Wie zwei Sehbehinderte in Bad Oeynhausen den Corona-Alltag meistern
Masken und Markierungen –so einfach ist das nicht

Bad Oeynhausen (WB). Kommunikation ist das oberste Gebot für Simone Strahl. Für die blinde Frau ist der Austausch mit anderen Menschen gerade in der Corona-Zeit wichtig, denn die Vorsichtsmaßnahmen, die für viele ersichtlich sind, bergen für sehbehinderte und blinde Menschen einige Schwierigkeiten.

Mittwoch, 17.06.2020, 05:39 Uhr
Manfred Beckmann wird in seinem Alltag zwar von seinem Blindenhund Isana unterstützt, trotzdem stehen der Hannoveraner und die Bad Oeynhausenerin Simone Strahl als Blinde während der Corona-Krise vor ganz neuen Problemen und Herausforderungen im täglichen Leben. Foto: Lydia Böhne
Manfred Beckmann wird in seinem Alltag zwar von seinem Blindenhund Isana unterstützt, trotzdem stehen der Hannoveraner und die Bad Oeynhausenerin Simone Strahl als Blinde während der Corona-Krise vor ganz neuen Problemen und Herausforderungen im täglichen Leben.

Schilder, die vor dem Supermarkt auf die Maßnahmen hinweisen, Desinfektionsmittelspender oder Klebebänder, die den Abstand beim Warten vor den Kassen markieren – für Simone Strahl und ihren Freund Manfred Beckmann sind diese Dinge nicht immer wahrnehmbar.

„Hemmungen braucht keiner haben“

Die Bad Oeynhausenerin und der Hannoveraner sind von Geburt an blind. Beide wünschen sich eine offene Kommunikation mit ihren Mitmenschen, um sich im Alltag zurechtzufinden und Missverständnissen vorzubeugen.

„Wenn Leute bemerken, dass wir Probleme haben oder Markierungen nicht sehen, können sie uns einfach ansprechen. Hemmungen braucht keiner haben“, sagt Simone Strahl. Vor allem zu Beginn von Corona sei das schwierig gewesen. „Die Stimmung war manchmal angespannt, die Leute mit sich selbst beschäftigt“, ergänzt die Diplom-Heilpädagogin.

Inzwischen habe sich alles wieder entspannt, in den meisten Fällen treffe die Bad Oeynhausenerin hilfsbereite Menschen. Beim Heraussuchen ihrer Einkäufe ist Simone Strahl auf die Hilfe anderer angewiesen. Im Normalfall begleitet sie beim Einkauf zum Beispiel ein Supermarktmitarbeiter. In Zeiten des Abstandhaltens musste sich auch das neu finden.

Mund- und Nasenbedeckungen ein Problem

„Jetzt ist es so, dass entweder jemand vorne am Wagen mitläuft, während ich schiebe, und wir dadurch Abstand halten, oder dass ich in der Drogerie einem Mitarbeiter meine Einkaufsliste gebe und er mir die Sachen bringt“, erläutert die Therapeutin.

Dass viele Cafés und Restaurants ihre Bestuhlung im Außenbereich den reduzierten Gästezahlen angepasst und damit die Wahrnehmung gewohnter Wege verändert haben, stört die Bad Oeynhausenerin nicht. „Im Zweifel ist das sogar besser für uns, weil wir mehr Platz haben. Hauptsache ist, dass der Leitstreifen auf dem Boden nicht zugestellt ist“, fügt Simone Strahl hinzu.

Ein Problem hingegen sind die Mund- und Nasenbedeckungen. „Wir orientieren uns an Geräuschen und Gerüchen. Durch die Maske oder Plexiglaswände sind diese jedoch verfälscht“, hebt Manfred Beckmann hervor. Genau diese Hürden wurden laut Simone Strahl gerade erst beim Tag der Sehbehinderten thematisiert – auch mit der Bitte um klare Hinweise, die beispielsweise ertastbar sind. Auch kontrastreiches Klebeband eignet sich für Markierungsstreifen auf dem Boden oder um die Durchreiche in Plexiglaswänden hervorzuheben.

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