Mi., 15.01.2020

71-jähriger Bad Oeynhausener muss Geldauflage in Höhe von 1000 Euro bezahlen Rentner vertickt „Potenzpillchen“

52 „Poppers“-Pillen, 164 „Kamagra“-Pillen, 228 „Cenfore“-Pillen, drei „Blueberry“-Pillen und 56 Packungen „Kamagra Oral Jelly“ hat die Polizei in der Wohnung des Mannes gefunden.

52 „Poppers“-Pillen, 164 „Kamagra“-Pillen, 228 „Cenfore“-Pillen, drei „Blueberry“-Pillen und 56 Packungen „Kamagra Oral Jelly“ hat die Polizei in der Wohnung des Mannes gefunden. Foto: dpa

Von Louis Ruthe

Bad Oeynhausen/Löhne (WB). Vor dem Amtsgericht Bad Oeynhausen hat sich ein Bad Oeynhausener (71) wegen des unerlaubten Handelns mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln verantworten müssen. Im Mai 2019 soll der Angeklagte auf dem WEZ-Parkplatz an der Koblenzer Straße in Gohfeld einem Unbekannten eine Dose mit „blauen Pillen“ für 50 Euro verkauft haben.

Diesen Vorgang beobachtete eine Zeugin und informierte die Polizei. Bei einer darauffolgenden Polizei-Kontrolle wurden laut Staatsanwaltschaft 52 „Poppers“-Pillen, 164 „Kamagra“-Pillen, 228 „Cenfore“-Pillen, drei „Blueberry“-Pillen und 56 Packungen „Kamagra Oral Jelly“ sowie 900 Euro Bargeld sichergestellt.

Alle Pillen dienten zur Potenzsteigerung und enthielten den verschreibungspflichtigen Arzneistoff Sildenafil. Auf Nachfrage des Amtsrichters Dr. Cornelius räumte der Angeklagte die Vorwürfe ein und ließ über seinen Verteidiger verlauten, dass 700 Euro aus dem Verkauf der Pillen stammen und 200 Euro von seinem Konto.

Bad Oeynhausener lebt von 466 Euro Grundsicherung

Da der 71-Jährige von monatlich 466 Euro Grundsicherung lebt, habe er sich ein paar Euro dazuverdienen wollen. Die verschreibungspflichtigen Arzneimittel habe er aus dem Internet und auf Flohmärkten erworben. Dabei habe er Restmengen günstig gekauft und diese für etwas mehr weiterverkauft.

In Absprache mit der Staatsanwaltschaft fasste Amtsrichter Dr. Cornelius aufgrund des gesundheitlichen Zustandes des Angeklagten – er leidet an einer schweren Lungenkrankheit – den Beschluss, das Verfahren gegen die Auflage einzustellen, dass innerhalb von drei Monaten ein Betrag von insgesamt 1000 Euro gezahlt wird, wobei die sichergestellten 900 Euro verrechnet werden. Die restlichen 100 Euro solle der Angeklagte in drei Monatsraten bezahlen.

Kommentare

Armer Mann

Hier wurde, wie ich finde, ein hartes Urteil gefällt. Ein einfacher, fast banaler Sachverhalt; ein geständiger und wie man den Einruck hat, verschämter Angklagter, wahrscheinlich ohne große Anwaltskanzlei an seiner Seite - da schlägt der Rechtsstaat ungezügelt zu. Wenn man die 1000 € Geldauflage ins Verhältnis zu seinem Einkommen setzt, wird er sich diese buchstäblich vom Munde absparen müssen. Und lassen sie mich hinzufügen: Wer freiwillig solche Schrottpillen auf einem Parkplatz kauft, ist selbst schuld. Sie wurden ihm nicht untergeschoben wie zahllosen Krebspatienten im Ruhrgebiet gestreckte Cytostatica. Was ist eigentlich aus dem Täter geworden?
Muß der sich auch seine Strafe vom Munde absparen? Ich vermute nicht.

1 Kommentare

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