Gegen das Insektensterben: Landwirte setzen auf „BIühendes Band“
Farbenfroh und nützlich

Bad Oeynhausen (WB). Es blüht, summt und brummt zurzeit prächtig entlang der Felder. Alle möglichen Insekten tummeln sich in den speziell für sie ausgesäten bunten Blühstreifen entlang der heimischen Äcker. „BIühendes Band durch Bauernhand 2.0” heißt die Aktion der Landwirte in Westfalen-Lippe, die in diesem Jahr zum zweiten Mal flächendeckend durchgeführt wird.

Samstag, 18.07.2020, 18:11 Uhr aktualisiert: 18.07.2020, 18:14 Uhr
Stefan Schmidt (links), Vorsitzender der Westfälisch-Lippischen-Landjugend, und Rainer Meyer, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke, setzen sich für die Initiative „BIühendes Band durch Bauernhand 2.0” ein. Spaziergänger und Radfahrer können die Blütenpracht derzeit unter anderem am Alten Postweg am Wegesrand bewundern Foto: Natalie Lydia Meyer
Stefan Schmidt (links), Vorsitzender der Westfälisch-Lippischen-Landjugend, und Rainer Meyer, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke, setzen sich für die Initiative „BIühendes Band durch Bauernhand 2.0” ein. Spaziergänger und Radfahrer können die Blütenpracht derzeit unter anderem am Alten Postweg am Wegesrand bewundern Foto: Natalie Lydia Meyer

Die Initiative des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) hat in diesem Jahr für etwa 700.000 Quadratmeter neue Blühfläche gesorgt und leistet damit nach dessen Auffassung einen zentralen Beitrag für den Naturschutz und auch für die Biodiversität.

Gratwanderung

„Wir Landwirte werden oft alleinig für das Insektensterben verantwortlich gemacht. Wir tragen eine Teilschuld. Doch es gibt zahlreiche Ursachen für den Rückgang von Insekten und Wildtieren. Viele Landwirte engagieren sich sehr aktiv für den Umwelt- und Artenschutz“, betont Rainer Meyer, Vorsitzender des Kreisverbandes Minden-Lübbecke des WLV. Zu den Ursachen des Insektensterbens zählten unter anderen die Versiegelung von Flächen, Umwelt- und Lichtverschmutzung, die Nutzung von Pestiziden, intensive Landwirtschaft und eine monotone Kulturlandschaft.

Der Rückgang der Insekten sei gravierend, denn durch die Bestäubung sicherten sie den Fortbestand von unzähligen Pflanzenarten und damit auch die menschliche Lebensgrundlage. „Für die Blühfläche gibt es keine finanzielle Förderung. Es ist eine Gratwanderung zwischen Ertragserwerb und Umweltschutz für die Landwirte. Am Anfang mussten wir Überzeugungsarbeit leisten, aber inzwischen macht etwa jeder zweite Betrieb bei der Initiative mit“, berichtet der Vorsitzende. Er hofft, dass bald noch mehr landwirtschaftliche Betriebe dabei sind. Die Kosten für das Saatgut hat die Stiftung „Westfälische Landschaft” des WLV übernommen. Das Saatgut enthält 16 bunte Kulturarten mit unterschiedlichen Blühzeitpunkten. „So blühen die Pflanzen vom Frühjahr bis in den Herbst und liefern den Tieren kontinuierlich Nahrung.

Leindotter in der Blühmischung

Neu als Bestandteil der Blühmischung ist der Leindotter. Er ist besonders trockenheitsresistent“, erläutert Stefan Schmidt, Vorsitzender der Westfälisch-Lippischen-Landjugend. Unter anderem sind in der Saatgutmischung folgende Blumen und Kräuter enthalten: Malven, Schmuckkörbchen, Sonnenblumen, Ringelblumen, Sommerwicken, Dill und Koriander. Die bunte Farbenpracht der verschiedenen Blumen und Kräuter biete Nektar für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und viele weitere Insekten. Zudem böten die Blühstreifen Wildtieren, zum Beispiel Feldhase, Fasan oder auch Reptilien, einen wichtigen Zuflucht- und Aufzuchtort sowie einen Wohn- und Nistplatz.

Die Saatgutverteilung haben die hiesigen Genossenschaften übernommen. Bei einer durchschnittlichen Breite von drei Metern erstrecke sich das blühende Band im Kreis Minden-Lübbecke auf einer Länge von gut 230 Kilometern. „So können wir einen wertvollen Beitrag zur Artenvielfalt leisten und gleichzeitig die Attraktivität der Region erhöhen. Neben den Blühstreifen gibt es auch viele weitere freiwillige Aktionen und Maßnahmen der regionalen Landwirte für den Arten- und Naturschutz, zum Beispiel gemeinsame Initiativen mit Jägern und Imkern“, sagt Rainer Meyer.

71 Hektar in Bad Oeynhausen

In Bad Oeynhausen gibt es offiziell 71 Hektar, die von den Landwirten ganzjährig für ökologische Zwecke, wie beispielsweise Brachen, Naturschutz und Blühfläche, zur Verfügung gestellt werden. Im Kreis sind es mehr als 1600 Hektar Fläche und auch für Zwischenfrüchte über den Winter würden im Kreis noch einmal etwa 7200 Hektar für ökologische Zwecke von den Bauern bereitgestellt. „Die Aktionen sollen auch verdeutlichen, dass jeder sich aktiv einbringen kann. Auch im heimischen Garten und auf Grünflächen von Firmen kann durch insektenfreundliche Blumen viel erreicht werden. Es gibt viele Möglichkeiten, und gemeinsam können wir alle etwas erreichen”, bekräftigt Rainer Meyer.

Zu den Blühstreifen

– Sie beinhalten keine Gräser.

– Sie haben eine enorme Wirkung, wie der WLV erläutert: Sie bieten demnach vielen Bestäubern Pollen und Nektar und helfen damit auch Vögeln, sich und ihre Brut zu ernähren. Das blühende Band biete Wildtieren, auch dem Niederwild, hochwertiges Futter in den Sommer- und Herbstmonaten. Es verbinde dazu Lebensräume temporär und könne damit zum Austausch von Insektenpopulationen beitragen. Die Blühstreifen werteten das Landschaftsbild auf und ernährten Singvögel bis in den Herbst oder sogar bis in den Winter.

 

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