Polizisten und Rettungskräfte beleidigt – Gericht verurteilt einschlägig Vorbestraften zu 2800-Euro-Geldstrafe
36-Jähriger randaliert im Krankenwagen

Bad Oeynhausen (WB). 2800 Euro Geldstrafe muss ein Bad Oeynhausener (36) wegen Widerstands gegen Rettungskräfte und Polizisten zahlen, die ihm helfen wollten. Mit dem Urteil kam er glimpflich davon, wie der Staatsanwalt im Hinblick auf eine mögliche Haftstrafe betonte. Die außergewöhnliche Situation, in der sich der Mann befand, war nach Überzeugung der Verfahrensbeteiligten der Grund dafür.

Dienstag, 23.06.2020, 07:20 Uhr aktualisiert: 24.06.2020, 12:48 Uhr
2800 Euro Geldstrafe muss ein Bad Oeynhausener (36) wegen Widerstands gegen Rettungskräfte und Polizisten zahlen. Foto: dpa
2800 Euro Geldstrafe muss ein Bad Oeynhausener (36) wegen Widerstands gegen Rettungskräfte und Polizisten zahlen. Foto: dpa

In einer Dezembernacht 2019 hätte der Mann mit mehreren Schnittverletzungen an den Unterarmen in der Notaufnahme des Bad Oeynhausener Krankenhauses an der Wielandstraße behandelt werden sollen, erklärte der Verteidiger.

Da er sich „in einem psychischen Ausnahmezustand“ befunden habe, las der Jurist aus einer schriftlichen Einlassung des 36-Jährigen vor, „hatte er sich selbst die Pulsadern aufgeschnitten oder aufgeschlagen. Er hat keine Erinnerungen mehr an den Vorfall.“ Allerdings „möchte er das nicht abstreiten“ und wolle sich bei den Einsatzkräften entschuldigen.

Stark alkoholisiert in die Psychiatrie

Wie sich ein 57-jähriger Polizeibeamter erinnerte, sei er in der Nacht zur Notaufnahme der Klinik gerufen worden. Mit blutüberströmter Kleidung habe der Beschuldigte vor der Klinik gestanden, und er habe „auf ihn einreden müssen“, damit er sich wieder in die Notaufnahme begebe.

Zunehmend sei der Angeklagte aggressiver geworden und habe gerufen, dass es „eh keinen Sinn mehr macht, das Leben.“ Weil der Beschuldigte stark alkoholisiert gewesen sei, „war ein geordnetes Gespräch weniger möglich“, berichtete der Polizist. Daraufhin hätten Einsatzkräfte nach Rücksprache mit dem Krankenhaus den Mann in die Psychiatrie nach Lübbecke gebracht.

Noch während der Fahrt sei es an der Kreuzung Kanalstraße/Brunnenstraße zu weiteren Auseinandersetzungen gekommen, schilderte ein 49 Jahre alter Hauptbrandmeister dem Gericht. Weil ein Handgelenk des 36-Jährigen stark geblutet habe, habe ein Polizeibeamter die Handfessel lösen wollen, damit die Wunde mit einem neuen Verband versehen werden könne.

Nicht jeder Vorfall wird angezeigt

Dabei habe sich der Angeklagte „massiv in das Handgelenk meiner Auszubildenden gekrallt“, die mit ihm und einem Polizisten im Patientenraum des Fahrzeugs gesessen habe, schilderte der Zeuge. Ihn selbst habe der Beschuldigte direkt gegen den Haltegriff der Seitentür gestoßen, so dass er sich an der Schulter verletzt habe.

„Ich bin nicht aus Zucker“, sagte der Zeuge, die Schmerzen habe er allerdings noch zwei Wochen nach dem Vorfall gespürt. Regelmäßig müsse man bei solchen Fahrten damit rechnen, bespuckt oder beleidigt zu werden, sagte der 49-Jährige, und „man bringt leider nicht jeden Fall zur Anzeige. Aber was mich am meisten gestört hat, waren die Bedrohungen gegen meine Familie“, betonte er.

80 Tagessätze zu je 35 Euro

Selbst der behandelnde Notarzt habe einen derartigen Gewaltausbruch nie zuvor erlebt und sei hinterher unter Schock „fix und fertig auf der Polizeiwache“ gewesen. Der Angeklagte sei einschlägig vorbestraft. Dies wertete der Staatsanwalt strafverschärfend für den Mann.

Allerdings sei er in einer Ausnahmesituation gewesen und habe „im Zustand verminderter Schuldfähigkeit gehandelt“. Der Einschätzung schlossen sich auch die Verteidigung sowie Amtsrichter Dr. David Cornelius an. Den „vorangegangenen Suizid-Versuch“ müsse man ebenso berücksichtigen, wie die Tatsache, dass ein Alkoholgehalt von etwa zwei Promille im Blut des 36-Jährigen festgestellt worden waren. Allerdings verfüge der Mann über ein erhebliches Vorstrafenregister, sagte der Richter, „das wissen Sie selbst“. 80 Tagessätze zu je 35 Euro verhängte Dr. Cornelius nun als Strafmaß. Das Urteil wurde noch im Saal rechtskräftig.

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