Fast alle Schüler nutzen das Lehrangebot - Rektoren geben sich vorsichtig optimistisch
Tag 1 nach der Corona-Schließung

Bad Oeynhausen (WB). Es ist der Tag, auf den die Schulleiter in Bad Oeynhausen mit Hochdruck in der vergangenen Woche hingearbeitet haben: Für etwa 300 Abiturienten und Zehntklässler ist am Donnerstag wieder der Unterricht gestartet – und die Schüler haben das Angebot angenommen. Das WESTFALEN-BLATT hat stellvertretend für die vier weiterführenden Schulen in der Kurstadt die Europaschule besucht.

Donnerstag, 23.04.2020, 17:41 Uhr aktualisiert: 23.04.2020, 17:44 Uhr
Die Sitzordnung im Raum von Europaschullehrer Alexander Aschoff ist vorgegeben, die Tische weit auseinander gestellt. Fotos: Lydia Böhne

„Fast alle Schüler, für die wir ein Unterrichtsangebot vorbereitet haben, sind heute gekommen“, sagt Dirk Rahlmeyer, Leiter der Europaschule. Vorerst besuchen an den ersten beiden Tagen nur 45 Q2-Schüler (Leistungskurse Mathematik und Sport sowie Sport mündlich im Abitur) die Europaschule.

Schulleiter Dirk Rahlmeyer zeigt, wie es geht: Neben Waschen können die Hände über einen fest montierten Desinfektionsspender zusätzlich gesäubert werden.

Schulleiter Dirk Rahlmeyer zeigt, wie es geht: Neben Waschen können die Hände über einen fest montierten Desinfektionsspender zusätzlich gesäubert werden. Foto: Lydia Böhne

Denn an diesem Freitag stehen noch die Vorabi-Klausuren des Mathematik-Leistungskurses an. „Die Stimmung bei den Schülern war sehr gesetzt und nachdenklich. Fast wie am ersten Schultag, wenn sich keiner so recht kennt und alle sehr bedacht sind“, sagt Dirk Rahlmeyer.

Abi-Prüfungen für Sport bereiten Sorgen

Sieben Lehrer haben am Donnerstag die Schüler über ihren „neuen“ Schulalltag aufgeklärt: Welcher Eingang und welcher Ausgang soll benutzt werden, damit sich die Schüler nicht kreuzen? Welche Gruppe hat wann Pause und auf welchem Hof? Zudem sind laut Dirk Rahlmeyer erste inhaltliche Lehrstoffe „im Stil der 1980er Jahre durch Frontalunterricht“ in Kleingruppen (zehn bis zwölf Schüler) vermittelt worden.

Das Signal, das vom heutigen Tag ausgehe, sei grundsätzlich richtig. Dennoch ist der Schulleiter nur „vorsichtig optimistisch“, wenn er an die kommenden Wochen denkt, wenn für etwa 235 Schüler tageweise ein Unterricht angeboten werden soll.

Die stellvertretende Schulleiterin Andrea Brabender (hinten) trägt eine Maske, die Schulsekretärin Michaela Möhlmann selbst genäht hat.

Die stellvertretende Schulleiterin Andrea Brabender (hinten) trägt eine Maske, die Schulsekretärin Michaela Möhlmann selbst genäht hat. Foto: Lydia Böhne

Sorgen bereitet Dirk Rahlmeyer zudem die Organisation der Abi-Prüfungen für Sport. „Wir warten täglich auf Richtlinien der Bezirksregierung oder des Landesministeriums, wie wir die Prüfungen organisieren können“, sagt Dirk Rahlmeyer. Eine Möglichkeit sei, die Prüfungen auf den bislang gesperrten städtischen Sportplätzen stattfinden zu lassen.

18 Kollegen am IKG zählen zur Risikogruppe

Die Erleichterung ist Dr. Tom van de Loo, Schulleiter des Immanuel-Kant-Gymnasiums (IKG), im Gespräch mit dieser Zeitung deutlich anzumerken. Von 129 Abiturienten der Schule haben etwa 100 IKG-Schüler den neu organisierten Lehralltag im Schulgebäude am Donnerstag angenommen. „In zeitversetzten Teilgruppen sind die Schüler eingetroffen“, berichtet Tom van de Loo.

Zu seiner Freude hat der Schulleiter festgestellt, dass die Schüler nicht nur im Gebäude „sehr diszipliniert“ die Abstands- und Infektionsschutzregeln eingehalten haben, sondern auch außerhalb, etwa bei Gesprächen auf dem Schulhof oder auf dem Nachhauseweg. „Die Steuerung der Laufwege hat gut funktioniert“, resümiert Tom van de Loo.

Acht Lehrkräfte haben am IKG inhaltlich den ersten Schultag nach der Corona-Schließung gestaltet. Mit Sorge schaut der Schulleiter derweil auf andere 18 seiner Kollegen – sie gehören zur Risikogruppe und sollen möglichst nicht am Schulunterricht teilnehmen. „Derzeit können wir dies noch gut kompensieren“, sagt Tom van de Loo. Bei einer steigenden Schülerzahl steht der Schulleiter jedoch vor einem Problem.

Wie es trotzdem gehen kann, ist am Donnerstag getestet worden. „Eine Lehrer hat per Videoschalte den Unterricht abgehalten“, sagt Tom van de Loo. Dafür habe dieser extra eine Tafel für Zuhause angeschafft. „Wir sind froh, dass alle Maßnahmen, die wir ergriffen haben, funktioniert haben. Schüler und Lehrer haben den Unterricht heute positiv gesehen und für sinnhaft empfunden“, resümiert Tom van de Loo.

Zehntklässler kommen ihrer Schulpflicht nach

Ähnlich positiv blicken Anja Sprengel (Schulleitung Realschule Süd) und Karola Picht-Dreier (Schulleitung Realschule Nord) auf die kommenden Wochen Unterricht für ihre Abschlussklassen. „Alle Schüler sind ihrer Schulpflicht nachgekommen“, sagt Karola Picht-Dreier. Zwölf Lehrkräfte haben am ersten Tag wieder 77 Schüler in acht Teilgruppen an der Realschule Nord unterrichtet.

„Unsere Mühen im Vorfeld haben sich gelohnt“, sagt Anja Sprengel. An der Realschule Süd haben neun Lehrkräfte einen Unterricht für 73 Schüler in den Kernfächern Mathematik, Deutsch und Englisch organisiert. „Unser Kollegium hat sich darauf geeinigt, dass alle Lehrkräfte in der Schule einen Mundschutz tragen“, berichtet Anja Sprengel.

An den beiden Realschulen zählen insgesamt 20 Lehrer (sechs Realschule Süd, 14 Realschule Nord) zur Risikogruppe. „Die Lehrkräfte sind trotzdem vor Ort, werden jedoch keinen Klassenunterricht leiten“, sagt Karola Picht-Dreier. Trotzdem würden sie Unterricht vorbereiten und sich um die restlichen Schüler (Klasse fünf bis neun) kümmern, die weiter mit Aufgaben fürs „Lernen auf Distanz“ versorgt werden.

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