Ambulante Pflege: Landesverband hat roten Faden zu Hygienemaßnahmen herausgegeben
„Die Fröhlichkeit nicht verlieren“

Bad Oeynhausen (WB). Die oberste Regel momentan lautet: körperlichen Kontakt zu anderen Menschen vermeiden. Für ambulante Pflegedienste ist dies mit Blick auf die Arbeit am Menschen praktisch nicht umsetzbar und wegen des Umgangs mit der Risikogruppe Senioren gleichzeitig eine doppelte Herausforderung.

Dienstag, 24.03.2020, 07:00 Uhr
Rainer und Sonja Marotzke drücken ihre Einstellung zum Coronavirus auf einem Schild aus, das seit Donnerstag an der Fassade neben dem Mitarbeitereingang ihres ambulanten Pflegedienstes „Die Brücke“, hängt. Es ziert den Schriftzug: „Hände waschen – cool bleiben – leben.“ Foto:
Rainer und Sonja Marotzke drücken ihre Einstellung zum Coronavirus auf einem Schild aus, das seit Donnerstag an der Fassade neben dem Mitarbeitereingang ihres ambulanten Pflegedienstes „Die Brücke“, hängt. Es ziert den Schriftzug: „Hände waschen – cool bleiben – leben.“

Derzeit jeden Tag auf ein Neues. Rainer Marotzke vom Pflegedienst „Die Brücke“ in Eidinghausen und Kerstin Hensel vom Diakonischen Werk im Kirchenkreis Vlotho haben stellvertretend für Pflegedienste in Bad Oeynhausen und Löhne aus ihrem derzeitigen Alltag und den Umstellungen durch die Ausbreitung des Coronavirus berichtet.

Gemischte Gefühle

Mit gemischten Gefühlen steht Rainer Marotzke der Situation gegenüber. Gemeinsam mit seiner Frau Sonja führt er den Pflegedienst „Die Brücke – Zeit für Pflege“. „Ich habe nicht daran geglaubt, dass das alles so groß werden könnte. Bei früheren Grippewellen, die auch viele Todesopfer gefordert haben, war das ja auch nicht so“, berichtet der Leiter des Dienstleistungsunternehmens in diesem Zusammenhang.

Etliche Klienten hätten vor allem im Bereich der hauswirtschaftlichen Unterstützung

Kerstin Hensel ist Vorstand des Diakonischen Werkes im evangelischen Kirchenkreis Vlotho.

Kerstin Hensel ist Vorstand des Diakonischen Werkes im evangelischen Kirchenkreis Vlotho.

vor dem Hintergrund der Krise inzwischen abgesagt, dabei bestünde sogar die Möglichkeit, vom Pflegedienst Einkäufe übernehmen zu lassen. „Manche Klienten fragen auch, wieso wir nicht mit Mundschutz arbeiten. Dabei müssen wir das nicht tun“, fügt Rainer Marotzke hinzu.

Bei Fragen bezüglich der Hygienemaßnahmen verweise er Klienten und Angehörige auch zu deren Orientierung auf einen roten Faden, den der Landesverband freie ambulante Krankenpflege (LfK) Nordrhein-Westfalen (NRW) herausgegeben hat.

Auch den Mitarbeitern hätten die Richtlinien Sicherheit für ihren Arbeitsalltag vermittelt. Die Absagen von einigen Kunden hätten laut Geschäftsführer zur Folge, dass er eine ganze Stelle einsparen könnte – obwohl erst kürzlich ein Mitarbeiter neu eingestellt worden ist. Kurzarbeit würde man daher nicht grundsätzlich ablehnen.

„Das trifft uns hart“

„Das alles ging jetzt sehr schnell, und die Situation trifft uns wirklich hart“, erläutert Rainer Marotzke. 27 Mitarbeiter kümmern sich um 150 Klienten, die zum Großteil hauswirtschaftliche Tätigkeiten in Anspruch nehmen, im Bad Oeynhausener Stadtgebiet. Personelle Engpässe gebe es derzeit noch nicht.

Rainer Marotzke spricht beim Blick auf das Personal von normalen Erkrankungen, mit denen gemäß der Jahreszeit zu rechnen sei. Trotzdem habe man Vorkehrungen getroffen und eine dreistufige Liste angelegt, die die Pflegefälle in Notfall nach Priorität sortiert. Eine Maßnahme, von der der 64-Jährige nur ungern Gebrauch machen würde.

Ein Stufenplan

Auch das Diakonische Werk im Kirchenkreis Vlotho hat sich laut Vorstand Kerstin Hensel unter anderem mit einem ähnlichen Stufenplan auf den Personalmangel vorbereitet und greift zusätzlich auf einen eigenen Pandemie-Plan zurück. Die ambulante Altenpflege ist nur ein Teil des Dienstleistungsangebotes. Mehr als 100 Mitarbeiter sind dafür in Bad Oeynhausen, Vlotho, Löhne und Porta-Westfalica im Einsatz.

„Ich möchte die Situation nicht verharmlosen, aber panisch zu werden, bringt nichts“, sagt Kerstin Hensel. Man habe Angehörige und Patienten angeschrieben und über die derzeitige Situation aufgeklärt. Bisher habe man laut Kerstin Hensel nur wenige Absagen erhalten und diese verständnisvoll akzeptiert. „Auch wir kommen nicht im Schutzanzug. Es haben immer schon hygienische Regeln gegolten, die weiterhin eingehalten werden“, erläutert die Geschäftsführerin.

Neue Maßnahmen

Man schaue sehr genau auf die Gesundheit der Mitarbeiter. Als weitere Maßnahmen zählt Kerstin Hensel die Einhaltung des Abstandes von zwei Metern unter den Mitarbeitern und den Verzicht auf Dienstbesprechungen, die durch Mail- und Telefonkontakt ersetzt werden, auf.

„Um das Infektionsrisiko zu reduzieren, bitten wir Angehörige darum, nicht bei der Pflege dabei zu sein. Außerdem ist es sehr hilfreich, wenn unseren Mitarbeitern vor Ort Seife und Küchenpapier zur Verfügung gestellt wird. Wenn entbehrlich auch Einmalhandschuhe“, sagt Kerstin Hensel. Man sei vor allem darauf bedacht, die Fröhlichkeit nicht zu verlieren. „Unter den Mitarbeiterin gibt es eine hohe Solidarität“, lobt die Geschäftsführerin.

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