Wegen Corona muss Werner Stiebel aus Bad Oeynhausen in Bayern seine Deutschland-Tour abbrechen
Wie eine 3er-Postleitzahl Pilgern unmöglich machte

Bad Oeynhausen (WB). Eigentlich wollte Werner Stiebel im Moment irgendwo zwischen Oslo und Trondheim durch Norwegen pilgern. Doch wegen des Coronavirus konnte der Bad Oeynhausener seine Pilgerreise durch das skandinavische Land gar nicht erst antreten. Stattdessen entschloss sich der 62-Jährige, von Bad Oeynhausen ins Allgäu zu pilgern. Doch in Bayern wurde der Corona-Ausbruch bei Tönnies für den Wanderer zum Problem. „Weil die Postleitzahl von Bad Oeynhausen mit 3 beginnt, fand ich von einem auf den anderen Tag keine Unterkunft mehr.”

Mittwoch, 15.07.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 16.07.2020, 09:48 Uhr
Andenken von den Reisen durch Spanien trägt Werner Stiebel beim Pilgern immer mit sich – zwei am Hut, eins am Ohr Foto: Louis Ruthe
Andenken von den Reisen durch Spanien trägt Werner Stiebel beim Pilgern immer mit sich – zwei am Hut, eins am Ohr Foto: Louis Ruthe

Den Unterschied zwischen einer Pilgerreise und einer mehrtägigen Wanderung sieht der Bad Oeynhausener in der mentalen Herangehensweise, wie jemand solch eine Reise antritt. „Zum Pilgern muss man nicht gläubig sein“, sagt Werner Stiebel. Glauben zu können, sieht er jedoch als einen großen Vorteil. „Beim Pilgern ist man immer auf der Suche nach etwas Spirituellem“, sagt er. 2017 hat der ehemalige Finanzaufseher im Casino in Bad Oeynhausen das Pilgern für sich entdeckt und seitdem tausende Kilometer zu Fuß zurückgelegt.

Schon drei Mal in Spanien gepilgert

Nach drei Pilgerreisen durch Spanien (Camino del norte, Camino frances und Camino de la cruz caravaca) ist nun für dieses Jahr eine fünfwöchige Pilgerreise nach Norwegen geplant gewesen. „Im Mai zeichnete sich dann ab, dass Norwegen erst zum Ende meiner Reise die Grenzen für Touristen wieder öffnet“. Aus der Not macht Werner Stiebel dann eine Tugend und überlegt sich eine Pilgerreise durch Deutschland. Sein Ziel: ein guter Motorradkumpel im Allgäu. Sein Plan: zu Fuß 800 Kilometer in fünf Wochen und reservierte Unterkünfte und Zeltplätze auf Campingplätzen für die ersten Nächte. „Den Rest wollte ich spontan buchen“. Seine Ausstattung: drei ADAC-Karten, ein Pilgerwagen mit Zelt und Kleidung sowie dem „Notfall-WC-Kit“.

Von Bad Oeynhausen-Wöhren startete Werner Stiebel Anfang Juni und kam durch

Eindrücke einer Pilgerreise von Bad Oeynhausen aus durch Deutschland

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Städte wie Hameln, Höxter und Bad Karlshafen, bevor er das Drei-Länder-Eck in Hannoversch Münden erreichte. Von dort ging es durch Hessen und Thüringen mit Halten in Eschwege, Creuzberg, Heringen, Breitungen und Meiningen, bevor er aus der Etappe nach Herschfeld bei Neustadt an der Saale die Grenze zu Bayern passierte. Zeitgleich überschlugen sich die Ereignisse im Kreis Gütersloh: extremer Ausbruch des Coronavirus auf dem Tönnies-Betriebsgelände in Rheda-Wiedenbrück.

„Ich habe die Nachrichten gehört. Aber der Mühlenkreis ist ja nicht der Kreis Gütersloh. Deshalb habe ich mir keine Gedanken gemacht und bin weiter gepilgert“, sagt Werner Stiebel. Knapp 200 Kilometer geht er an den folgenden fünf Tagen weiter durch Bayern in Richtung Allgäu. Derweil befand sich der Kreis Güterloh im Lockdown, und einzelne Bundesländer verhängten Reisebeschränkungen für Menschen aus dem Kreis Gütersloh.

An Tag 17 ist Schluss

In Dinkelsbühl (Bayern) angekommen, holen den 62-Jährigen die Ereignisse rund um den Coronavirus-Ausbruch bei Tönnies ein. „Ich wollte mir abends einen Zeltplatz auf der Campinganlage ‚Romantische Straße‘ organisieren“, sagt Werner Stiebel. Der Betreiber habe nur Gäste mit einer Reservierung auf den Platz gelassen. Kurzerhand reserviert er einen Zeltplatz online. „Jetzt sollte eigentlich alles klappen, hatte ich gedacht, bis der Betreiber mir mitteilte, dass wir nun ein ganz großes Problem haben“, berichtet Werner Stiebel.

Grund sei die 3 am Anfang seiner Postleitzahl. „Mir wurde erklärt, das ich somit als Person aus einem Risikogebiet gelte und eine Beherbergung dieser Personen nun per Verordnung in Bayern verboten sein. Das war das Ende meiner Pilgerreise nach 633 Kilometern“, sagt Werner Stiebel. Da kein Bus mehr zum nächsten Bahnhof fährt, sucht der Bad Oeynhausener Unterschlupf bei den Bewohner von Dinkelsbühl. Bei einer Heilpraktikerin kann er für eine Nacht sein Zelt aufschlagen.

„Die restlichen 200 Kilometer meiner Reise musste ich auf Bus und Bahn umsteigen. Meinen Motorradkumpel habe ich zum Glück trotzdem noch besuchen können“, sagt Werner Stiebel. Warum er als Bad Oeynhausener in Bayern pauschal als Mensch aus einem Risikogebiet gelte, sei ihm bis heute nicht ganz klar, zumal er schon seit mehr als zwei Wochen außerhalb des Risikogebietes unterwegs gewesen sei.

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