Staatsbad-Orchester entdeckt in der Corona-Krise neue Kommunikationswege für sich
Immer mehr Fans auf Youtube

Bad Oeynhausen  (WB). An den letzten normalen Arbeitstag mit dem Staatsbad-Orchester vor der Corona-Zwangspause erinnert sich Leiterin Denise Gruber noch genau. „Das war am Mittwoch, 11. März. Morgens hatten wir eine Probe für ein Projekt mit Schülern, nachmittags ein Kurkonzert in der Wandelhalle und abends noch ein weiteres Konzert in der Berolina-Klinik. Den ganzen Tag hat zufällig ein TV-Team für das Regionalfernsehen begleitet.“

Montag, 13.07.2020, 08:00 Uhr aktualisiert: 13.07.2020, 10:22 Uhr
„Wir möchten für die Stadt da sein“, sagt Denise Gruber. Deshalb sucht die Leiterin des Staatsbad-Orchesters nach immer neuen Betätigungsfeldern für ihr Ensemble. Foto: Malte Samtenschnieder
„Wir möchten für die Stadt da sein“, sagt Denise Gruber. Deshalb sucht die Leiterin des Staatsbad-Orchesters nach immer neuen Betätigungsfeldern für ihr Ensemble. Foto: Malte Samtenschnieder

Als zwei Tage später weite Teile des öffentlichen Leben – insbesondere auch der Kulturbetrieb – heruntergefahren worden seien, sei sie geschockt gewesen. „Wir haben aber ziemlich schnell überlegt, wie wir mit dieser besonderen Situation umgehen“, sagt Denise Gruber.

Kurz darauf sei die Idee entstanden, Videos mit musikalischen Beiträgen des Staatsbad-Orchesters auf einem neu geschaffenen Youtube-Kanal zu veröffentlichen. „66 Beiträge gibt es inzwischen. Das beliebteste Video wurde mehr als 550 Mal angeklickt“, sagt die Orchesterleiterin.

Alle Videos seien mit dem Smartphone aufgenommen. Anfangs habe es nur Duette gegeben, später, als die Corona-Beschränkungen dies zuließen, seien die Besetzungen erweitert worden. „Zunächst habe ich meist selbst mit vor der Kamera gestanden. Nach und nach haben dann auch alle meiner Kollegen mitgemacht“, sagt Denise Gruber.

Für alle Beteiligten sei das Spiel vor der Kamera eine Überwindung gewesen. Die Orchesterleiterin: „Wir haben ja kein direktes Feedback vom Publikum bekommen. Wir hatten also keine Ahnung, wie unsere Filme bei den Zuschauern ankommen.“

Nicht jeden Film veröffentlicht

Unter den hochgeladenen Videos gebe es verschiedene Schwerpunkte. Der Film „Kasimirs Welt“ sei ein Herzensprojekt alle Orchestermitglieder gewesen. Damit verabschieden sich die Musiker von ihrem Kollegen Kasimir Tarnowski, der während der Corona-Krise verstarb. Für Kinder und Jugendliche hat das Staatsbad-Orchester den Film „Mozarts Reich“ produziert. Angereichert mit kurzen Charakterstücken erzählt Denise Gruber aus Mozarts Leben.

Einige während der Corona-Zeit entstandenen Videoprojekte sind auch nicht bei Youtube zu finden – etwa eine Kooperation mit der Ballettschule Iris Witte. „Wir haben für die Ballettschüler den ‚Winter‘ aus den ‚Vier Jahreszeiten‘ von Vivaldi aufgenommen. Dazu haben die Tänzer eine Choreografie erarbeitet, diese ebenfalls abgefilmt und dann an uns zurückgeschickt. Aus unserem Video und den Tanzszenen ist ein neuer Film entstanden, aber nur für internen Gebrauch“, sagt Denise Gruber.

Videodreh in Schokoladenfabrik

Zufrieden berichtet die Leiterin des Staatsbad-Orchesters auch davon, dass sie eine Kooperation mit der Jahrgangsstufe Q1 des Immanuel-Kant-Gymnasiums trotz Corona-Beschränkungen erfolgreich zu Ende führen konnte. Das Projekt wurde mit Mitteln aus dem Landesprogramm Kultur und Schule gefördert.

„Im Mittelpunkt stand Jacques Offenbach“, sagt Denise Gruber. Als der Lockdown Mitte März gekommen sei, hätten die Schüler bereits eifrig geprobt. Von einem vorzeigbaren Ergebnis sei man aber noch weit entfernt gewesen. „Ein Teil des Textes stand. Die Musik war bereits ausgewählt. Erste Kostüme waren fertig. Und auch die Schauspielproben hatten begonnen“, rekapituliert die Orchesterchefin. Alle seien traurig gewesen, als sich abgezeichnet habe, dass das Projekt nicht in der ursprünglich geplanten Form fortgesetzt werden konnte.

Mit einem drohenden Scheitern des Projekts wollte sich Denise Gruber nicht abfinden. „Da wir uns nicht als Gruppe treffen durften, habe ich zunächst mit allen Beteiligten einzeln Monologe aufgenommen“, sagt die Orchesterleitern. Nach dem Lockern der Beschränkungen seien Dialoge und Spielszenen mit mehr als zwei Beteiligten hinzugekommen. Als Drehort habe die alte Schokoladenfabrik in Rehme gedient.

Angereichert mit Offenbach-Musik vom Staatsbad-Orchester sei ein 90 Minuten langer Film entstanden. Denise Gruber: „Wir hoffen, dass wir Anfang 2021 Teile der Handlung live auf die Bühne bringen können – aber nur, wenn der Abiturstress für die beteiligten Schüler nicht zu groß ist.“

Seit Pfingsten wieder Konzerte

Bereits seit Pfingsten gibt das Staatsbad-Orchester auch wieder regelmäßig Konzerte: Dienstags, mittwochs, samstags und sonntags, jeweils um 14.30 Uhr, sind die Auftritte zu erleben. Allerdings nicht in der Wandelhalle, sondern im benachbarten Wandelgang im Freien. Denise Gruber: „Dadurch ist es leichter, Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten.“ Klinikkonzerte gebe es zurzeit nicht.

Übrigens: Auch wer zum Telefonhörer greift, hat bald die Chance, Musik des Staatsbad-Orchesters zu hören. Denise Gruber: „Wir spielen nämlich gerade eine neue Wartemusik für die Telefonanlage der Staatsbad GmbH ein.“

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