Staatsbad-Geschäftsführerin blickt auf die ersten Monate ihrer Dienstzeit
Lokaler Tourismus Chance nach der Krise

Bad Oeynhausen (WB). Seit Anfang des Jahres ist Beate Krämer (55) Geschäftsführerin der Staatsbad Oeynhausen GmbH. Die vergangenen Wochen waren von der Corona-Krise geprägt. Über deren Auswirkungen und andere Eindrücke aus den ersten Monaten ihrer Tätigkeit hat Redakteur Claus Brand mit ihr gesprochen.

Samstag, 18.04.2020, 11:38 Uhr aktualisiert: 18.04.2020, 11:40 Uhr
Das Foto zeigt Beate Krämer, Geschäftsführerin der Staatsbad GmbH, wenige Tage nach Aufnahme ihrer Tätigkeit in ihrem Büro im Haus des Gastes. Im Exklusiv-Interview mit dieser Zeitung blickt sie auf die Zeit seit Jahresanfang zurück. Foto: Malte Samtenschnieder/Archiv
Das Foto zeigt Beate Krämer, Geschäftsführerin der Staatsbad GmbH, wenige Tage nach Aufnahme ihrer Tätigkeit in ihrem Büro im Haus des Gastes. Im Exklusiv-Interview mit dieser Zeitung blickt sie auf die Zeit seit Jahresanfang zurück. Foto: Malte Samtenschnieder/Archiv

 

Abseits von Corona: Welche drei anderen Momente sind Ihnen davon unabhängig besonders in Erinnerung geblieben?

Beate Krämer : Zunächst mein erster Termin mit meinem Team am 2. Januar, den ich mit großer Spannung erwartet habe und der mir ein gutes Gefühl vermittelt hat. Dann haben mir die Theaterbesuche im Januar das Spektrum des ganz besonderen Theaters im Park vor Augen geführt. Und zu guter Letzt ist mir die Woche im März im Gedächtnis, in der wir das Portal citybadoeynhausen.de auf die Beine gestellt haben: Die Motivation der Gastronomen und Händler, neue Services zu entwickeln und anzubieten, das Interesse und Engagement, auch meines Teams, und die Zusammenarbeit mit der Stadt – das hat mir viel Freude bereitet und das Gefühl vermittelt, dass die Krise ein Gemeinschaftsgefühl erzeugen kann.

 

Was ist für das Staatsbad die einschneidendste Veränderung durch die Pandemie?

Krämer : Hier muss ich drei Dinge nennen: Wir haben nicht mehr den ganz kurzen Draht im Büro, da einige Mitarbeiter im Home Office sind. Wir halten Kontakt per Video, Telefon oder Mail. Außerdem haben wir keinen Kundenverkehr und keine Theatergäste mehr; es ist ruhig hier geworden. Veranstaltungen werden nicht organisiert und umgesetzt, sondern abgesagt oder verlegt.

 

Was können Sie derzeit zu den Parklichtern 2020 und der sich abzeichnenden auch formalen Absage sagen?

Krämer : Sollten wir den Bad Oeynhausenern eine Absage ihrer Traditionsveranstaltung mitteilen müssen, wäre das schmerzhaft. Eigentlich bin ich für die Gestaltung schöner und geselliger Momente für Bürger und Gäste der Stadt angetreten. Trösten könnten wir uns nur damit, dass der Schutz der Gesundheit vieler Menschen das Wichtigste überhaupt ist. Wir erleben leider einen historischen Augenblick, der möglicherweise auch die Parklichter-Tradition unterbrechen wird. Die 64. Parklichter müssten wir dann im nächsten Jahr feiern.

 

Abgesehen vom Parklichter-Verzicht: Wie gehen Sie mit Tickets für Veranstaltungen um, die ausgefallen sind, oder noch in die Zeit der Beschränkungen und Verbote fallen – zum Beispiel für das Theater im Park?

Krämer : Bis zum 30. April werden wir, wie angekündigt, noch damit beschäftigt sein, möglichst für alle Stücke und Konzerte neue Termine zu finden. Wir stoßen dabei auf sehr viel Verständnis und Geduld unserer Theatergäste. Für fast alle Veranstaltungen wird gelten: Wir stellen einen Gutschein über den Wert des erworbenen Tickets aus. Bei einigen Veranstaltungen behalten die Eintrittskarten ihre Gültigkeit. Genaue Informationen gibt es dazu in Kürze auch über die Tourist-Information und auf unserer Homepage.

 

Werden einzelne Veranstaltungen nachgeholt?

Krämer : Erfreulicherweise konnten wir bereits einige verlegen und neue Termine finden, darunter „Blackout“, „Der kleine Horrorladen“ und „Willkommen bei den Hartmanns“. Das nächste Sinfoniekonzert der Nordwestdeutschen Philharmonie fällt aus.

 

Was bedeutet die Krise für den Tourismus-Standort Bad Oeynhausen? Eigentlich hätten Sie im März für ihn auf der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin werben wollen.

Krämer : Die Hoteliers und Gastronomen sind derzeit in einer dramatischen Lage, das ist uns bewusst. Die finanziellen Unterstützungen des Landes können nur über die erste Zeit hinweghelfen, nicht über Monate. Wir hoffen sehr auf eine baldige Öffnung der Betriebe. Vor diesem Hintergrund müssen wir als Staatsbad tätig werden. Wir gehen davon aus, dass viele Menschen in diesem Jahr ihren Urlaub eher in der Nähe verbringen. Unsere Aufgabe wird es daher sein, lokalen und regionalen Tourismus zu fördern. Die zahlreichen Freizeit- und Dienstleistungsangebote müssen sichtbar gemacht werden und die Attraktivität unserer Stadt als Freizeit- und Urlaubsdestination deutlich werden. Sofern es möglich ist, wird das Bedürfnis da sein, Freunde und Familie einzuladen und gemeinsam freie Tage zu verbringen. Sofatourismus kommt da nicht in Frage, sondern Angebote für Verwandte und Freunde, die in Hotels und Pensionen übernachten. Und warum nicht gemeinsam ausgehen, um ein gutes Abendessen zu genießen. Hoffen wir auf Lockerungen der Kontaktbeschränkungen.

 

Mit welchen Auswirkungen rechnen Sie mit Blick auf die Übernachtungszahlen, gerade auch in den Reha-Kliniken und damit auch auf die Kurbeiträge?

Krämer : Touristische Übernachtungen sind seit Mitte März nicht erlaubt, Reha-Aufenthalte verschoben und Betten für Akutpatienten reserviert. Wir wissen, dass die Übernachtungszahlen deshalb nicht denen der Vorjahre entsprechen können. Auch hier: Wir müssen in die Zukunft blicken und daran arbeiten, eine hohe Auslastung der Bettenkapazitäten nach Freigabe der Beschränkungen zu erreichen. Mit den touristischen Partnern müssen wir die Attraktivität unserer Angebote deutlich sichtbar machen.

 

Welche Überlegungen gibt es für die Theaterspielzeit 2020/2021? Ist sie überhaupt planbar?

Krämer : Das Programm steht. Wir arbeiten derzeit noch an der Verlegung von Stücken, die abgesagt sind. Für uns wäre es die größte Freude, wenn die Theatersaison wie geplant am 17. September starten könnte. Das Programm ist prall gefüllt und mehr als vielseitig. Übrigens: Das neue Theaterprogramm wird nächste Woche frisch gedruckt vorliegen. Während der Öffnungszeiten liegt es im Eingang der Tourist Information aus.

Wie hat sich die Plattform citybadoeynhausen.de zwischenzeitlich entwickelt?

Krämer : Sie ist ein Schaufenster für 120 Händler, Gastronomen und Dienstleister geworden, das Staatsbad und Stadt auf die Beine gestellt haben. Wir waren hocherfreut über das große Interesse bei den Betrieben, aber auch bei den Kunden. Die Herausforderung besteht darin, weiter die Bedürfnisse der Nutzer zu bedienen. Das heißt, dass ein Geschäft, das nun wieder öffnet, auch sein Angebot auf der Plattform aktualisiert. Für einige der Händler, Gastronomen und Dienstleister ist es übrigens das erste Mal, dass sie überhaupt im Internet präsent sind. Das ist gerade in diesen Zeiten sehr wichtig, um zu zeigen, dass man da ist.

Ergänzt haben wir citybadoeynhausen.de um ein Gutscheinportal. Per E-Mail oder WhatsApp lassen sich Gutscheine aus den Geschäften vor Ort verschenken. Ich glaube, der Augenblick ist gut, um Kunden für die Bedeutung der Nahversorgung durch regionale Händler, Gastronomen und Dienstleister zu sensibilisieren. Wir müssen schauen, wie wir das wichtige Interesse am Einkauf vor Ort auch nach Corona dauerhaft aufrecht erhalten. Für mich ist dies ein Merkmal für die eigene Identifikation mit seiner Stadt.

 

Welche Rückschlüsse ziehen Sie für sich aus der Krise?

Krämer : Für die eigene Arbeit hat sich so deutlich wie noch nie gezeigt: In ungewohnten neuen Situationen wird man noch kreativer, aufmerksamer und schneller. Projekte müssen nicht immer von langer Hand vorbereitet und durchgeführt werden. Sie sollten aufmerksam und stets aktuell an die Situation angepasst werden. So werden sie erfolgreich.

 

Auf welchen Moment nach der Krise freuen Sie sich?

Krämer : Auf den Start in die neue Theatersaison und auf ein Wiedersehen mit meinem Team.

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