Coronavirus überschreitet Grenzen – nicht nur Bad Oeynhausen ist in einer besonderen Lage
Gesundheit, Santé und Zdrowie: Wie die Bad Oeynhausener Partnerstädte ihren Alltag meistern

Bad Oeynhausen/Fismes/Inowroclaw (WB). Das Coronavirus überschreitet weltweit Grenzen. Nicht nur Bad Oeynhausen ist derzeit in einer besonderen Lage, auch die Menschen in den beiden Partnerstädten Fismes (Frankreich) und Inowroclaw (Polen) müssen ihr Leben anpassen.

Mittwoch, 29.04.2020, 10:29 Uhr
Die Innenstadt von Inowroclaw ist seit Tagen wie leer gefegt. Viele Bürger halten sich an die Empfehlung der Regierung. Foto: Karolina Sobieraj
Die Innenstadt von Inowroclaw ist seit Tagen wie leer gefegt. Viele Bürger halten sich an die Empfehlung der Regierung. Foto: Karolina Sobieraj

Daheim bleiben ist in der Krise Pflicht

Jean-Pierre Binon, Bürgermeister von Fismes, hält den Kontakt zur Bevölkerung derzeit via E-Mail und über die Facebook-Seite »Ville de Fismes« aufrecht. Von den Zeiten der Müllabfuhr über die geschlossene Post bis hin zum abgesagten Seifenkistenrennen »La Descente Du Menhir« können sich die etwa 5400 Fismois dort informieren.

Anders als in Deutschland herrscht in Frankreich seit dem 17. März eine strenge Abriegelung. Um das Haus zu verlassen, muss eine Bescheinigung ausgefüllt und der Polizei vorgelegt werden. Maximal eine Stunde am Tag im Radius von einem Kilometer zur Wohnung dürfen die Franzosen Sport treiben, spazieren oder Gassi gehen.

Gespenstische Eindrücke aus den Partnerstädten

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  • Foto: Denis Quéva, Karolina Sobieraj
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Mit Ausnahme von Lebensmittelgeschäften und einigen Lieferanten sind fast alle Unternehmen, Dienstleister und andere Geschäfte geschlossen. »Die Fismois halten im Großen und Ganzen alle Vorschriften ein, die Stadt ist sogar leer und fast unlebendig«, sagte Denis Quéva. Eigentlich ist der Geschäftsleiter der Kommune am 31. März in den Ruhestand gegangen, sein Nachfolger ist durch die Krise aber schwer beschäftigt.

Fälle von Covid-19 gab es in Fismes bislang in einem Seniorenheim mit 250 Rentnern und ebenso vielen Angestellten. »Zum Glück gab es keine schweren Komplikationen oder Todesfälle dort, dafür sind wir sehr dankbar«, sagte Denis Quéva. Die französische Regierung unter Emmanuel Macron hat die Ausgangssperre derzeit mindestens bis zum 11. Mai verlängert. Bislang sind in Frankreich laut der John-Hopkins-Universität etwa 23.000 Menschen (Stand Dienstagabend) an den Folgen von Covid-19 gestorben.

Leere Straßen in Polen

Auch in Inowroclaw halten sich die Bewohner an die von der Regierung aufgelegten Beschränkungen und bleiben größtenteils daheim. »Wir sind sehr diszipliniert, aber das macht die Stadt traurig und leer. Nur die Natur wird lebendig und spendet Trost«, sagte Karolina Sobieraj, Leiterin der Kultur- und Werbeabteilung des Rathauses Inowroclaw. »Wir sind an eine fröhliche, freudige und lebendige Stadt gewöhnt. Natürlich tun wir derzeit alles, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, um unsere Liebsten zu schützen.«

Die polnische Kurstadt mit etwa 72.200 Einwohnern hat bislang vier bestätigte Fälle. Seit dem 16. April gilt in Polen eine Maskenpflicht. »In diesen schwierigen Zeiten sind die Einwohner sehr solidarisch: Es gibt verschiedene Spendenaktionen, Masken werden genäht und Bürger helfen Senioren beim Einkaufen«, sagte Karolina Sobieraj. Von Seiten der Regierung gibt es auch eine gute Neuerung: Seit Montag, 20. April, ist freie Bewegung außerhalb der Wohnung wieder möglich, sofern sich an die Abstandsregeln gehalten wird. Zuvor waren beispielsweise Spaziergänge in Parks und Wäldern untersagt.

Kontakte aufrecht erhalten

Silke Nolting, Vorsitzende des Partnerschaftsringes in Bad Oeynhausen, hält Kontakt nach Fismes und Inowroclaw. »Normalerweise sind wir einmal im Jahr in einer Stadt zu Gast und haben die andere Partnerstadt zu Besuch«, erklärte sie. »Unsere Pfingstreise nach Fismes haben wir abgesagt. Ob uns unsere polnischen Freunde in diesem Jahr besuchen können, ist natürlich auch unsicher.« Der Besuch ist vom 1. bis 5. Juli geplant.

Anfang Mai soll spätestens über eine Absage nachgedacht werden. »Dann sehen wir uns im kommenden Jahr eben häufiger«, sagte Silke Nolting. Auch die innerdeutschen Aktivitäten des Partnerschaftsringes wie die Weinfahrt sind inzwischen auf 2021 verschoben worden.

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