Patent missachtet? Ideenklau? Gegenwind für Mindener Start-up
Streit um Desinfektionsarmband

Bad Oeynhausen/Minden (WB). „Unsere Geschichte ist wahrscheinlich filmreif“, sagte „Cleanbrace“-Mitgründer Till-Jonas Uphoff (21) im April. Damals stellte er das erste Desinfektionsarmband seines Start-ups vor. Fünf Wochen später kämpft das Start-up mit Vorwürfen des Ideenklaus sowie Patentstreitigkeiten. Anwälte sind eingeschaltet.

Samstag, 16.05.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 16.05.2020, 10:54 Uhr
Die Unternehmensgründer (von links) André Maaß, Till-Jonas Uphoff und Lasse Tischer. Foto: Trubel
Die Unternehmensgründer (von links) André Maaß, Till-Jonas Uphoff und Lasse Tischer. Foto: Trubel

Die drei Gründer Till-Jonas Uphoff, Lasse Tischer und André Maaß haben es dennoch geschafft, die Produktion der Armbänder auszubauen. Zudem kooperiert die junge Firma bei der Fertigung der Armbänder nun mit den Werkstätten der Diakonischen Stiftung Wittekindshof.

Im Wittekindshof fertigen Roland Thom (links) und Sebastian Uehlemann Desinfektionsarmbänder für das Start-up Cleanbrace.

Im Wittekindshof fertigen Roland Thom (links) und Sebastian Uehlemann Desinfektionsarmbänder für das Start-up Cleanbrace. Foto: Trubel

„Wir waren vielleicht in der Betonung mancher Dinge zu forsch“, räumt Till-Jonas Uphoff (21) ein. Damit meint er vor allem den Wortlaut „patentiert“, den er bei der Präsentation des Armbandes nutzte. Uphoff: „Wir haben bisher nur das Patent beim Deutschen Patent- und Markenamt in München beantragt. Das befindet sich derzeit in der Prüfung.“

Zudem betont er, dass „wir uns nie als Erfinder des Desinfektionsarmbandes darstellen wollten.“ Die Idee eines Desinfektionsarmbandes sei nicht neu. „Verschiedene Patente existieren seit Jahren“, sagt Uphoff. Diese hätten jedoch andere Funktionsweisen aufgewiesen und die Gebrauchsmuster oder Schutzrechte der Patente seien abgelaufen.

„Wir haben unser eigenes Produkt entwickelt und es geschafft, im Gegensatz zu anderen, aus theoretischen Prototypen ein marktreifes Produkt zu entwickeln“, betont Uphoff. Fast wöchentlich werde er mit neuen Vorwürfen konfrontiert, dass ihr Produkt ein Plagiat sei und Patentrechte verletze. Mit Patentanwälten werde jeder Vorwurf überprüft. Meistens sucht Uphoff selbst den Kontakt zu den möglichen anderen Patentinhabern. „Das kostet uns Zeit und Kraft, die wir gerne in die Entwicklung des ‚Cleanbrace 2.0‘ stecken würden.“

Idee soll Referenten bei Veranstaltung präsentiert worden sein

Neben den Patentstreitigkeiten muss sich der Jungunternehmer auch gegen einen weiteren Vorwurf verteidigen: Noah Wilson (22), Schüler des Weserkollegs in Minden, wirft Uphoff und Tischer Ideenklau vor. 2018 – damals noch Schüler der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule – habe er die Aufgabe gehabt, einen Businessplan für ein fiktives Unternehmen mit einer fiktiven Idee zu erstellen.

Noah Wilson wirft ddem Start-up Ideenklau vor.

Noah Wilson wirft ddem Start-up Ideenklau vor. Foto: Trubel

„Mir kam die Idee eines Desinfektionsarmbandes“, sagt Wilson. Sein gezeichneter Prototyp habe ein Silikonarmband, in dem das Desinfektionsmittel gesammelt wird, sowie einen Absorbierer, durch den das Mittel auf die Handfläche gesprüht werden könne, umfasst. „Ich habe sehr viel positives Feedback bekommen.“ Doch für eine mögliche Unternehmensgründung fehlte ihm das Know-how.

Anfang 2019 habe er daher eine Veranstaltung des Mindener Innovations- und Technologiezentrums besucht. Dabei sei er auf die Referenten Till-Jonas Uphoff und Lasse Tischer getroffen. Mit ihnen habe er ein Treffen vereinbart, um seine Pläne vorzustellen. Uphoff räumt ein, dass er und Tischler an diesem Abend referiert hätten. Ein Businessplan sowie ein Prototyp seien ihm und Tischler jedoch nie präsentiert worden. Auch zu einem Treffen sei es nie gekommen. Er könne den Ärger des Mindener Schülers aber verstehen und hofft auf eine Lösung.

High-End-Version in Planung

Von ihrem Desinfektionsarmband hat das Start-up bereits 10.000 Stück verkauft. Eine neue Spritzgussmaschine erlaube die Produktion von bis zu 10.000 Stück pro Woche. Uphoff: „Bis Ende Mai wollen wir 30.000 Stück verkaufen.“

Um dieses Armband geht es bei dem Streit.

Um dieses Armband geht es bei dem Streit. Foto: Trubel

Neben dem „Clean­brace 1.0“ soll zudem ein „High-End-Produkt“ entstehen. „Ich bin mit der Durchlässigkeit unseres ersten Armbandes noch nicht zufrieden“, sagt Uphoff. Deshalb werde das „Cleanbrace 1.0“ weiterentwickelt. Mittlerweile umfasst das Start-up-Team sechs Köpfe. „Doch bei uns verdient noch keiner wirklich Geld“, sagt Uphoff. Die Firma versuche, jeden Cent in die Weiterentwicklung der Produkte zu investieren.

12.500 Desinfektionsarmbänder fertigen derzeit die Wittekindshofer Werkstätten als Kooperationspartner in der Betriebsstätte Sonnenbrede in Bad Oeynhausen. Die Einzelteile – ein elastisches Armband, ein kleiner Tank sowie eine Halterung – sind in der vergangenen Woche an die Diakonischen Werkstätten geliefert worden.

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