So., 16.02.2020

Neujahrsempfang der CDU: Steffen Kampeter beschwört Offenheit für „moderne bürgerliche Mitte“ 20-er Jahre mit Freude angehen

Schulterschluss in der Wandelhalle mit Vortragsgast Steffen Kampeter (Dritter von rechts), Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, und ehemals langjähriger Bundestagsabgeordneter sowie CDU Kreisvorsitzender. Mit im Bild sind (von links) Lars Bökenkröger (CDU-Bürgermeisterkandidat Bad Oeynhausen), Detlef Beckschewe (Chef der Kreistagsfraktion), CDU-Landratskandidatin Anna Katharina Bölling, die Landtagsabgeordnete Kirstin Korte und CDU-Kreisvorsitzender Dr. Oliver Vogt.

Schulterschluss in der Wandelhalle mit Vortragsgast Steffen Kampeter (Dritter von rechts), Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, und ehemals langjähriger Bundestagsabgeordneter sowie CDU Kreisvorsitzender. Mit im Bild sind (von links) Lars Bökenkröger (CDU-Bürgermeisterkandidat Bad Oeynhausen), Detlef Beckschewe (Chef der Kreistagsfraktion), CDU-Landratskandidatin Anna Katharina Bölling, die Landtagsabgeordnete Kirstin Korte und CDU-Kreisvorsitzender Dr. Oliver Vogt. Foto: Claus Brand

Von Claus Brand

Bad Oeynhausen (WB). Wie können die 20-er Jahre an den Erfolg des vorherigen Jahrzehnts anknüpfen? Auf diese Frage hat Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, seine Antworten gegeben. Fest steht für ihn: „Die 20-er Jahre bringen große Veränderungen.“

Er ist überzeugt, dass Deutschland aktuell Champions League spielt. Das soziale Sicherungssystem leistungsfähig, die Entwicklung als international anerkannter Partner positiv: „Eine enorme Leistung“, befand er. Er nimmt aber Warnsignale mit Blick auf die nächste Runde wahr, so in der Automobilindustrie mit Bedeutung für die Zulieferer.

„Die Sorgen der Leute muss man ernst nehmen“

„Der Jobaufbau wird nicht mühelos so weitergehen. Das Land verändert sich, wirtschaftlich, politisch.“ Auch Klima- und Flüchtlingsfragen nennt er. Er spüre aktuell mehr Verunsicherung. Kampeter: „Die Sorgen der Leute muss man ernst nehmen.“

Beim Stichwort Veränderungen nannte er als Beispiel Indonesien, „mit derzeit etwa halb so großer Wirtschaftskraft wie Deutschland.“ In 30 Jahren könne es eine etwa zwei mal so große wie Deutschland haben. Veränderung gebe es auch in der Medienwelt. Lagerfeuer-Fernsehen sei Geschichte. Wenn man eine Trainingsstunde im Verein ohne Whats App organisieren wolle, scheitere man heute.

Das Smartphone sei mehr Kommunikationsmittel für jede Form denn Telefon. Er rief in Erinnerung, dass bis Ende des Jahrzehnts in der Arbeitswelt sieben Millionen Menschen fehlen. Die Babybommer scheiden aus, werden Rentner. Man werde seltener lange Zeit in einem Betrieb arbeiten. Viele Berufe der Zukunft gebe es heute noch nicht.

„Angst ist das Geschäftsmodell der Populisten“

Angst als Reaktion auf die Veränderungen sei aber ein schlechter Ratgeber. Kampeter: „Angst ist das Geschäftsmodell der Populisten.“ Sie machten der Gesellschaft Angst vor Veränderung. Man solle den 20-er Jahren mit „Offenheit, Lust auf Zukunft“ begegnen, auch wenn es anstrengend sei. „Die Welt wartet nicht auf uns.“

Kampeter verdeutlichte, wie er eine Stärkung der Offenheit der Gesellschaft sieht: „Wir müssen die gesellschaftliche Mitte stärken. Wir brauchen politische Stabilität, gerade in Zeiten der Veränderung, mit einer starken Rolle von Gewerkschaften und Arbeitgebern.“ Wolle man die politische Mitte stärken, brauche es politische Führung, Übernahme von Verantwortung, Aussagen zur Richtung.

Es gebe großes Unverständnis zur dauerhaften Selbstbeschäftigung von Politik. Damit müsse Schluss sein. Die AfD sei für demokratische Parteien kein Partner in der Zusammenarbeit. Die Union müsse sich nach links und rechts abgrenzen, um nicht zerrieben zu werden. Kampeter: „Die Mitte ist da, wo Freiheit, Liberalität, Solidarität und Gerechtigkeit herrschen“ – Grundwerte, die CDU und SPD nach vorne getragen hätten.

Der Klimawandel soll mit Expertise gemeistert werden

Er forderte, Quellen des Wohlstandes wieder freizulegen. Man brauche anständige Rahmenbedingungen für bestehende industrielle Fertigungsanlagen und Fairness für zukünftige. Das bedinge den gesellschaftlichen Konsens: „20-er Jahre nur mit Industrie.“

Mit Blick auf die Herausforderung Klimawandel sagte er: „Wir brauchen die schlauesten Ingenieure, die am besten ausgestatteten Universitäten, mehrheitsfähige Parlamente.“ Gegen die Industrie sei Klimaschutz nicht durchzusetzen.

Bei einem Ja zu den Pariser Klimazielen gehe dies nur mit marktwirtschaftlichen Instrumenten, dem Erfindergeist der Deutschen. Er fordert eine Entbürokratisierungs-Offensive. Das bedeute nicht den Verzicht auf Umweltvorschriften. Und unabhängig vom Bildungsstand der Eltern müsse man denen, die bereit sind, Chancen bieten – das sei die soziale Frage der nächsten zehn Jahre.

„Deutschland muss sich international engagieren“

Dazu gehöre auch die gute Qualität von Berufsschulen. Die europäische Integration sieht er ebenso als Quelle von Sicherheit und Wohlstand. „Deutschland muss sich international engagieren.“ Das koste Geld, sei aber ein Beitrag für mehr globale Sicherheit. Schließlich brauche man ein „enkelfestes soziales Sicherungssystem.“

Der demografische Wandel bringe weniger Einzahler mit sich. Es fehle derzeit der Mut der Politik, dies anzugehen. Kampeter: „Je später wir es aber angehen, um so höher werden die Anpassungsleistungen. Lassen sie uns mit dem Ziel Ausgleich zwischen den Generationen darum ringen.“

Konservativ heiße für ihn nicht, die Asche zu bewahren, sondern die Flamme am Brennen zu halten. Das sei die Aufgabe. Bei Veränderungen dürften sich Farbe und Befeuerung der Flamme ändern. Die Flamme dürfe aber auch weiter brennen. Das sei die Aufgabe politischer Parteien, gesellschaftlich Engagierter. Steffen Kampeter: „Seien Sie offen für eine moderne bürgerliche Mitte.“

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