Feuerwehr-Fachgruppe Bad Oeynhausen übt regelmäßig für Praxis
Tierretter lernen im Zoo

Bad Oeynhausen (WB). Von der Katze bis zum Skorpion: Beim sicheren Umgang mit der Tierwelt lässt sich Jan Hoberg so schnell nichts vormachen. 2017 hat er, auf der Feuer- und Rettungswache tätig, nebenberuflich die Ausbildung zum Zootierpfleger im Zoo Osnabrück absolviert.

Donnerstag, 25.06.2020, 08:00 Uhr
Diese Kalifornische Kettennatter ist ein ehemaliges Fundtier aus dem Kreis Herford. Anschließend ist das 1,35 Meter lange Tier auf der Feuer- und Rettungswache an der Königstraße verblieben. Jan Hoberg, Leiter der Fachgruppe Tierrettung, findet es gut, dass die Kollegen der Tierrettung so zu Übungszwecken regelmäßigen Kontakt zu Schlangen haben können. Foto: Lydia Böhne
Diese Kalifornische Kettennatter ist ein ehemaliges Fundtier aus dem Kreis Herford. Anschließend ist das 1,35 Meter lange Tier auf der Feuer- und Rettungswache an der Königstraße verblieben. Jan Hoberg, Leiter der Fachgruppe Tierrettung, findet es gut, dass die Kollegen der Tierrettung so zu Übungszwecken regelmäßigen Kontakt zu Schlangen haben können. Foto: Lydia Böhne

Sie ist auch Basis für die Fachgruppe Tierrettung der Bad Oeynhausener Feuerwehr, der aktuell sieben Kollegen angehören. Und damit das Team stets auf aktuellem Wissensstand bleibt, geht es regelmäßig zum Training und zur Weiterbildung, auch jetzt wieder.

Tierärzte helfen dem Team

So machten sich auch in Corona-Zeiten, unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen, jüngst Bad Oeynhausener Feuerwehrleute auf den Weg nach Osnabrück. Ziel: der Zoo. „Auch wiederkehrende Abläufe müssen immer wieder geübt werden, damit sie in der Praxis reibungslos funktionieren“, sagt Hoberg.

Im Zoo haben der Leiter der Tierrettung und seine Mitstreiter mit den dort beschäftigten Tierärzten für Einsätze geübt. „Dass sie uns unterstützen, ist keine Selbstverständlichkeit, dafür sind wir dankbar“, sagt er.

Nicht nur in Bad Oeynhausen sind der 34-Jährige und seine Kollegen inzwischen eine gefragte Instanz, wenn es zum Beispiel darum geht, einzuschätzen, wie giftig der Biss einer Schlange ist. So stand bei der jüngsten Schulung auch Reptilien-Kunde auf dem Stundenplan.

Um für Einsätze gerüstet zu sein, ging es vor allem aber um das richtige Befüllen von Pfeilen sowie Schießübungen auf Zielscheiben. Hoberg: „Der präzise Umgang mit Blasrohr und Narkosegewehr muss regelmäßig geübt werden, so zum Beispiel letzteres auf einer Distanz von 25 Metern richtig einzusetzen.“

Statt mit der medizinischen Substanz, die in unterschiedlicher Dosierung zum Einsatz kommt, wird beim Üben mit Wasser geschossen. In der Praxis wiederkehrende Einsatzsituation sind entlaufene Rinder und Pferde, aber auch aggressive Hunde. Schulungen gibt es regelmäßig auch auf Bauernhöfen zum Umgang mit Nutztieren oder in Auffangstationen zu dem mit heimischen Wildtieren.

41 Einsätze in 2019

2019 verzeichneten der Oberbrandmeister und seine Kollegen 41 Einsätze. So hat sich das Team beispielsweise um einen Mann gekümmert, der von einer Lanzenotter gebissen wurde. Hoberg: „Dann geht es in erster Linie um die medizinische Versorgung des Patienten.“

Weiteres Augenmerk gilt bei allen Einsätzen aber auch dem Tierwohl. Im Mittelpunkt steht dabei, das Tier, wenn nötig, an einen geeigneten Ort zu bringen, einer Person mit Fachkenntnis zu übergeben. Die Tierliebe von Hoberg und seinen Kollegen ist dabei stets hilfreich.

Auch aus ihrer Sicht außergewöhnliche Einsätze gibt es für die Tierrettung immer wieder. Bei den bislang 20 in 2020 sticht einer hervor. Hoberg: „Ein Mann, der von einer Reise nach Costa Rica zurückgekehrt war, ist beim Auspacken seines Koffers von einem zweifarbigen Rindenskorpion gestochen worden, der sich offenbar ins Gepäck geschmuggelt hatte.“ Der Mann habe Glück gehabt.

Der Experte: „Ein solcher Biss kann durchaus Herz-Kreislauf-Beschwerden auslösen. Der Mann hat aber keine Symptome gezeigt.“ Dennoch seien er und der in ein Glas bugsierte Skorpion mit einem Rettungswagen gemeinsam ins Krankenhaus gebracht worden, „auch um schnell zu ermitteln, um was für eine Art von Skorpion es sich handelt“.

Schnelle Bestimmung

Vor diesem Hintergrund verfügen die Mitglieder der Tierrettung auch über einen Sachkundenachweis für den Umgang mit so genannten Gefahrtieren wie Giftschlangen, Spinnen oder Skorpionen. Hoberg: „Mit unserem Netzwerk helfen wir bei der Bestimmung der Tiere, sichern sie vor Ort oder geben, wenn nötig, Tipps zur medizinischen Versorgung bei einem Gifttierbiss.“ Dazu könne es auch gehören, zur Bestimmung schnell ein Foto an eine fachkundige Stelle zu schicken.

Für die Einsätze steht der Fachgruppe seit 2017 ein speziell ausgestatteter Gerätewagen zur Verfügung, dessen Ausrüstung immer weiter verfeinert worden ist. Haupteinsatzgebiet sind die Kreise Minden-Lübbecke, Herford und gelegentlich auch Nachbarkreise.

An Bord des Fahrzeuges sind neben Tierfanggeräten wie Netzen, speziellen Handschuhen und Keschern auch ein Chip-Lesegerät sowie Werkzeuge zum Fangen von Schlangen und Spinnen. Hoberg: „Dank einer Spende haben wir auch Beatmungsmasken für Hunde und Katzen.“

Tiere auf der Wache

Und auf der Feuerwache finden sich sogar Tiere: „Um den regelmäßigen Umgang mit Schlangen und Vogelspinnen zu haben, pflegen wir unsere eigenen Tiere. Eine kalifornische Kettennatter ist ein ehemaliges Fundtier“, sagt er.

Hoberg selbst hatte schon eine Vielzahl von Einsätzen, bei denen Schlangen eine Rolle spielten, aber auch mit Nandus oder verletzten Greifvögeln. Angst vor großen Tieren kennt er nicht. Raubkatzen und Affen sind seine Lieblinge.

Dazu gehört nach wie vor „Buschmann“, ein Orang-Utan, der im Zoo Osnabrück lebt. „Der hat eine tolle Persönlichkeit“, sagt er. Und ein Anliegen gehört für ihn bei jedem Einsatz wie selbstverständlich dazu: Er versteht sich als Retter mit Herz für Tiere.

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