Bad Oeynhausener will seiner Schwester bei der Bestattung ihres Mannes auf Korfu helfen und erlebt ein Martyrium
Odyssee durch Europa

Bad Oeynhausen (WB). Doppelter Schicksalsschlag in kürzester Zeit: Erst will Wilfried Dankert seiner Schwester bei der Beisetzung ihres Mannes auf einer griechischen Insel beistehen, dann ereilt ihn die Nachricht vom Tod seiner Mutter.

Freitag, 17.04.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 17.04.2020, 12:12 Uhr
Auf dem Flughafen Zürich hat Wilfried Dankert aus Bad Oeynhausen eine Nacht verbracht. Dort war die Lage zumindest besser als am Flughafen in Sofia. Foto: Wilfried Dankert
Auf dem Flughafen Zürich hat Wilfried Dankert aus Bad Oeynhausen eine Nacht verbracht. Dort war die Lage zumindest besser als am Flughafen in Sofia. Foto: Wilfried Dankert

​In der Nacht zu Karfreitag erfährt Wilfried Dankert (65) aus Bad Oeynhausen (Kreis Minden-Lübbecke), dass sein Schwager unerwartet auf Korfu verstorben ist, wo er seit zehn Jahren lebt. Da Wilfried Dankerts Schwester, die Frau des Verstorbenen, krank ist, entschließt er sich nach Korfu zu reisen, um bei der Bewältigung der Trauer und Beerdigungsvorbereitung zu helfen. Doch angekommen ist er auf der Insel bis heute nicht. Zwei Nächte verbringt Wilfried Dankert in Flughafengebäuden, bevor er den Hilfeversuch abbrechen muss.

Im Flugzeug hat Wilfried Dankert natürlich eine Schutzmaske getragen.

Im Flugzeug hat Wilfried Dankert natürlich eine Schutzmaske getragen.

„Meine Schwester kann kaum Englisch oder Griechisch“, berichtet Dankert. Zudem fielen ihr durch ihre Krankheit administrative Dinge schwer. „Sie ist auf Hilfe angewiesen, und ich habe einen guten Zugang zu ihr“, sagt Wilfried Dankert. „In Telefonaten mit Bekannten vor Ort haben wir erfahren, dass es schwer werden wird, auf die Insel zu kommen.“

Einer seiner Neffen entschließt sich, Kontakt zur Deutschen Botschaft in Athen aufzunehmen. Dort wird ihm mitgeteilt, dass sich sein 65-jähriger Onkel schnellstmöglich auf den Weg nach Athen machen soll, um von dort aus, mit einem Sonderschreiben der Botschaft auf die Insel zu gelangen. „Aus humanitären Gründen könnte eine Reise möglich sein, ist uns mitgeteilt worden. Das reichte mir als Sicherheit, und ich machte mich auf den Weg“, sagt Dankert. Gemeinsam mit seinen Neffen bucht er einen Flug von Frankfurt mit einer Nacht Aufenthalt in Zürich nach Athen. „Eine Direktverbindung gab es nicht.“

Am Samstagmorgen geht es für den Rentner von Bad Oeynhausen nach Hamm, von dort aus bringen ihn seine Neffen zum Frankfurter Flughafen. Um 14.15 Uhr geht der Flieger nach Zürich. Doch auf der Fahrt erfährt Wilfried Dankert vom Tod seiner Mutter. „Ich konnte die Reise zu meiner Schwester jetzt nicht abbrechen.“ Also checkt er ein und der Flieger mit etwa 25 Fluggästen an Bord, die alle eine eigene Reihe haben, startet. In Zürich angekommen, wird Wilfried Dankert von der Polizei zur Passkontrolle begleitet. „Es gab keine Probleme. Jeder achtete nur darauf, dass ich den Mindestabstand zu anderen Personen einhielt“, berichtet er.

Im Flughafen übernachtet

Da es im Vorfeld nicht möglich gewesen ist, ein Hotel zu buchen, und er auch vor Ort keine Hotelzimmer mehr bekommt, entschließt er sich, im Flughafengebäude zu schlafen. „Es war gespenstisch dort. Selbst die Beleuchtung wurde über Nacht fast komplett ausgeschaltet.“

Am nächsten Morgen (Ostersonntag) bekommt er einen Anruf von Freunden seiner Schwester, dass in Griechenland ein striktes Fahrverbot gelte und er sich vor Ort in eine 14-tägige Quarantäne begeben müsse. Um 9.05 Uhr geht dann der Flieger nach Athen. „Auf dem Flug musste ich ein Papier ausfüllen, mit Anschrift, Telefonnummer und dem Zielort“, berichtet er. Kurz nach 10 Uhr landet Wilfried Dankert am Ostersonntag in Athen, eine Stunde später soll sein Flieger nach Korfu gehen.

Am Schalter angekommen versucht er zu erklären, warum er nach Korfu reisen muss. „Die Dame am Schalter hat mich verstanden und alles mögliche probiert“, sagt Dankert. Als er den Wohnsitz seiner Schwester angibt, erfährt er, dass dieser in Griechenland noch als Zweitwohnsitz gemeldet ist. „Nun verlangte man von mir einen Totenschein.“ Diesen hat er jedoch noch nicht parat, da die Leiche seines Schwagers obduziert werden soll, da die Todesursache unklar ist. „Ich entschloss mich, die eine Nacht auf den Totenschein zu warten.“

Über eine Mitarbeiterin der Deutschen Botschaft wird er durchgehend auf den aktuellen Stand gebracht. Auch drei Hotels sind ihm so herausgesucht worden. Einziges Problem: Er ist nicht im Besitz eines Passierscheins, und das nächste der drei Hotels ist 30 Kilometer entfernt gewesen.

Unruhige Nacht in Athen

Im Terminal in Athen lernt der Bad Oeynhausener eine Frau aus Stuttgart sowie ein Pärchen aus Mönchengladbach kennen. „Die wollten Griechenland alle verlassen. Ihre Flieger gingen jedoch auch erst am kommenden Tag“, sagt Wilfried Dankert. Nach einer unruhigen Nacht im Athener Flughafen versucht Wilfried Dankert erneut nach Korfu zu kommen – ein Flieger könnte ihn um 10.45 Uhr zu seiner Schwester bringen. Doch ein Anruf der Deutschen Botschaft lässt jede Hoffnung im Keim ersticken. „Mir wurde mitgeteilt, dass sich die Gesetze verändert haben und keinerlei Reisebewegungen auf oder von der Insel mehr möglich sind“, sagt Dankert. „Mein Neffe suchte mir sofort einen Rückflug heraus, damit ich wenigstens zur Beerdigung meiner Mutter wieder zuhause sein konnte.“

Über Sofia nach Amsterdam kann Dankert abends gegen 21 Uhr zurückreisen – erneut mit einer Nacht Aufenthalt im Flughafen, dieses Mal in Bulgarien. „Wie dort mit dem Coronavirus umgegangen wird, ist erschreckend“, so Dankert. Abstandsregeln seien dort außer Kraft gesetzt, stattdessen sei bei jedem Passagier nach Ankunft Fieber gemessen und die Pässe vorerst eingezogen worden.

Zweieinhalb Stunden wartet Dankert völlig erschöpft mit 16 anderen Personen auf seinen Pass. „Ich musste mich hinlegen und bin sofort eingeschlafen“, sagt er. Irgendwann sei er zum Terminal gebracht worden, wo er in einer Spielecke für Kinder den Rest der Nacht verbringt, um am nächsten Morgen über Amsterdam nach Hause zu kommen.

Zu Hause bekommt Wilfried Dankert die Nachricht aus Griechenland, dass sein Schwager an einem Herzinfarkt gestorben ist. Nach der Beerdigung seiner Mutter will sich Dankert wieder darum bemühen, nach Korfu zu gelangen. „Ich hätte mir das alles gerne erspart, aber meine Schwester braucht schnellstmöglich Hilfe vor Ort.“

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