Johanniter-Vorstand blickt auf Notunterkunft-Eröffnung in Bad Oeynhausen zurück
Hilfsbereitschaft dauert bis heute an

Bad Oeynhausen  (WB). Als im Sommer 2015 immer mehr Flüchtlinge nach Deutschland kommen, ist auf Geheiß der Bezirksregierung Detmold auch Bad Oeynhausen aufgefordert, eine Notunterkunft einzurichten. Kurzerhand wird das Bürgerhaus Rehme für bis zu 210 Menschen zu einem Zuhause auf Zeit.

Mittwoch, 29.07.2020, 05:00 Uhr
In der Notunterkunft in Rehme kommen am 11. August 2015 die ersten Flüchtlinge an. Die Einrichtung bleibt bis zum 24. März 2016 geöffnet. Foto: Malte Samtenschnieder/Archiv
In der Notunterkunft in Rehme kommen am 11. August 2015 die ersten Flüchtlinge an. Die Einrichtung bleibt bis zum 24. März 2016 geöffnet. Foto: Malte Samtenschnieder/Archiv

An viele Begebenheiten, die sich in diesen Tagen zum fünften Mal jähren, erinnert sich Christian Rehberg noch genau. Er war und ist Regionalvorstand der Johanniter-Unfall-Hilfe Minden-Ravensberg. Seine Organisation war von der Ankunft der ersten Flüchtlinge am 11. August 2015 bis zur Schließung am 24. März 2016 für den Betrieb der Rehmer Notunterkunft zuständig.

„Wir hatten bereits zuvor einige Erfahrungen in der Flüchtlingsbetreuung gesammelt“, sagt Christian Rehberg im Gespräch mit dieser Zeitung. Vom 8. März bis zum 24. Mai 2015 hätten die Johanniter eine Unterkunft für 50 Menschen im Haus Goldkreuz auf dem Wittekindshof betrieben. „Die Anfrage der Stadt Bad Oeynhausen zum Betrieb der Notunterkunft in Rehme kam am 5. August“, erinnert sich der Regionalvorstand.

Zunächst habe er kurz gezögert. „Wir hatten nämlich bereits drei Tage zuvor zugesagt, dass wir die Notunterkunft in der Käthe-Kollwitz-Schule in Minden betreiben würden.“ Anfangs sei diese für 150 Personen ausgelegt gewesen. Später sei die Anzahl verdoppelt worden. „Ich war mir nicht sicher, woher ich qualifizierte Mitarbeiter für beide Orte nehmen sollte“, sagt Christian Rehberg. Letztlich habe er die Bedenken verworfen.

Klare Entscheidungen

Mit einer Vielzahl klarer Entscheidungen habe der damalige Bürgermeister Klaus Mueller-Zahlmann den Weg für einen reibungslosen Betrieb der Notunterkunft geebnet. „Als das Bürgerhaus Rehme als Standort feststand, mussten die dortigen Toilettenanlagen für die Flüchtlinge hergerichtet werden“, sagt Christian Rehberg.

Anschließend sei es darum gegangen, ausreichend Betten und auch Bettzeug zu beschaffen. „Bestimmte Dinge waren damals in ganz Europa vergriffen“, ergänzt der Regionalvorstand. Betten habe er schließlich aus einem Zentrallager der Johanniter in Wuppertal erhalten.

„Die Essensausgabe war in Kooperation mit der Kirchengemeinde Rehme im Martin-Luther-Hof“, führt Christian Rehberg weiter aus. Für die Mahlzeiten habe der Wittekindshof gesorgt. Um den Betrieb der Notunterkunft zu gewährleisten, sei etwa ein Dutzend hauptamtlicher Mitarbeiter im Einsatz gewesen. Christian Rehberg: „Die Zahl der Ehrenamtlichen betrug ein Vielfaches.“

Unzählige Freiwillige

Viele, die sich vor fünf Jahren für das Wohl der Flüchtlinge engagiert hätten, seien bis heute bei den Johannitern aktiv. „Einige Freiwillige bieten zum Beispiel im Mehrgenerationenhaus Deutschkurse für Menschen mit Migrationshintergrund an“, sagt Christian Rehberg. Über die Schließung der Notunterkunft im Frühjahr 2016 hinaus hätten die Johanniter noch bis Ende 2017 eine Wohnung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge betrieben.

„Der Betrieb der Notunterkünfte war für uns als Regionalverband in den vergangenen Jahren die größte Herausforderung“, sagt Christian Rehberg. Vor einigen Jahren beim Hochwasser an der Elbe oder jüngst in einer Corona-Abstrichstelle im Kreis Gütersloh seien auch Mitarbeiter aus Minden-Lübbecke und Herford im Einsatz gewesen.

Der Regionalvorstand: „Das ist aber leichter zu bewerkstelligen, weil der Einsatzzeitraum kürzer ist.“ Er sei dennoch besorgt, weil immer weniger Arbeitgeber bereit seien, Ehrenamtliche etwa für den Dienst bei den Johannitern freizustellen.

Gute Zusammenarbeit

Die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Stadt Bad Oeynhausen beim Betrieb der Notunterkunft in Rehme wirke bis heute nach. „Sie war zum Beispiel die Basis dafür, dass wir das Mehrgenerationenhaus an der Weserstraße realisieren konnten “, sagt Christian Rehberg. Zudem ständen die Johanniter als Betreiber der mittlerweile dritten Kindertagesstätte in Bad Oeynhausen in den Startlöchern. Der Regionalvorstand: „Sie soll am 1. August 2021 in der Britensiedlung öffnen.“

Aktuell belastet die Corona-Krise die Arbeit der Johanniter. „Unsere Tagespflege in der Oeynhauser Schweiz ist geschlossen“, sagt Christian Rehberg. Die Ausbildung sei heruntergefahren. Das gelte auch für den Fahrdienst. Zudem schwächele die Mitgliederwerbung. Christian Rehberg: „Das bedeutet zugleich weniger Spenden, die wir dringend benötigen.“

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