veränderungen hätten sich in den letzten 30 Jahren auch durch den Einsatz von Herzunterstützungssystemen und Kunstherzen ergeben, die die Zeit zur Transplantation überbrücken sollen: „Diese Implantate müssen vor der Transplantation entfernt werden, was zusätzlicher OP-Zeit bedarf.“

Weihnachtsgeschenke

Sechs Mal schon fand eine Herztransplantation Heiligabend statt. 2014 gab es am 24. Dezember sogar zwei Herztransplantationen und eine Lungentransplantation.

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