Fr., 27.03.2020

Fünf Bad Oeynhausener verraten, was sie in Zeiten der Isolation lesen Hoffnung zwischen zwei Buchdeckeln

Wenn sich das Leben in Krisenzeiten überwiegend in den eigenen vier Wänen abspielt, bietet sich dadurch die Gelegenheit, bei der Lektüre eines Buches die Phantasie schweifen zu lassen. Fünf Bad Oeynhausener erzählen, zu welcher Literatur sie in Zeiten der Coronavirus-Krise greifen.

Wenn sich das Leben in Krisenzeiten überwiegend in den eigenen vier Wänen abspielt, bietet sich dadurch die Gelegenheit, bei der Lektüre eines Buches die Phantasie schweifen zu lassen. Fünf Bad Oeynhausener erzählen, zu welcher Literatur sie in Zeiten der Coronavirus-Krise greifen. Foto: dpa

Von Jenny Karpe

Bad Oeynhausen (WB). Wenn der Körper daheim bleiben muss, kann zumindest der Kopf auf Reisen gehen. Bücher bieten in ihren verschiedenen Genres den Menschen ganz unterschiedliche Ansätze, um es in den eigenen vier Wänden besser aushalten zu können. Und das Frühlingswetter lässt es derzeit zu, auch auf Terrasse oder Balkon, mit entsprechendem Sonnenschutz, zu lesen.

Anette Gohlke liest packend und magisch

Direkt an der Quelle sitzt Anette Gohlke von der Buchhandlung Scherer in der Innenstadt, die momentan ausschließlich über ihren Online-Shop verkauft. Albert Camus’ „Die Pest“ sei derzeit weniger nachgefragt als leichtere Lektüre, zum Beispiel „Unter Leuten“ von Juli Zeh. Anette Gohlke selbst nutzt die Zeit, um sich auf den aktuellen Stand in Sachen Kinder- und Jugendbücher zu bringen.

Sie liest „Eulennacht: In den Bäumen von Redmoor“ von Ruth Rahlff. „Es ist wirklich packend und magisch“, sagt die Buchhändlerin. „Ich würde den Roman Schülerinnen und Schülern der 6. Klasse ans Herz legen: Das ist eine gute Altersgruppe dafür.“

Michael Scholz liest noch verborgenes Material

Michael Scholz, Künstlerischer Leiter der Poetischen Quellen, sitzt momentan in seinem Büro und bereitet weiterhin das jährliche Literaturfestival vor, das nach aktuellem Stand im August stattfinden soll. „Ich lese derzeit die Druckfahnen des noch unveröffentlichten Romans ‘Die Fremde’ der Italienerin Claudia Durastanti. Die hat auch für die Poetischen Quellen zugesagt“, sagt Michael Scholz.

Nach der Arbeit darf es für ihn Giovanni Boccaccios „Il Decamerone“ aus der frühen Renaissance sein. „Dabei handelt es sich um Geschichten, die sich die florentinische Gesellschaft in Zeiten der Pest erzählt hat“, sagte er. „Es ist aber trotzdem keine schwere Lektüre, im Gegenteil.“

Christian Barnbeck geht auf Auf Zeitreise

Ebenfalls auf einer Zeitreise ist momentan Stadtführer Christian Barnbeck. Auf die Frage nach seinem aktuellen Lesestoff muss der Experte für die Geschichte der Kurstadt lachen: „Ich lese gerade keine Belletristik, sondern tatsächlich die alte und neue Chronik von Rehme.“

Eigentlich hatte er für die kommenden Wochen und Monate eine große Führung durch den ältesten Stadtteil Bad Oeynhausens geplant. „Archäologisch ist Rehme weitaus älter als 1267 Jahre, da gibt es viel zu erzählen“, sagt Christian Barnbeck. „Tatsächlich ist es tröstlich, davon zu lesen, welche Krisen Rehme schon überstanden hat.“

Carla Berning hat eine Komödie in Arbeit

Die in Bad Oeynhausen geborene Autorin Carla Berling bricht derzeit eine Lanze für das eBook statt dem gebundenen Buch. „Wir Autoren verkaufen schließlich keine Bücher, sondern Geschichten“, sagt Carla Berling. Den Kontakt zu ihren Lesern hält sie über soziale Medien in Form von Online-Lesungen.

Zudem schreibt die Krimiautorin aktuell an einer Komödie, „obwohl es mir ehrlich gesagt derzeit schwerfällt“, ergänzt sie Auf Carla Berlings Nachtisch liegen die Bücher „Die geliehene Schuld“ und „Die verbotene Zeit“ von Claire Winter. „Die Romane sind toll recherchiert, haben lebendige Figuren und sind so gut geschrieben, dass ich das Gefühl habe, ich würde einen Film sehen“, sagt die Autorin.

Pfarrer liest etwas zur menschlichen Würde

Hartmut Birkelbach, Pfarrer und für das Kulturreferat im Kirchenkreis Vlotho aktiv, nutzt Bücher, um sich über die vielen abgesagten Veranstaltungen hinwegzutrösten. Einzig die Ausstellung des Holzbildhauers Ralf Knoblauch in der Auferstehungskirche wäre weiter täglich von 9 bis 18 Uhr zu besichtigen. „Viele Leute scheint der Anblick der Königsskulpturen zu stärken“, sagt er.

Passend zum Thema der menschlichen Würde, die in der Ausstellung thematisiert wird, liest er gerade „Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky. „Der Roman handelt vom Biotop eines kleinen Dorfes im We­sterwald mit vielen liebenswürdigen Originalen, die ihre Ecken und Kanten haben – jeder Charakter hat seine Berechtigung, das erinnert mich sehr an meine Arbeit und gibt mir Hoffnung.“

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