Bei Neustart nach Corona-Krise müssen 1,8 Millionen Liter Wasser erwärmt werden
Bali-Therme: Warten auf den Tag X

Bad Oeynhausen (WB). Die Bali-Therme bleibt vorerst geschlossen.  Mit den Corona-Auflagen kann das privat geführte Unternehmen nicht wirtschaftlich arbeiten. Die Unsicherheit eines möglichen zweiten Lockdowns mache die Situation noch schwieriger. Die Techniker halten das Bad im Standby-Modus, um Kosten zu sparen. Bei einem Rundgang durch die Therme hat sich das WESTFALEN-BLATT ein aktuelles Bild gemacht.

Dienstag, 21.07.2020, 06:30 Uhr aktualisiert: 21.07.2020, 10:22 Uhr
Wo sich sonst Gäste aufhalten, herrscht wegen der Schließung im Zuge der Corona-Pandemie Stille. Das Außenbecken der Bali-Therme wurde jüngst renoviert. Foto: Frank Dominik Lemke
Wo sich sonst Gäste aufhalten, herrscht wegen der Schließung im Zuge der Corona-Pandemie Stille. Das Außenbecken der Bali-Therme wurde jüngst renoviert. Foto: Frank Dominik Lemke

„Tut weh, hier keinen Gast zu sehen“, sagt Michael Körtner und lässt seinen Blick über das Erlebnisbecken schweifen. Wasser kräuselt sich am Beckenrand. Wer genau hinsieht, kann eine leichte Strömung erkennen.

Die Umwälzpumpen im Fundament des Gebäudes arbeiten im Grundlastbetrieb. Filteranlagen halten das Wasser sauber. Doch anstatt der üblichen 35 Grad Celsius beträgt die Wassertemperatur nur 25 Grad. „So sparen wir zwei Drittel an Energie“, sagt Michael Körtner.

Thermal-Sole aus 726 Metern Tiefe

Der Technische Leiter kennt das Bad in- und auswendig. Vor 36 Jahren hat er hier das erste Mal gearbeitet. Damals war es noch ein Hallenbad in der Verwaltung des Staatsbades. Seitdem hat sich die Bali-Therme komplett verändert. Der kantige Baustil der 1970er Jahre ist gewichen.

Wer die Therme heute besucht, macht einen Kurzurlaub in einer Badelandschaft, die an eine tropische Insel erinnert. Das Thermal-Sole-Wasser für die meisten Becken kommt aus einer Tiefe von 726 Metern. Der Jordansprudel ist als Heilwasser staatlich anerkannt.

Pandemie-Folge: Bali-Therme in Bad Oeynhausen bleibt geschlossen

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Trotz staatlichen Siegels ist die Bali-Therme ein privatwirtschaftlich geführtes Unternehmen. „Deswegen müssen wir anders kalkulieren als die meisten anderen Bäder“, sagt Geschäftsleiter Cornelius Nolte. Die Bali-Therme gehört zur Gruppe „International Wellness Ressorts“ (IWR). Kommunal geförderte Bäder könnten trotz aktueller Corona-Einschränkungen öffnen und mit roten Zahlen arbeiten. Doch bei einem privat geführten Freizeitbad sei das so nicht möglich.

Die Bali-Therme brauche durchschnittlich 1000 Gäste pro Tag, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Mit den Abstandsregeln und Besucherbegrenzungen aufgrund von Corona fallen Tage mit vielen Besuchern weg, die Tage mit wenigen ausgleichen können.

Unsicherheit in der Bevölkerung

„Das ist das eine. Zudem sehen wir eine große Unsicherheit in der Bevölkerung“, sagt Cornelius Nolte. Die Geschäftsleitung hält Kontakt zu anderen Bädern und beobachtet deren Besucherzahlen. Geöffnete Freizeitbäder meldeten 30 bis 80 Prozent weniger Gäste. Deswegen sei es selbst dann nicht klar, ob genug Besucher kommen, wenn die Corona-Beschränkungen sofort aufgehoben würden. Es sei sehr schwer zu kalkulieren und Prognosen zu erstellen. „Plus die Frage, ob es zu einem zweiten Lockdown im Herbst kommt“, sagt Cornelius Nolte.

Bevor die Bali-Therme wieder öffnet, müssten mehr als 1,8 Millionen Liter Wasser auf Temperatur gebracht werden. Das dauert ein bis zwei Wochen. Die Menge entspricht etwa 12.000 bis zum Rand gefüllten Badewannen. Wenn dann ein zweiter Lockdown käme, würden die Kosten explodieren. „Wir können das wirtschaftlich nicht verantworten. Wir müssen auch an unsere 180 Mitarbeiter denken“, sagt Cornelius Nolte.

Fördermittel sind beantragt

Bundesweit gebe es etwa 7600 Bäder. Fördermittel seien zwar beantragt, doch die Politik schenke den etwa 50 privat geführten Freizeitbädern in Deutschland wenig Beachtung. Die Corona-Beschränkungen würden deutschlandweit Betriebe in Schwierigkeiten bringen. „Es geht ja nicht nur uns so. Das ist eine extreme Situation“, sagt Cornelius Nolte. Die ganze Touristik-, Gastronomie- und Hotelbranche sei betroffen. Pflegeberufe wären am Limit. Die Zukunft sei eine große Unbekannte.

Herbst und Winter sind normalerweise die Hochsaison für die Bali-Therme in Bad Oeynhausen. Das Ziel ist die Öffnung, sobald es geht. Die Geschäftsleitung verfolgt jeden Tag die Nachrichten, um diesen Zeitpunkt abzuschätzen. „Wann das ist? Wir hoffen bald“, sagt Michael Körtner.

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