Apotheker Rüdiger Henke geht in Ruhestand – kein Nachfolger in Sicht
Keine Nachfolge: Löwen-Apotheke schließt nach 62 Jahren

Bad Oeynhausen (WB/nlm). Nach 62 Jahren schließt die Löwen-Apotheke an der Herforder Straße 9 (Ecke Wiesenstraße) am Dienstag, 30. Juni, ihre Türen. Der Eigentümer der Apotheke, Rüdiger Henke, geht im Alter von 68 Jahren in den Ruhestand. Ein Nachfolger wurde nicht gefunden.

Sonntag, 28.06.2020, 06:44 Uhr aktualisiert: 28.06.2020, 06:50 Uhr
Nach 62 Jahren schließt die Löwen-Apotheke am 30. Juni. Rüdiger Henke, 35 Jahre Eigentümer, geht in den Ruhestand – und ein Nachfolger fand sich nicht. Foto: Natalie Lydia Meyer
Nach 62 Jahren schließt die Löwen-Apotheke am 30. Juni. Rüdiger Henke, 35 Jahre Eigentümer, geht in den Ruhestand – und ein Nachfolger fand sich nicht. Foto: Natalie Lydia Meyer

„Alles hat einmal ein Ende, aber insgesamt war es eine sehr schöne Zeit. Apotheker war für mich nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung“, sagt Apotheker Rüdiger Henke, der seit 35 Jahren die Löwen-Apotheke leitet. Am 1. März 1985 übernahm Henke die Löwen-Apotheke von seinem Vorgänger Hans Schärer, der damals ebenfalls in Ruhestand ging. Apotheker war allerdings nicht von vorherein der Berufswunsch von Rüdiger Henke. Er wollte ursprünglich Journalist werden.

„Ich hatte mich für die Journalistenschule in München beworben, wurde aber nicht angenommen. Dann habe ich erst eine Ausbildung als Schriftsetzer und Buchdrucker gemacht und stand dann vor der Frage, wie es weitergehen soll. Also dachte ich mir, ich mache ein Universalstudium und habe mich für Pharmazie eingeschrieben. Pharmazie hat mir viel Spaß gemacht, und ich bin dabeigeblieben“, berichtet Rüdiger Henke über seinen beruflichen Werdegang.

Apotheker aus Jux und Dollerei

Nach dem Studium arbeitete er in verschiedenen Apotheken des Landes als Vertretung, bis er die Löwen-Apotheke übernahm. Innerhalb der 35 Jahre als Apotheker hat Rüdiger Henke viele Kunden einen Lebensabschnitt lang begleitet. „Die Kunden werde ich am meisten vermissen. Nur wenn ich Notdienst hatte und wiederholt gefragt wurde: ‚Haben sie Notdienst?‘, war das nervenzehrend. Einmal habe ich geantwortet: ‚Nein, meine Frau hat mich rausgeworfen und ich bin aus Jux und Dollerei mitten in der Nacht in der Apotheke‘“, erinnert sich Rüdiger Henke.

Er hofft, dass er bis zur Schließung der Apotheke noch ein paar Waren verkaufen kann. Der Rest wird vom Großhandel abgeholt, und je nach Verkaufsdatum und Zustand wird ein Betrag zurückerstattet. Die Chemikalien werden von einer Sondermüllfirma entsorgt. Auch auf den Apotheker wartet nach der Schließung noch Arbeit. Bis zum Jahresende wohnt Rüdiger Henke als Mieter in dem Haus an der Löwenstraße, um in dieser Zeit Aufräumarbeiten zu erledigen.

Aktenberge aus 35 Jahren

„Es gibt noch Tausende von Akten, die sich in den 35 Jahren angesammelt haben und vernichtet werden müssen“, erzählt Rüdiger Henke. „Es ist schade, dass ich keinen Nachfolger gefunden habe. Die langen und späten Arbeitszeiten und die zunehmenden bürokratischen Auflagen schrecken viele ab. Auch sind viele Ärzte in der direkten Umgebung umgezogen oder haben ihre Praxis geschlossen. Für mich war die Zeit als Apotheker trotzdem schön, aber alles hat nun mal ein Ende“, fügt Rüdiger Henke hinzu.

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