Beschuldigter Arzt verweist vor Gericht auf Probleme im Job
Mann soll Sanitäter beleidigt haben

Bad Oeynhausen (WB/wa). Aufgrund unflätiger Beleidigungen von Polizisten und Sanitätern in einem Lokal muss sich nun ein 55 Jahre alter Mediziner vor dem Amtsgericht verantworten. Zugleich soll der Mann mit einem Aschenbecher die Rettungskräfte bedroht haben.

Mittwoch, 04.03.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 04.03.2020, 11:06 Uhr
Vor dem Amtsgericht in Bad Oeynhausen muss sich ein 55 Jahre alter Mediziner verantworten. Er soll Rettungssanitäter beleidigt und auch bedroht haben. Foto: Sonja Gruhn/Archiv
Vor dem Amtsgericht in Bad Oeynhausen muss sich ein 55 Jahre alter Mediziner verantworten. Er soll Rettungssanitäter beleidigt und auch bedroht haben. Foto: Sonja Gruhn/Archiv

Plötzlich Schmerzen in der Brust

Nur so viel konnte das Gericht unter Vorsitz von Richter Dr. David Cornelius bisher klären. Der Mann hatte sich an einem Aprilabend des Jahres 2019 im „Bierhaus Brösel“ an der Klosterstraße aufgehalten. Das Lokal hatte der 55-Jährige nach eigenen Angaben aufgesucht, weil er über seine persönliche Situation sehr frustriert gewesen sei. Aufgrund von Problemen am Arbeitsplatz habe er seine Stelle gekündigt. Laut Polizeibericht waren ihm nach seinem Aufenthalt im Lokal an jenem Abend etwa zwei Promille Alkohol im Blut nachgewiesen worden.

Im Bierhaus habe er plötzlich starke Schmerzen in der Brust verspürt, erklärte der beschuldigte Arzt, diese habe er als Herzbeschwerden erkannt und vom Lokal aus die Rettungskräfte angerufen. Sie seien kurz darauf auch erschienen.

Verhalten löst Panik aus

Allerdings habe ihr Verhalten ihn in Panik versetzt, sagte der Mediziner aus. Er habe befürchten müssen, dass sie ihm ein Präparat spritzen könnten, welches aufgrund einer erblichen Vorbelastung mütterlicherseits zu fatalen Wechselwirkungen hätte führen können. Daraufhin habe er die Behandlung abgelehnt und auf einen Arzt bestanden. „Ich war panisch“, sagte er. „Wenn die mir das Medikament spritzen, kann mir wirklich was passieren.“

Die Sanitäter hätten trotz Einspruchs weiterhin aus seiner Sicht widerrechtlich versucht, ihn zu behandeln. Er habe darauf bestanden, in einem Krankenhaus versorgt zu werden. Wenn bei einer Angina Pectoris nicht sofort das richtige Medikament verabreicht werde, betonte er, könne dies schnell zu Atemstillstand führen.

Für Beleidigungen entschuldigt

„Die Sanitäter wollten mich auch nicht auf Toilette gehen lassen“, erklärte er weiter. Er habe sich bevormundet gefühlt, das habe ihn wütend gemacht.

Die Beleidigungen unter Alkoholeinfluss gab er sofort zu. „Das tut mir aufrichtig Leid. Damit erkenne ich mich selbst nicht wieder.“ Wie das Gericht bestätigte, hatte sich der Mann bereits schriftlich bei den Rettungssanitätern und Polizisten entschuldigt.

Nachdem der Mann mit einem Aschenbecher eine Sanitäterin bedroht habe, sei die Polizei gerufen worden, heißt es weiter in der Anklageschrift. „Er ließ sich nicht beruhigen“, sagte ein 56 Jahre alter Beamter aus. Der Mann habe über Herzbeschwerden geklagt. Zugleich sei er mehrfach ausgerastet und mal „verbal aggressiv, dann wieder bestürzt, zurückgezogen, aufbrausend und verzweifelt gewesen.“ Man habe ihn in Handschellen nach draußen bringen müssen und den Transport ins Krankenhaus veranlasst. Beide Polizisten konnten die Bedrohung durch den Aschenbecher allerdings nicht bestätigen. Sie erklärten aber, dass der Mann in einem Zustand gewesen sei, in dem man ihn nicht hätte alleine lassen dürfen.

„Klar fühlt er sich dann provoziert“

Der Angeklagte habe mehrfach versucht, den Polizisten sein Anliegen zu erklären, sagte die 55 Jährige Lebensgefährtin, die nach einem Telefonat mit einem der Beamten ins Lokal gefahren war. „Er hat ihnen gesagt, dass er Arzt ist. Die haben gelacht“, schilderte sie die Vorkommnisse. „Klar fühlt er sich dann provoziert.“ Sie fügte hinzu: „Ich hatte nicht den Eindruck, dass die seine Beschwerden ernst nehmen.“ Bei den Maßnahmen der Polizei war laut ärztlichem Protokoll ein Finger des Arztes gebrochen worden.

Hat er zum Aschenbecher gegriffen?

Hat der Mann tatsächlich zu einem Aschenbecher gegriffen? Auf keinen Fall habe er die Sanitäterin bedroht, beteuerte der Angeklagte. Unstrittig seien die Beleidigungen ihres Mandanten, sagte die Verteidigerin. Eine „Einwilligungsunfähigkeit“ trotz Alkoholkonsums habe aber nicht vorgelegen. Widerstand gegen Polizei und Sanitäter sei nicht erwiesen. Dabei könne es sich um Notwehr handeln. Und wenn Hilfsbedürftige in bestimmten Situationen die Hilfe nicht verweigern dürften, fragte die Juristin, „wo kommen wir da hin?“ Klarheit sollen nun zwei weitere Zeugen bringen. Das Verfahren wird fortgesetzt.

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