Dr. Georg Gamm (72) lässt nach 40 Jahren Dienst die Arbeit ruhen
Ein Notarzt aus Leidenschaft geht in den Ruhestand

Bad Oeynhausen (WB). Gerade will Dr. Georg Gamm (72) bei seiner offiziellen Verabschiedung über seine vergangenen 40 Berufsjahre sprechen, da meldet sich prompt der Notfall-Melder und kündigt den nächsten Einsatz an – es sollte nicht die einzige Alarmierung an seinem letzten Arbeitstag als Notarzt bleiben. Zehn Einsätze sind es am Ende, die Georg Gamm im Rahmen seines letzten 24-Stunden-Dienstes für die Feuer- und Rettungswache Bad Oeynhausen fährt – den letzten um 2.30 Uhr in der Nacht.

Donnerstag, 02.07.2020, 10:21 Uhr aktualisiert: 02.07.2020, 13:22 Uhr
Stefan Tödtmann (rechts, Beigeordneter für Bürgerdienste) verabschiedet Dr. Georg Gamm nach 40-jähriger Berufstätigkeit als Arzt. In den vergangenen sieben Jahren war der 72-Jährige an fünf Tagen im Monat trotz Ruhestand noch im Einsatz. Foto: Lydia Böhne
Stefan Tödtmann (rechts, Beigeordneter für Bürgerdienste) verabschiedet Dr. Georg Gamm nach 40-jähriger Berufstätigkeit als Arzt. In den vergangenen sieben Jahren war der 72-Jährige an fünf Tagen im Monat trotz Ruhestand noch im Einsatz. Foto: Lydia Böhne

„Das ist schon eine Ausnahme. Normalerweise sind es etwa fünf bis sechs Einsätze pro Dienst“, erläutert der Notarzt. Die Gesamtzahl der Einsätze in den vergangenen sieben Jahren schätzt der Bad Oeynhausener auf etwa 2400. Da sei es unmöglich, sich an jeden Einzelfall zu erinnern. Hängen bleiben laut Georg Gamm dennoch einige bewegende Einsätze.

„Zum Beispiel eine Reihe von Kindestodesfällen. Wenn ein Säugling den Grippetod stirbt, dann tut das weh“, berichtet der 72-Jährige. Der Beruf sei schön, verlange einem seelisch aber einiges ab. Dennoch hat Georg Gamm als Mediziner nach eigener Aussage seinen Traumberuf verwirklicht, den er nie bereut hat.

Trotz Ruhestand weitergearbeitet

„Am 1. August 1984 habe ich am Krankenhaus in Bad Oeynhausen meine Stelle als Oberarzt in der Anästhesie angetreten“, erinnert sich Georg Gamm. Ein Jahr später übernahm er als Ärztlicher Leiter den Notarztstandort, der zwischen Feuer- und Rettungswache und Krankenhaus 1985 neu eingerichtet worden war.

Die Kooperation sieht vor, dass die Stadt für die Fahrzeuge, Material und Personal des Rettungswagens sowie das Notarzt-Einsatzfahrzeug sorgt und das Krankenhaus den Einsatz der Notärzte koordiniert. Bis 2012 hat der Facharzt den Notarztdienst geführt. „Anschließend bin ich mit 65 Jahren und etwas mehr als 32 Berufsjahren altersbedingt in Rente gegangen“, ergänzt Georg Gamm.

Der Arbeit als Notarzt blieb der Ruheständler anschließend aber weiterhin treu, absolvierte fünf 24-Stunden-Dienste im Monat. „Da ich lange studiert habe, bin ich erst spät in den Beruf eingestiegen. Ich wollte gerne die 40 Jahre voll machen und habe die Arbeit als Notarzt als Zuverdienst angesehen“, erläutert der Arzt.

Ein Kapitel, das der 72-Jährige nun mit gutem Gewissen abschließt: „Irgendwann muss man gehen. Man wird ja auch nicht jünger.“ Unter anderem den Erfahrungsreichtum, den der Notarzt in seinen Berufsjahren gesammelt hat, haben die begleitenden Rettungssanitäter Sascha Reinkensmeier, Christian Schürmeyer und Michael Seedorf geschätzt, wie sie berichten.

Auch in Zukunft viel zu erledigen

„Er hat viel erlebt und kann entsprechend viel berichten. Wir können nur unseren Hut ziehen, dass er das in seinem Alter noch so durchgezogen hat“, hebt Christian Schürmeyer hervor. In den vergangenen 40 Jahren hat Georg Gamm einige Veränderungen miterleben dürfen: „Von dem heutigen System und der Ausrüstung hätten wir früher geträumt. Da gab es nur einen Defibrillator für ganz Bad Oeynhausen, heute haben wir ein EKG und ein Beatmungsgerät im Rettungswagen.“

An den vergangenen Jahren hat der 72-Jährige vor allem die Selbstbestimmtheit geschätzt. „Ich musste nebenbei nicht noch den Alltag in der Klinik abwickeln und die Verantwortung für langfristige Therapien tragen“, erläutert Georg Gamm.

Nach seiner endgültigen Verabschiedung in den Ruhestand freut sich der Bad Oeynhausener auf die Zeit, die er nun für seine Hobbys, beispielsweise die Fotografie, hat. „Es braucht keiner zu denken, dass ich jetzt zuhause sitze und nichts mit mir anzufangen weiß“, stellt der scheidende Notarzt mit einem Lachen klar.

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