Mi., 08.04.2020

NRW-Herz- und Diabeteszentrum: Genesene Corona-Infizierte helfen Schwerkranken mit ihren Antikörpern Die ersten Retter sind da!

Die Medizinische Fachangestellte Andrea Kluge hat Dominic Piel an die Maschine angeschlossen, die sein Blutplasma gewinnt.

Die Medizinische Fachangestellte Andrea Kluge hat Dominic Piel an die Maschine angeschlossen, die sein Blutplasma gewinnt. Foto: Christian Althoff

Von Christian Althoff

Bad Oeynhausen (WB). 150 genesene Corona-Infizierte haben sich bisher im NRW-Herz- und Diabeteszentrum gemeldet, um mit ihren Antikörpern schwerkranke Corona-Patienten zu retten. Dominic Piel (27) und seine Verlobte Kira Rodenberg (26) waren die ersten, die Anfang dieser Woche zur Blutplasmaspende ins Herzzentrum nach Bad Oeynhausen kamen.

Das Paar aus Lübbecke hatte am 7. März mit vielen anderen in einer Gaststätte in Espelkamp einen Bayerischen Abend gefeiert.  Das Fest gilt bei den Behörden als Ausgangspunkt etlicher Corona-Infektionen im Kreis Minden-Lübbecke. Kira Rodenberg hatte anfangs Kopf- und Gliederschmerzen, dann kamen Husten und eine verstopfte Nase dazu. Ein Abstrich im Mindener Klinikum brachte Gewissheit. Auch ihr Verlobter war infiziert, hatte aber weniger starke Symptome. Zwei Wochen mussten die beiden auf Anordnung des Gesundheitsamts zu Hause in Quarantäne bleiben, dann hatten sie es geschafft.

An das Blutspenden gewöhnt

„Letzte Woche hörten wir dann, dass das Herzzentrum Leute sucht, die die Krankheit hinter sich haben”, sagt Kira Rodenberg, Angestellte in einem Marketingunternehmen. Da die beiden ohnehin seit Jahren Blutspender sind, war für sie klar, dass sie helfen wollen.

Das Herz- und Diabeteszentrum ist darauf vorbereitet, jene schweren Corona-Fälle aus der Region aufzunehmen, bei denen andere Krankenhäuser möglicherweise an ihre Grenzen stoßen.  Das Zentrum hat wegen vieler Herz-Lungen-Transplantationen einerseits die medizinische Expertise , es hat aber auch die notwendigen Kapazitäten. Prof. Jan Gummert, der Ärztliche Direktor: „Wir haben 89 Betten mit Beatmungsmöglichkeiten und 17 Intensivbetten mit sogenannten ECMO-Maschinen, die die Lungentätigkeit vollständig übernehmen können.”

Um alle Möglichkeiten auszuschöpfen, schwerkranke Corona-Patienten zu retten, beantragte das Herz- und Diabeteszentrum bei der Bezirksregierung einen Heilversuch, der Ende März genehmigt wurde. Prof. Cornelius Knabbe, Leiter des Instituts für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin: „Wer die Krankheit hinter sich hat, hat Antikörper im Blut. Die wollen wir gewinnen, um sie Schwerkranken zu geben, die selbst zu wenig Antikörper gegen das Virus produzieren.”

750 Milliliter Blut

Schon am Samstag waren die beiden Spender aus Lübbecke zu einem Vorgespräch im HDZ. Dort wurde ihnen Blut abgenommen, in dem Antikörper nachgewiesen wurden. Deshalb bekamen die beiden für Anfang der Woche eine Einladung zur Plasmaspende. Dabei fließen etwa 750 Milliliter Blut aus dem Arm. Eine Maschine filtert das Plasma, eine klare, gelbe Flüssigkeit, heraus, und leitet die übrigen Blutbestandteile zurück in den Körper. Das Ganze dauert etwa 30 Minuten. Oberärztin Dr. Ingvild Birschmann: „Im Gegensatz zur normalen Blutspende darf man jede Woche zur Plasmaspende.” Und darum bat sie Dominic Piel und Kira Rodenberg auch: „Bitte kommt nächste Woche wieder. Wir brauchen eure Hilfe!”

Plasma ist eingefroren zwei Jahre haltbar

Das Plasma mit den wertvollen Antikörpern wird unterhalb von minus 30 Grad eingefroren und ist dann zwei Jahre haltbar. Prof. Cornelius Knabbe: „Der Plan ist, den Patienten an drei Tagen jeweils 250 Milliliter Plasma zu geben.” Zusammen mit „Off Label”-Medikamenten und der Intensivversorgung sei das im Moment vermutlich das Beste, was man für die Schwerkranken tun können. „Denn ein Mittel gegen das Virus gibt es ja noch nicht.”

Prof. Jan Gummert sagt, man müsse bei Schwerkranken rechtzeitig mit der Antikörper-Therapie beginnen, sie dürfe nicht der allerletzte Versuch sein. „Wir werden aber wohl auch Fälle erleben, in denen die Patienten bereits reichlich eigene Antikörper haben, aber die Krankheit einen so schweren Verlauf genommen hat, dass ihnen auch mit zusätzlichen Antikörpern nicht mehr geholfen werden kann.”

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