„Kulturbühne“ – Folge 2 mit den „Newcomers“ aus Bergkirchen
Stillstand: keine Komödie gleich keine „Kohle“

Bad Oeynhausen (WB). Normalerweise sind sie eine fröhliche Truppe, die Newcomers. Und das liegt nicht nur an den Lustspielen, die sie seit 15 Jahren auf die Bühne bringen. Aber aktuell ist ihnen so gar nicht zum Lachen zumute. Denn dank Corona ist das Jahresprogramm gekippt. Wie soll das Ensemble da auf seine Kosten kommen?

Donnerstag, 16.07.2020, 10:36 Uhr aktualisiert: 16.07.2020, 11:01 Uhr
Einige Mitglieder des Ensembles stehen hier vor der neuen Spielstätte, dem Gemeindehaus in Werste. Vorne von links: Dorian Kownatzki und Florian Möller; hinten (von links) Franziska Sieker, Claudia Gamon, Hella Witscher und Stefanie Sieker. Foto: Gabriela Peschke
Einige Mitglieder des Ensembles stehen hier vor der neuen Spielstätte, dem Gemeindehaus in Werste. Vorne von links: Dorian Kownatzki und Florian Möller; hinten (von links) Franziska Sieker, Claudia Gamon, Hella Witscher und Stefanie Sieker. Foto: Gabriela Peschke

Der Keller des Gemeindehauses in Werste ist Requisitenkammer, Kostümfundus – und aktuell auch Lager für Kaffee und Süßwaren. „Das hatten wir alles schon eingekauft für die Verköstigung nach den Aufführungen“, sagt Claudia Gamon. Im April sollte nämlich „Liebe auf Umwegen“ auf die Bühne kommen, als Nachfolger des Vorjahreserfolgs „Sophies Erben“. Ein „Brüller“, wie Franziska Sieker versichert, ein Lustspiele par excellence, bei dem die Mitwirkenden sich bei den ersten Proben schon köstlich amüsiert haben. „Wir haben einfach großen Spaß daran, die Leute zum Lachen zu bringen“, beschreibt Hella Witscher die Motivation der Truppe. Klar, das geht nur, wenn man selber gerne lacht.

Keine Einnahmen seit Monaten

Sowas kommt auch gut an. „Unser Haus ist immer voll“, sagt Hella Witscher selbstbewusst. Die vier traditionellen Aufführungen im Frühjahr mit bis zu 600 Zuschauern bringen Einnahmen bis in den fünfstelligen Bereich, das Catering durch Freunde und Familie eingerechnet. „Dieses Geld brauchen wir auch. Denn wir müssen fürs nächste Jahr wieder Rechte an einem neuen Stück kaufen, Textbücher anschaffen und Aufführungsgebühren bezahlen“, erläutert Witscher, die mit diesen Abläufen seit dem Gründungsjahr vertraut ist.

Außerdem müssten Materialien für Requisiten und Kostüme her. „Die Herstellung machen wir in Eigenleistung, das ist am günstigsten“, fügt sie hinzu. Bleibt noch die Miete für die Räumlichkeiten, die nach dem Umzug aus Wulferdingsen nun in Werste gefunden wurden. „Alles in allem ein Rechenexempel: „Was reinkommt, muss im nächsten Jahr wieder ausgegeben werden“, sagt Claudia Gamon.

Doch in diesem Jahr war alles anders. Zumindest von März an. Denn seit dem Lockdown durfte es keine Proben mehr geben, erst recht keine Aufführungen. „Unsere Zuschauer haben aber die Möglichkeit, die gekauften Tickets gegen Gutscheine einzutauschen“, stellt Hella Witscher klar. Lange wurde nach einer praktikablen Lösung gesucht. „Wir waren selber mit der ganzen Situation überfordert“, gesteht sie. „Aber viele haben auch gesagt: Behaltet das Geld, es ist eine Spende für Euren Einsatz“, fügt sie hinzu.

2020 „traurigstes Jahr“

Das freut die Truppe. Die bis zu zwölf ehrenamtlichen Ensemble-Mitglieder der Newcomers, einem Ableger der Laienspielgruppe des CVJM Bergkirchen, sind im Alter von 17 bis 46 Jahren. Die Freude am Rollenspiel, der Nervenkitzel auf der Bühne, die Atmosphäre, wenn die Gags punkten, all das findet auch Dorian Kownatzki großartig. Im dritten Jahr ist er dabei, liebt das Unmittelbare am Laientheater und den direkten Draht ins Publikum.

„Aber so traurig wie 2020 war es noch nie“, bedauert er. Die soziale Distanz habe dem Team zu schaffen gemacht, klagt auch Claudia Gamon. „Da wird einem klar, dass es nicht selbstverständlich ist, wenn wir untereinander und mit dem Publikum Erinnerungen schaffen und tolle Momente haben“. Gänsehautmomente nennt sie das.

Ob es die im nächsten Jahr wieder geben wird, ist noch offen. Keine Einnahmen, keine Planung. Leider hat bisher noch kein „Großsponsor“ dem Ensemble finanziell unter die Arme gegriffen. Doch Hella Witscher will nicht aufgeben: „Es gibt Leute, die sagen, wir sind eine ‚Instanz‘ in der Laienspielszene. Nicht nur, weil es uns schon so lange gibt. Sondern auch, weil wir es schaffen, die Herzen der Zuschauer zu erreichen“. Das soll auch in Zukunft so bleiben, da sind sich die Mitspieler einig – Corona hin oder her.

Kategorie: Ehrenamtliche Kunst auf Vereinsebene

Hier geht er zur Folge 1: Kreativität als Lebenselixier: „Kunst ist existenziell“.

Der Ablauf der Kulturbühne

Bis Ende November stellt das WESTFALEN-BLATT in Zusammenarbeit mit der Sparkasse Bad Oeynhausen-Porta Westfalica jeweils donnerstags einen Künstler vor, je sieben aus den Kategorien „Künstler im Hauptberuf“ , „Nachwuchs“ und „ehrenamtliche Kunst auf Vereinsebene“ . Die Leser können den jeweiligen Künstler bis zum Sonntag nach Veröffentlichung des Beitrages durch einen Anruf über eine Hotline unterstützen. Unter allen Anrufern werden pro Folge ein Mal zwei Karten für eine Vorstellung im GOP-Varieté verlost.

Im Dezember stellt die Redaktion die drei Künstler jeder Kategorie nochmals im Kurzportrait vor, die die meisten Anrufe erhalten haben. Dann besteht erneut die Möglichkeit, für diese Künstler über eine Gewinn-Hotline anzurufen. Die Zahl der Anrufe entscheidet über die Vergabe der Preisgelder (pro Kategorie). Sie sollen 2021 übergeben werden, in dieser Verteilung: „Künstler im Hauptberuf“ : 1. Preis 1500 Euro, 2. Preis 1000 Euro, 3. Preis: 500 Euro; „Nachwuchs“ und „ehrenamtliche Kunst auf Vereinsebene“ : 1. Preis je 750 Euro, 2. Preis je 500 Euro, 3. Preis je 250 Euro.

 

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