Kurt Nagel (CDU) erhebt Vorwürfe – Instandsetzung wäre sehr teuer
„Die Stadt hat das Bürgerhaus vergammeln lassen“

Bad Oeynhausen (WB). Ist das Bürgerhaus Rehme noch zu retten? Diese Frage wollte die CDU-Fraktion von der Stadtverwaltung durch eine Bestandsaufnahme geklärt bekommen. Im jüngsten Ausschuss für Stadtentwicklung (ASE) zogen Dieter Hinzmann, Bereichsleiter Gebäude- und Liegenschaftsmanagement der Stadt, und Architekt Jörg Halstenberg (Architekturstudio PM) ein ernüchterndes Fazit, das für eine emotionale Debatte sorgte. Etwa 2,5 Millionen Euro müssten investiert werden, nur um die 2700 Quadratmeter Nutzfläche auf drei Ebenen in Stand zu setzen. Eine Höchstsumme an Kosten konnte nicht geklärt werden.

Freitag, 19.06.2020, 04:35 Uhr aktualisiert: 19.06.2020, 05:00 Uhr
Derzeit nutzen die benachbarte Kindertagesstätte sowie das Kleine Theater Rehme und vereinzelt Vereine einige der Räume des Bürgerhauses. Foto: Louis Ruthe
Derzeit nutzen die benachbarte Kindertagesstätte sowie das Kleine Theater Rehme und vereinzelt Vereine einige der Räume des Bürgerhauses. Foto: Louis Ruthe

„Berechnen konnten wir nur die augenscheinlich wahrgenommenen Mängel“, berichtete Jörg Halstenberg den Ausschussmitgliedern. Schimmel, abgängige Decken, poröse Betonrampen und Wände, die gerissen und feucht waren, waren nur einige Punkte, die der Architekt aufzählte. Nicht nur die Bausubstanz, sondern auch die technischen Anlagen im Bürgerhaus seien „stark fragwürdig“.

Kosten decken nur das Notwendigste

Mit den etwa 2,5 Millionen Euro könnte nur das Notwendigste erledigt werden. „Energetisch und wirtschaftlich sinnvoll ist das Bürgerhaus dann trotzdem noch nicht“, sagte Jörg Halstenberg. Dennoch sei das Bürgerhaus zu retten, denn ein baugleiches Gebäude mit 2700 Quadratmetern Nutzfläche sowie einer 50-Meter-Schießbahn im Keller als Neubau sei wesentlich teurer.

„Was mit dem Bürgerhaus in den vergangenen Jahren passiert ist ist verantwortungslos. Die Stadt hat das Ding vergammeln lassen“, eröffnete Ausschussvorsitzender Kurt Nagel (CDU) die Debatte und musste sich dem Vorwurf von Axel Nicke (BBO) und Andreas Korff (Die Linke) stellen, seine Neutralitätspflicht als Vorsitzender missachtet zu haben. „Wenn ich so etwas sehe, dann kann ich nicht anders, als emotional zu werden“, entschuldigte sich Nagel anschließend.

Reinvestitionen nicht getätigt?

Stattdessen übernahm Dirk Büssing (CDU) und bekundete für die CDU-Fraktion den Unmut über den Zustand sowie die Handhabe der Stadt, das Gebäude „bewusst verfallen zu lassen“. Zudem führte er auf, dass für den Bau einer Mehrzweckhalle am Schulzentrum Süd ein Angebot eingeholt wurde, um dort einen vergleichbaren Schießstand zu etablieren. „Alleine die Kosten für den Neubau des Schießstandes liegen dort bei 2,3 Millionen Euro. So abwegig ist eine Sanierung des Bürgerhauses nicht“, sagt Dirk Büssing.

Axel Nicke argumentierte daraufhin, dass, wenn die Stadt jährlich nur 1,5 Prozent des Bestandswertes auf 50 Jahre gerechnet investiert hätte, es zu solch einem „erschreckenden Zustand“ nicht gekommen wäre. Ausschusskollege Manfred Kreylos korrigierte Nicke: „Es hätten eigentlich zwei Prozent reinvestiert werden müssen, da es sich bei dem Bau um ein Sonderbauwerk handelt.“

Neue Debatte losgetreten

Dieter Hinzmann hingegen machte den Ausschussmitgliedern klar, dass die Stadt das Gebäude nicht vergammeln lässt. „Es sind bei den technischen Anlagen regelmäßige Wartungen durchgeführt worden. Zudem ist uns bei der Begehung nicht aufgefallen, dass die Bude morgen zusammenbricht. Wir haben nun dort einen Öl-Tanker liegen, wo wir gerne ein Sportboot hätten“, sagte der Bereichsleiter Gebäude- und Liegenschaftsmanagement der Stadt.

Deshalb mahne er bei der Debatte zur Reaktivierung des Bürgerhauses zur Realität. „Die Nutzung des Bürgerhauses wie vor 20 Jahren gibt es heute nicht mehr“, sagt er. Im Rahmen des Dorferneuerungsprogrammes wolle die Stadt sich bis Frühjahr 2021 Gedanken zum Verbleib mit dem Bürgerhaus machen. „Jedes Ausschussmitglied und jede Partei sollte sich nun einen Plan überlegen, was aus dem Veranstaltungszentrum werden soll“, sagte Kurt Nagel. Er sei froh, das mit dem CDU-Antrag wieder Leben in die Debatte gekommen sei. Dem stimmten alle Ausschussmitglieder parteiübergreifend letztlich zu.

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