Fr., 28.02.2020

Im Ausbruchsfall stehen im Krankenhaus Bad Oeynhausen gesonderte Räume bereit Coronavirus: Mühlenkreis ist vorbereitet

Durch die Notaufnahme (links) sollen nach ersten Plänen der Mühlenkreis-Kliniken (MKK) Patienten mit dem Verdacht auf das Coronavirus gelenkt werden. Damit will der Klinikverbund verhindern, dass weitere Patienten, die in der Notaufnahme sitzen, auch noch angesteckt werden.

Durch die Notaufnahme (links) sollen nach ersten Plänen der Mühlenkreis-Kliniken (MKK) Patienten mit dem Verdacht auf das Coronavirus gelenkt werden. Damit will der Klinikverbund verhindern, dass weitere Patienten, die in der Notaufnahme sitzen, auch noch angesteckt werden.

Von Louis Ruthe

Bad Oeynhausen (WB). Nachdem das Coronavirus (Covid-19) erstmals in Nordrhein-Westfalen nachgewiesen worden ist, sind im Labor der Mühlenkreiskliniken (MKK) bis Donnerstagabend 20 Verdachtsproben untersucht worden – alle negativ. Bislang gibt es laut MKK-Sprecher Christian Busse keine Verdachtsfälle auf das Virus. Für den ersten Verdachtsfall in Minden-Lübbecke sehen sich die MKK und der Kreis gerüstet. Für das Krankenhaus Bad Oeynhausen gibt es einen Notfallplan.

„Die Notaufnahme eines Krankenhauses ist nicht die erste Anlaufstelle für Personen, die den Verdacht haben, sich mit dem Virus angesteckt zu haben“, sagt Christian Busse im Gespräch mit dieser Zeitung.

95 Prozent der Menschen, die sich mit dem Virus infiziert haben, werden laut Kliniksprecher sowieso in eine häusliche Quarantäne geschickt. „In der Klinik werden nur Patienten behandelt, die auch akut stationär aufgenommen werden müssen“, sagt Christian Busse. Denn bei einer Mehrzahl laufe die Erkrankung bisher glimpflich ab.

Bei Verdachtsfällen oder der Bitte zur Entnahme einer Probe seien die Hausärzte erste Ansprechpartner für die Patienten. „Optimal ist eine telefonische Kontaktaufnahme mit dem jeweiligen Hausarzt, um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden“, sagt eine Sprecherin des Kreises im Gespräch mit dieser Zeitung.

Gesonderte Räume stehen am Krankenhaus bereit

Der Rettungsdienst des Kreises Minden-Lübbecke habe sich zudem verstärkt auf das Auftreten von Verdachtsfällen im Mühlenkreis vorbereitet. In einem sogenannten Rahmenhygieneplan sind die erforderlichen Maßnahmen zur Personalhygiene, notwendige persönliche Schutzausrüstung und die Desinfektionsmaßnahmen für eine Vielzahl von Infektionserkrankungen detailliert festgelegt.

Für den Fall, dass verunsicherte Bürger entgegen der Ratschläge die Notaufnahmen in Bad Oeynhausen, Lübbecke, Rahden oder Minden aufsuchen, hat der Klinikverbund einen Notfallplan erarbeitet – vorausgesetzt, dass das Virus den Mühlenkreis erreicht.

„Es gilt im Falle eines Ausbruchs, die Verdachtspatienten vom üblichen Patientenklientel zu trennen, bevor sie die Kliniken betreten“, sagt Christian Busse. Dafür könnte in Bad Oeynhausen beispielsweise der linksseitige Eingang zur Notaufnahme statt des Haupteingangs dienen. „Wir können im Krankenhaus Bad Oeynhausen auf extra Diagnose- und Warteräume zurückgreifen“, berichtet der MKK-Sprecher.

Reichlich Schutzmittel für Mitarbeiter gelagert

Bisher gebe es jedoch keinen Anlass, beunruhigt zu sein. In allen Einrichtungen der MKK seien – Stand Donnerstagabend – drei Abstriche gemacht worden. „Diese Abstriche sind vorsorglich gemacht worden, obwohl kein vom Robert-Koch-Institut (RKI) definierter Verdachtsfall vorlag“, sagt Christian Busse. Allgemein richte sich der Klinikverbund bei einem Patienten mit Verdacht auf eine Infektion nach den Kriterien des Robert-Koch-Instituts.

Zum Nachweis für das SARS-CoV-2-Virus, wie das Coronavirus fachlich richtig heißt, sind die labordiagnostischen Geräte der MKK aufgerüstet worden. „20 Proben haben wir bisher dort untersucht“, sagt Christian Busse. Alle Tests seien negativ verlaufen.

Zum Schutz der Mitarbeiter habe man schon vor Wochen einen Vorrat an Masken, Einmalhandschuhen, Einmalkitteln und Desinfektionsmitteln gekauft. „Das Desinfizieren von Händen und Flächen ist eine der besten Möglichkeiten, das Virus einzudämmen“, berichtet Christian Busse.

Zahlreiche Anfragen erreichen Kreisgesundheitsamt

Anke Richter-Scheer, Bad Oeynhausener Hausärztin und erste Vorsitzende des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe, rät den Kollegen in den Hausarztpraxen weiterhin zur Besonnenheit: „Es gibt keinen Grund, Panik zu verbreiten. Wichtig ist die Basishygiene, wie sie durch das Robert-Koch-Institut und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA) empfohlen wird.“

Im Gesundheitsamt des Kreises gehen nach Auskunft einer Kreissprecherin derzeit zahlreiche Anfragen aus den unterschiedlichsten Bereichen ein. Daher bittet das Gesundheitsamt, bei allgemeinen Fragen auf die bestehenden Informationsangebote zurückzugreifen, um die Leitungen und die Kapazitäten der Mitarbeiter für dringende Fälle freizuhalten.

Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales hat unter Telefon 0211/8554774 eine Hotline für Bürger in NRW eingerichtet. Dies ist werktags von 8 bis 18 Uhr erreichbar. Bei schweren Symptomen am Wochenende ist der Kontakt zum kassenärztlichen Notdienst erforderlich unter Telefon 116117. Für Hausarztpraxen ist eine Checkliste erarbeitet worden.

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