Gauselmann bekräftigt Interesse – Sorge um Casino in Bad Oeynhausen
Poker um Westspiel

Espelkamp/Bad Oeynhausen (WB). Mit der Entscheidung des NRW-Landtags für die umstrittene Privatisierung kann der Poker um die landeseigene Spielbanken-Gruppe West­spiel beginnen. Das Espelkamper Glücksspielunternehmen Gauselmann bekräftigte am Freitag sein „grundsätzliches Interesse“.

Samstag, 30.05.2020, 03:49 Uhr aktualisiert: 30.05.2020, 05:01 Uhr
Die Westspiel-Gruppe mit 1000 Mitarbeitern betreibt vier Spielbanken in NRW: in Bad Oeynhausen, Dortmund, Duisburg und Aachen. Ein Investor soll zwei weitere Casinos eröffnen dürfen. Foto:
Die Westspiel-Gruppe mit 1000 Mitarbeitern betreibt vier Spielbanken in NRW: in Bad Oeynhausen, Dortmund, Duisburg und Aachen. Ein Investor soll zwei weitere Casinos eröffnen dürfen.

Beobachter rechnen damit, dass neben dem Gauselmann-Erzrivalen Novomatic aus Österreich auch der in Malta ansässige Sportwetten- und Onlinecasino-Anbieter Tipico mitbietet. Derweil gibt es in Bad Oeynhausen, einem von vier Spielbanken-Standorten, Sorgen.

Der Landtag hatte am Donnerstag mit den Stimmen der Regierungsfraktionen von CDU und FDP das neue Spielbankgesetz beschlossen. Damit können die vier landeseigenen Spielbanken im Paket verkauft werden – mit der Option für einen Investor, zwei weitere Standorte eröffnen zu können.

Es soll nur eine Konzession erteilt werden, die die Erlaubnis für den Betrieb von bis zu sechs Casinos umfasst. Für die Konzessionsvergabe – voraussichtlich für 15 Jahre – ist eine europaweite Ausschreibung geplant. Es wird damit gerechnet, dass das Bieterverfahren im Sommer startet. Denkbar scheint, dass auch ein Konsortium aus zwei Bietern den Zuschlag erhalten könnte. In Berlin etwa arbeiten Gauselmann und Novomatic zusammen.

Zahlreiche Bedenken gegen die Privatisierung

Die Opposition aus SPD, Grünen und AfD stimmte geschlossen gegen das Gesetz. Die Sozialdemokraten forderten den Verzicht auf den Verkauf. Die wirtschaftliche Lage der Westspiel-Gruppe habe sich deutlich verbessert.

Bedenken gegen die Privatisierung hatte auch der Bund der Kriminalbeamten angemeldet. Geldwäsche könne Vorschub geleistet werden. Spielerschützer fürchten eine Verschlechterung des Suchtschutzes. CDU und FDP sehen indes durch den wettbewerbsfreien Betrieb das Risiko vermindert, dass „exzessiv um Gäste geworben“ werde und so Personen zum Glücksspiel verleitet würden. Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte, der Konzessionsinhaber müsse strenge Auflagen für den Spielerschutz und zur Vorbeugung krimineller Handlungen erfüllen.

Grünen-Fraktionschefin Monika Düker kritisierte, es gebe weder eine Beschäftigungsgarantie für die 1000 Mitarbeiter noch Sicherheit zur künftigen Spielbankabgabe, die ein wichtiger Einnahmeposten in den städtischen Haushalten ist. In Bad Oeynhausen geht es jährlich um rund eine Million Euro. Weitere Westspiel-Casinos befinden sich in Duisburg, Dortmund und Aachen.

Gauselmann will bei richtigen Bedingungen mitbieten

Bad Oeynhausens Bürgermeister Achim Wilmsmeier (SPD) hatte sich mit dem Stadtrat gegen die Privatisierung ausgesprochen. Nun hoffe er, dass das Land die Zusagen zur Standortgarantie und zur weiteren Zahlung der Spielbankabgabe einhält. Vor allem aber müssten die Beschäftigten weiterhin einen sicheren Arbeitsplatz haben und dürften nicht schlechter gestellt werden.

Gauselmann-Sprecher Mario Hoffmeister sagte, beim Engagement in Berlin seien in der Folge zusätzliche Jobs entstanden. Gauselmann werde um Westspiel mitbieten, wenn die Bedingungen stimmen. „Am Ende muss ein angemessener Unternehmerlohn stehen.“ Zuletzt hätten die staatlichen Spielbanken von Gesetzesänderungen zu Ungunsten privater Spielhallenbetreiber profitiert.

Westspiel erzielte 2018 einen Bruttospielertrag von 107 Millionen Euro und zahlte über die Spielbankabgabe mehr als 50 Millionen an die öffentliche Hand.

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