„Kulturbühne“ – Folge 4 – Heute: Violinistin Veronika Bejnarowicz
Corona zieht ganz neue Saiten auf

Bad Oeynhausen (WB). Wenn Veronika Bejnarowicz über Beethoven spricht, leuchten ihre Augen: „Diese Musik ist höhere Offenbarung. Sie verändert die Menschen“, sagt die erste Geigerin des Vigato-Quartetts.

Donnerstag, 30.07.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 30.07.2020, 05:01 Uhr
Ihr Herz schlägt für die Musik: Veronika Bejnarowicz beim Interview in ihrem Elternhaus in Bad Oeynhausen. Foto: Gabriela Peschke
Ihr Herz schlägt für die Musik: Veronika Bejnarowicz beim Interview in ihrem Elternhaus in Bad Oeynhausen. Foto: Gabriela Peschke

Da spürt man ihre glühende Leidenschaft für Klassik und Kammermusik. Aber das Repertoire der Bad Oeynhau­sener Instrumentalistin geht weit darüber hinaus. Mit ihrem Ensemble spielt sie jetzt auch in Diskotheken oder open air in Berliner Hausgärten. Denn Corona macht erfinderisch!

„Wir spielen eigentlich überall, wo wir aufgeschlossene Menschen erreichen können“, sagt die 27-Jährige. Seit Auflagen zur Eindämmung des Coronavirus das offizielle Musikgeschehen quasi lahmgelegt haben, ist Kreativität gefragt. Da gehen sie los, die vier jungen Streicher, die sich vom Masterstudium kennen, und suchen unkonventionelle Locations, aufgeschlossene Gastgeber – und bezahlbare Umstände.

„Pink Panther“ als Zugabe

Denn Raummiete, Spesen, Instrumentenversicherung schlagen teuer zu Buche bei einem Honorar, das pro Konzert frei verhandelt wird und letztlich vier Musiker tragen muss. Dann kommen gegebenenfalls nicht Streichquartette von Mozart oder Haydn aufs Programm, sondern Neo-Klassik oder „Pink Panther“ als Zugabe.

„Die heutige musikalische Welt braucht Vielfalt“, ist Bejnarowicz überzeugt. Nur mit elitärer Klassik erreiche man das junge Publikum nicht. Also spielt Cellist Gereon Theis auch mal mit Cappy und interpretiert etwas freier. „Und dann kommen die Leute und sagen: ‚So haben wir das Stück ja noch nie gehört‘“, freut sich Veronika Bejnarowicz.

Eine Musterkarriere

Seit gut zehn Jahren spielt die Bad Oeynhausenerin schon mit ihren drei Kollegen von der Musikhochschule Nürnberg. Masterstudentin war Bejnarowicz dort, nachdem sie zuvor bereits in der Schweiz und mit Beginn ihrer Laufbahn auch in Detmold ausgebildet worden war: Mit gerade mal zwölf Jahren kam die Sechstklässlerin des Immanuel-Kant-Gymnasiums damals ins Hochbegabtenzentrum.

Ein Konzert in Inowroclaw brachte den Durchbruch: „Da wusste ich, Musik wird mein Ding“, sagt sie und schüttelt ihren Lockenkopf. Es folgten Konzertreisen rund um den Globus, das junge Ensemble spielte mit musikalischen Größen wie dem Auryn- oder Artemis-Quartett. Ein steiler Aufstieg, eine Musterkarriere – wenn auch fernab der Kurstadt, wo man die Violinistin nur unter Insidern kennt.

Konzertreihe endet vorzeitig

Doch Corona zog neue Saiten auf. Das Vigato-Quartett gehört zu den ausgewählten Künstlern der Konzertreihe „Best of NRW“. 13 Meisterkonzerte wollten sie bestreiten, darunter auch eines im Beethoven-Haus in Bonn. Nach drei Auftritten war Schluss. Und am 13. März hätten die Musiker ihr Newcomer-Debut im Sendesaal des NDR geben sollen – drei Tage vorher wurde der Auftritt abgesagt. Die geplante Konzertreise durch Italien? Komplett gestrichen! Finanziell ein Desaster für ein junges Ensemble, das sich seine Zukunft mühsam aufbaut.

Aber aufgeben? „Auf keinen Fall“, kommt es prompt von Veronika Bejnarowicz, „wir finden Alternativen!“ Das dürften auch gern Sponsoren sein, die im heimischen Bad Oeynhausen ansässig und der Musik zugetan sind, stellt sie in den Raum. Unternehmer, die ein Forum bieten können für junge Künstler und eine Brücke schlagen mögen zur „Berührbarkeit der Zuhörer“. Denn dies ist der Geigerin enorm wichtig, „Dafür mache ich Musik“, sagt sie.

Als nächste Gelegenheit winkt das traditionelle Musikfest Hitzacker im August, wo das Ensemble mit Professor Oliver Wille von der Hochschule Hannover vorgesehen ist. Da heißt es Daumen drücken, dass nichts mehr abgesagt werden muss. Denn: „Man muss die Musik endlich wieder aus ihrem ‚Dornröschenschlaf‘ wecken“, sagt Bejnarowicz augenzwinkernd.

Kategorie: „Künstler im Hauptberuf“.

Bis 2. August: Anrufen und GOP-Karten gewinnen

Sie möchten im Rahmen der „Kulturbühne“ der Violinistin Veronika Bejnarowicz Ihre Stimme geben? Dann rufen sie bis einschließlich Sonntag, 2. August, über die Gewinn-Hotline 01379/883007 (0,50/ Anruf dt. Festnetz, ggf. andere Mobilfunkpreise) an. Unter allen Anrufern werden ein Mal zwei Karten für den Besuch einer Vorstellung im GOP-Varieté im Kaiserpalais verlost. Nach der Corona-Zwangspause ist der Spielbetrieb dort am Freitag, 24. Juli, wieder gestartet. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die Aktion auf einen Blick

Bis Ende November stellt das WESTFALEN-BLATT in Zusammenarbeit mit der Sparkasse Bad Oeynhausen-Porta Westfalica jeweils donnerstags einen Künstler vor, je sieben aus den Kategorien „Künstler im Hauptberuf“ , „Nachwuchs“ und „ehrenamtliche Kunst auf Vereinsebene“ . Die Leser können den jeweiligen Künstler bis zum Sonntag nach Veröffentlichung des Beitrages durch einen Anruf über eine Hotline unterstützen. Unter allen Anrufern werden pro Folge ein Mal zwei Karten für eine Vorstellung im GOP-Varieté verlost.

Im Dezember stellt die Redaktion die drei Künstler jeder Kategorie nochmals im Kurzporträt vor, die die meisten Anrufe erhalten haben. Dann besteht erneut die Möglichkeit, für diese Künstler über eine Gewinn-Hotline anzurufen. Die Zahl der Anrufe entscheidet über die Vergabe der Preisgelder (pro Kategorie). Sie sollen 2021 übergeben werden, in dieser Verteilung: „Künstler im Hauptberuf“ : 1. Preis 1500 Euro, 2. Preis 1000 Euro, 3. Preis: 500 Euro; „Nachwuchs“ und „ehrenamtliche Kunst auf Vereinsebene“ : 1. Preis je 750 Euro, 2. Preis je 500 Euro, 3. Preis je 250 Euro.

In Folge 1 der „Kulturbühne“ ist die Bildhauerin Astrid Mulch vorgestellt worden.

In Folge 2 der „Kulturbühne“ ist die Theatergruppe „Newcomers“ vorgestellt worden.

In Folge 3 der „Kulturbühne“ ist der Quartettverein Bad Oeynhausen vorgestellt worden.

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