Zwangspause für viele Geschäfte endet – enge Wege an der Baustelle
Sie sind wieder da!

Bad Oeynhausen (WB). Die Freude ist groß in der Innenstadt. Nach etwa viereinhalb Wochen Stillstand haben am Montag zahlreiche Geschäftstreibende nach der jüngsten Corona-Verordnung wieder ihre Läden geöffnet – und die Kunden sind gekommen. Das WESTFALEN-BLATT hat sich bei einigen Händlern umgehört.

Dienstag, 21.04.2020, 07:15 Uhr aktualisiert: 21.04.2020, 07:20 Uhr
Für einige Innenstadtbesucher ist der schmale Gang entlang der obere Klosterstraße ein Dorn im Auge. Diese Begebenheit hat einige Bad Oeynhausener am Montag nicht davon abgehalten, in den wiedereröffneten Läden der Innenstadt vorbeizuschauen. Foto: Louis Ruthe
Für einige Innenstadtbesucher ist der schmale Gang entlang der obere Klosterstraße ein Dorn im Auge. Diese Begebenheit hat einige Bad Oeynhausener am Montag nicht davon abgehalten, in den wiedereröffneten Läden der Innenstadt vorbeizuschauen. Foto: Louis Ruthe

Engpass an der oberen Klosterstraße

Es sind nicht die Massen, die am Montag in die Stadt strömen. Doch wie leer gefegt ist die Klosterstraße auch nicht mehr. In den Geschäften halten sich Kunden auf und suchen das Gespräch mit den Inhabern – alles auf Abstand. Doch an einer Stelle der Klosterstraße ist das Abstandhalten voneinander kaum möglich. An der oberen Klosterstraße führen enge Wege an der Baustelle entlang. Auf Nachfrage dieser Zeitung hat Stadtsprecher Volker Müller-Ulrich mitgeteilt, dass die Wegführung entlang der Baustelle in der für diesen Dienstag anberaumten Baubesprechung Thema ist.

Ordnungsamt kontrolliert

Bei Kontrollen des Ordnungsamtes in der Innenstadt hat es seitens der Behörde keinerlei Beanstandung gegen. Auch im Werre-Park haben Mitarbeiter des Ordnungsdienstes die Einhaltung der Verordnung kontrolliert – ebenfalls ohne Beanstandungen. Lediglich die maximale Besucherzahl im Einkaufscenter ist nach Rücksprache zwischen Ordnungsbehörde und Centermanagment auf 2000 Personen (vorher 3000) zeitgleich korrigiert worden. Nach Auskunft von Center Manager Torben Schulz ist wie erwartet der große Ansturm ausgeblieben. „Bis zu 300 Kunden sind in der Spitze im Werre-Park unterwegs gewesen“, sagt er. Längst nicht jeder Einzelhändler in der Innenstadt oder dem Werre-Park hatte bereits am Montag geöffnet, einige eröffnen erst in den kommenden Tagen.

Beratung vorerst anders

„Es bleibt die Hoffnung, dass sich alles nach und nach wieder akklimatisiert“, sagt Nicole Schormann, Verkäuferin der HC Parfümerie-Filiale an der Klosterstraße. Auf dem Boden sind Linien markiert, damit sich die Kunden an die Abstandsvorgaben halten. „Ich trage freiwillig einen Mundschutz“, sagt sie. Auch Einmalhandschuhe gehören nun zum Arbeitsalltag der Verkäuferin und Kosmetikerin. In der Beratung sei nun das oberste Credo, Abstand zu waren. „Deshalb tragen wir vorerst Düfte nicht mehr beim Kunden auf“, sagt sie. Auch das Testen von Kosmetikprodukten sowie die damit verbundene Beratung bleibe vorerst untersagt. Trotzdem sei die Freude groß, wieder für die Kundschaft im Einsatz zu sein.

Opimistisch trotz Krise

Das sieht auch Eva-Maria Strakeljahn so. Seit 39 Jahren betreibt sie ihr Geschäfte für Mode und Accessoires sowie kleine Geschenkideen. Dass die ersten Tage nach der Wiedereröffnung keine Massen an Kunden kommen, stört die Inhaberin vorerst nicht. „Es ist wichtig, dass ich wieder für meine Kunden da sein kann“, sagt sie. Ein lobendes Wort verliert die Einzelhändlerin über die Wirtschaftsförderung der Stadt. „Bei vielen Anliegen ist mir dort geholfen worden“, sagt sie. In ihren 39 Jahren als Einzelhändlerin sei es ihr noch nie passiert, dass sie mehr als zwei Tage am Stück Zuhause war. Trotz der Ungewissheit möchte die Bad Oeynhausenerin positiv denken: „Den Kopf in den Sand zu stecken, hilft mir nicht.“ Auch die bislang ausgebliebene Zahlung der beantragten und genehmigten Landesfördermittel hat sie am Montag nicht davon abgebracht wieder zu öffnen.

Erste Kunden kommen

Auch das Schuhhaus Vorhölter hat die Türen wieder geöffnet. „Den ein oder anderen Kunden haben wir heute schon begrüßen dürfen“, sagt Alois Schoppmeier, Inhaber des Schuhhauses. Natürlich sei man als Geschäftstreibender froh, wenn der stationäre Handel wieder öffnen dürfe, auch wenn man nicht alle Entscheidungen der vergangenen Wochen für Gut heißen könne. „Als Selbstständiger ist es ungewöhnlich, wenn die Entscheidungsmacht über das Geschäft nicht in eigener Hand liegt“, sagt er. Den Stand vor Corona könne man in diesem Jahr nicht mehr erreichen. „Wir haben Anfang März erst die neue Saisonware bekommen. Doch in der Hauptverkaufszeit mussten wir schließen“, sagt er. Das fange auch ein Schuhverkauf übers Internet nicht auf. „Gut wäre es, wenn einem Einzelhändler derzeit die Sonntagsöffnung erleichtert werden würde“, meint er. Neben dem Geschäft an der Klosterstraße betreibt er noch Schuhhäuser im Kreis Höxter sowie in Hessen. „Der Standort Bad Oeynhausen ist für uns ein schwieriger“, sagt er. Die Corona-Krise habe dies verschärft. „Letztendlich entscheiden die Kunden mit ihren Füßen.“

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