Direktor beschreibt Auswirkungen der Corona-Krise auf das Immanuel-Kant-Gymnasium in Bad Oeynhausen
Das Virus hinterlässt seine Spuren

Bad Oeynhausen  (WB). Kaum ist ein Schuljahr beendet, beginnen schon die Vorbereitungen auf das nächste. So auch am Immanuel-Kant-Gymnasium (IKG). „Aktuell kann aber noch niemand sagen, ob und, wenn ja, in welchem Umfang es nach den Sommerferien wieder normalen Präsenzunterricht geben wird“, sagte Schulleiter Dr. Tom van de Loo im Gespräch mit dieser Zeitung. Das hänge wesentlich vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie ab.

Mittwoch, 08.07.2020, 06:30 Uhr
Schulleiter Dr. Tom van de Loo hofft, dass nach den Sommerferien wieder ein relativ normaler Präsenzunterricht am Immanuel-Kant-Gymnasium anlaufen kann. Das ist jedoch abhängig von der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie. Foto: Malte Samtenschnieder
Schulleiter Dr. Tom van de Loo hofft, dass nach den Sommerferien wieder ein relativ normaler Präsenzunterricht am Immanuel-Kant-Gymnasium anlaufen kann. Das ist jedoch abhängig von der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie. Foto: Malte Samtenschnieder

„Als Mitte März auch das IKG coronabedingt geschlossen wurde, hatten wir zunächst die Hoffnung, dass der Schulbetrieb nach den Osterferien wieder normal weitergehen würde“, sagte Tom van de Loo. Rückblickend sei es naiv gewesen, zu denken, dass die Ausbreitung des Coronavirus innerhalb von nur drei Wochen in den Griff zu bekommen sei.

Digitale Kommunikation

Dennoch habe es unmittelbar nach der Schulschließung erste Überlegungen gegeben, welche Möglichkeiten bestehen, die etwa 1100 Schüler auf digitalem Weg mit Lernmaterialien zu versorgen. „Wir konnten dabei auf Office 365 zurückgreifen“, erläuterte Tom van de Loo. Das Programmpaket sei am IKG bereits seit 2013 in Gebrauch. Mit Hilfe der Standard-E-Mail-Adresse, über die jeder Schüler und Lehrer des Immanuel-Kant-Gymnasiums verfüge, sei es möglich, von überall per Internet auf Office 365 zuzugreifen.

Trotz dieser guten Voraussetzungen habe sich die digitale Kommunikation erst einspielen müssen. „Viele jüngere Schüler hatten anfangs Schwierigkeiten, sich zurecht zu finden“, sagte Tom van de Loo. So habe zunächst jeder Lehrer selbst entschieden, auf welchem Weg er etwa seine Aufgabenstellungen übermittelt. „Nachdem wir das schulintern vereinheitlicht hatten, wurde es einfacher“, sagte der Direktor.

Als wichtige Anlaufstelle für Schüler und Lehrer habe sich die Office-Anwendung Teams herausgestellt. „Damit ist es möglich, Nachrichten auszutauschen oder auch Aufgaben bereitzustellen“, erläuterte Tom van de Loo. Zudem stehe eine Videochat-Funktion zur Verfügung. „Für die Lehrer ist es darüber hinaus sehr praktisch, dass sie sehen können, welche Schüler sich die Aufgaben bereits angesehen haben und welche Schüler sie sogar schon erledigt haben“, betonte der Schulleiter.

Stärken und Schwächen

Mit Hilfe der vorhandenen technischen Möglichkeiten sei es gelungen, die mehr als dreimonatige Phase ohne regelmäßigen Präsenzunterricht für alle Schüler ganz gut zu überbrücken. „Sollte es nach den Sommerferien erforderlich sein, das Homeschooling fortzusetzen, müssen wir aber nachjustieren“, sagte Tom van de Loo. Es gebe zum Beispiel bislang keine gesicherten Erkenntnisse dazu, ob das von den Lehrern in den einzelnen Fächern bereitgestellte Pensum mit angemessenem Aufwand zu bewältigen sei.

In Familien mit bildungsaffinen Eltern, die ihren Kindern bei Bedarf Dinge erklären können, bereite das Homeschooling weniger Probleme. „Schwierig wird es, wenn beide Eltern berufstätig und die Kinder auf sich allein gestellt sind“, sagte Tom van de Loo. Auch die technische Ausrüstung spiele eine Rolle. Wenn in einer Familie als einziges internetfähiges Gerät ein Smartphone zur Verfügung stehe, habe das natürlich Auswirkungen auf das digitale Lernen.

Nacharbeiten von Inhalten

„Wenn nach den Ferien der Unterricht wieder beginnt, müssen wir ermitteln, welcher Unterrichtsstoff den Schülern in den einzelnen Fächern fehlt“, sagte Tom van de Loo. Gewisse Dinge müssten nachgeholt werden, bevor mit dem Lehrplan fortgefahren werden könne. „In Fremdsprachen beispielsweise baut ja vieles aufeinander auf. So können Sie etwa in Englisch nicht einfach die Vergangenheitsform weglassen.“ Gleiches gelte für die Naturwissenschaften und Mathematik.

Die in der Corona-Zeit eingeübten Kommunikationswege sollen laut Tom van de Loo auch während der Rückkehr zum Präsenzunterricht beibehalten werden. Wenn ein Arbeitsblatt über Office 365 bereitgestellt werde, könne es beispielsweise auch jemand herunterladen, der an einem Tag krankheitsbedingt nicht zum Unterricht in der Schule war.

Technische Ausrüstung

Laut Tom van de Loo verfügt jeder Klassenraum im IKG über einen internetfähigen Rechner mit Office-365-Zugriff. Beamer seien Standard, zudem gebe es einige White Boards. „Für den Informatikunterricht haben wir einen Raum mit PCs“, sagte der Schulleiter. Hinzu kämen zwei Laptop-Wagen, die in den Naturwissenschaften sowie im Bereich Kunst/Musik eingesetzt würden.

Auch für die Tablets, die im Rahmen der Digitalisierungsbemühungen der Stadt Bad Oeynhausen 2021 angeschafft werden sollen, seien die Voraussetzungen gegeben. Tom van de Loo: „Seit einigen Monaten haben wir flächendeckendes WLAN.“ Das ist nicht selbstverständlich. In diesem Punkt gibt es beispielsweise an der Europaschule Bad Oeynhausen großen Nachholbedarf.

Obwohl der plötzliche Zwang zum Homeschooling viele positive Entwicklungen zur Folge gehabt habe, habe er auch die gegenwärtigen Grenzen des digitalen Lernens aufgezeigt. „Wenn jeder zu Hause für sich lernt, geht die Funktion von Schule als sozialem Raum verloren“, sagte Tom van de Loo. Insofern habe das Homeschooling gezeigt, auf welche Dinge aus der „analogen Welt“ nicht so leicht zu verzichten sei.

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