„Kulturbühne“ – Folge 3 – Heute: Quartettverein Bad Oeynhausen
„Es tönen die Lieder” – derzeit leider nicht

Bad Oeynhausen (WB). Der Advent ohne ein Konzert des Quartettvereins? Das hat es in 20 Jahren noch nie gegeben! Aber Sänger mit vier Metern Abstand zum Vordermann vor einem punktuell verstreuten Publikum im Theater im Park – wo bleibt da der atmosphärische Genuss? Die Corona-Beschränkungen, sie erwischen den traditionellen Chor an seiner empfindlichsten Flanke: der Freude am Miteinander.

Freitag, 24.07.2020, 10:32 Uhr aktualisiert: 29.07.2020, 17:40 Uhr
Stolz auf ihre Heimatstadt sind die Sänger des Quartettvereins. Hier stehen die Mitglieder der Chorgemeinschaft vor dem Kaiserpalais im Kurpark. Mit im Bild ist die Dirigentin des Chores, Sventlana Hoffmann. Das Bild ist vor der Corona-Pandemie entstanden. Foto:
Stolz auf ihre Heimatstadt sind die Sänger des Quartettvereins. Hier stehen die Mitglieder der Chorgemeinschaft vor dem Kaiserpalais im Kurpark. Mit im Bild ist die Dirigentin des Chores, Sventlana Hoffmann. Das Bild ist vor der Corona-Pandemie entstanden.

Die Gast-Künstler sind jedoch bereits verpflichtet, bezahlt werden müssten sie auch. Genau wie der Star-Tenor Almanza, der für das Frühlingskonzert engagiert war – bis Corona dazwischenkam. Doch dem Quartettverein schwinden die Mittel: keine Konzerte, keine Einkünfte. „Lange können wir das nicht durchhalten. Wenn wir das Defizit in 2021 nicht aufholen, wird es eng“, sagt Klaus Mueller-Zahlmann, der in der Nachfolge von Günter Wittig dem Gesangverein vorsteht. Mit verschränkten Armen und ernstem Blick sitzen die beiden Sänger am Tisch und diskutieren die aktuellen Herausforderungen. Denn bei allem Respekt für die Schutzauflagen, sie schweben doch wie ein Damoklesschwert über dem Kernanliegen der Chorgemeinschaft: Gemeinsam Singen heißt Freude haben und Freude bereiten.

Im Fernsehen aufgetreten

Man spürt den Stolz in seiner Stimme, wenn Wittig über den „besonderen Beitrag zur Lokalkultur“ spricht. „Wir haben den Namen von Bad Oeynhausen nach Rom und Malta getragen, wir waren im Fernsehen. Mit Operetten und Schlagern, deutschem und internationalem Repertoire, mit kirchlichem und weltlichem Liedgut. Wir haben die kulturelle Vielfalt in der Kurstadt maßgeblich mitgestaltet“, sagt der langjährige Vorsitzende selbstbewusst.

Alle Termine abgesagt

Doch aktuell ist alles abgesagt. Keine Konzerte, monatelang keine Proben. Erst ab Ende Juni haben sich die Bestimmungen gelockert. Also trafen sich die 48 Aktiven im „virtuellen Raum“ des Internets. „War aber nicht für jeden das Richtige“, räumt Wittig ein. Denn die Altersspanne der Sänger reicht von 27 bis in die 80er Jahre – auch wenn im Vorjahr zehn neue, junge Stimmen hinzugekommen sind. Was tun die Sänger, um dennoch in Verbindung zu bleiben? „Wir telefonieren viel. Das stützt den Zusammenhalt“, sagt Mueller- Zahlmann. Aber gleichermaßen weiß er: „Die Lebendigkeit unserer Leistung lebt vom Miteinander. Und das kann man nicht digitalisieren“. Ein Verlust von Lebensqualität sei das, ist der ehemalige Bürgermeister überzeugt, der den Chor vor seiner aktiven Mitgliedschaft aus der „politischen Vogelperspektive“ erlebt hat. „Selbst zu Kriegszeiten hat der Quartettverein gesungen“, sagt Wittig. Und er legt nach: „Singen nährt die Seele und macht frei. Wenn das im großen Stil ‚verboten‘ ist, verkümmern die Menschen“. Ein Alltag voller „Kopfarbeit“, eine durchgetaktete Gesellschaft brauche „Atempausen“, meint Wittig, der auf mehr als 30 Jahre Vereinsleben zurückblickt. „Vielen Menschen können wir Halt geben durch dieses schöne Hobby“, erklärt er. Auch das Stärkende der Gemeinschaft durch langjährige Zugehörigkeit erlebt Günter Wittig als Pluspunkt.

Auf bessere Zeiten hoffen

„Wir möchten weiter ein Kulturangebot für Bad Oeynhausen bleiben“, stellt er klar. Und er wünscht sich, dass die Stadt und ihre Bürger den Mehrwert erkennen und stützen. Das sieht Klaus Mueller- Zahlmann genauso: „Wir sind alle ehrenamtlich engagiert. Keiner verlangt etwas, schon gar kein Geld. Aber wir bekommen trotzdem reichen Lohn für den Einsatz: Freude, Dankbarkeit, Sinn.“ Darum heißt es jetzt durchhalten, vertrauen, auf bessere Zeiten hoffen. Denn was seit 130 Jahren besteht, darf durch Corona nicht ausgelöscht werden.

Kategorie: „ehrenamtliche Kunst auf Vereinsebene“ .

Bis 26. Juli: Anrufen und GOP-Karten gewinnen

Sie möchten im Rahmen der „Kulturbühne“ dem Quartettverein Ihre Stimme geben? Dann rufen sie bis einschließlich Sonntag, 26. Juli, über die Gewinn-Hotline 01379/883007 (0,50 €/ Anruf dt. Festnetz, ggf. andere Mobilfunkpreise) an. Unter allen Anrufern werden ein Mal zwei Karten für den Besuch einer Vorstellung im GOP-Varieté im Kaiserpalais verlost. Nach der Corona-Zwangspause startet der Spielbetrieb dort wieder an diesem Freitag. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die Aktion auf einen Blick

Bis Ende November stellt das WESTFALEN-BLATT in Zusammenarbeit mit der Sparkasse Bad Oeynhausen-Porta Westfalica jeweils donnerstags einen Künstler vor, je sieben aus den Kategorien „Künstler im Hauptberuf“ , „Nachwuchs“ und „ehrenamtliche Kunst auf Vereinsebene“ . Die Leser können den jeweiligen Künstler bis zum Sonntag nach Veröffentlichung des Beitrages durch einen Anruf über eine Hotline unterstützen. Unter allen Anrufern werden pro Folge ein Mal zwei Karten für eine Vorstellung im GOP-Varieté verlost.

Im Dezember stellt die Redaktion die drei Künstler jeder Kategorie nochmals im Kurzporträt vor, die die meisten Anrufe erhalten haben. Dann besteht erneut die Möglichkeit, für diese Künstler über eine Gewinn-Hotline anzurufen. Die Zahl der Anrufe entscheidet über die Vergabe der Preisgelder (pro Kategorie). Sie sollen 2021 übergeben werden, in dieser Verteilung: „Künstler im Hauptberuf“ : 1. Preis 1500 Euro, 2. Preis 1000 Euro, 3. Preis: 500 Euro; „Nachwuchs“ und „ehrenamtliche Kunst auf Vereinsebene“ : 1. Preis je 750 Euro, 2. Preis je 500 Euro, 3. Preis je 250 Euro.

In Folge 1 der “Kulturbühne” ist die Bildhauerin Astrid Mulch vorgestellt worden.

In Folge 2 der “Kulturbühne” ist die Theatergruppe “Newcomers” vorgestellt worden.

 

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