Märchenmuseum Bad Oeynhausen zeigt Cartoons zur Pandemie von Olaf Schwarzbach
Es war einmal... Corona

Bad Oeynhausen  (WB). Als ein Polizist, mutmaßlich Ende März, das Rotkäppchen mit einem Korb voller Nudeln, Klopapier und Mehl auf dem Weg zu seiner Großmutter erwischt, kennt er kein Erbarmen: Das Mädchen soll 250 Euro zahlen, weil es gegen die damals noch schärferen Corona-Kontaktbeschränkungen verstößt.

Freitag, 31.07.2020, 05:00 Uhr
In einem Schaukasten vor dem Märchenmuseum hat Dr. Hanna Dose, Leiterin der Städtischen Museen, verschiedene Cartoons zusammengestellt, die sich auf märchenhafte Weise mit der Corona-Krise befassen. Die Zeichnungen stammen von Olaf Schwarzbach. Foto: Malte Samtenschnieder
In einem Schaukasten vor dem Märchenmuseum hat Dr. Hanna Dose, Leiterin der Städtischen Museen, verschiedene Cartoons zusammengestellt, die sich auf märchenhafte Weise mit der Corona-Krise befassen. Die Zeichnungen stammen von Olaf Schwarzbach. Foto: Malte Samtenschnieder

Diese und ähnliche „märchenhafte Begebenheiten“ finden sich in Cartoons von Olaf Schwarzbach wieder. In seinen Zeichnungen nimmt der Berliner humorvoll die Corona-Krise und ihre oft skurrilen Auswüchse aufs Korn. Als Träger dienen ihm bekannte Märchen. Eine Auswahl seiner Arbeiten ist derzeit in einem Schaukasten vor dem Märchenmuseum am Ino­wroclaw-Platz zu sehen.

„Ich bin von meinem Bruder, der in Berlin lebt, auf Olaf Schwarzbachs Zeichnungen aufmerksam gemacht worden. Er hat sie dort in einer Zeitung entdeckt“, sagte Dr. Hanna Dose, Leiterin der Städtischen Museen, im Gespräch mit dieser Zeitung.

Märchen eigneten sich hervorragend als Grundlage für zeitkritische Cartoons. „Sie sind zeit- und ortsunabhängig und lassen sich in jede Situation immer wieder neu einpassen“, erläuterte die Expertin. Zudem könne die Illustration eines Märchens – ganz ohne Text – eine ganze Geschichte erzählen.

„Das Problem einfach weglachen“

„Die Corona-Pandemie ist eine allgemeine Krise. Alle reden darüber. Viele sind geängstigt“, sagte Hanna Dose. Daraus entstehe das Bedürfnis, dieser unangenehmen Situation etwas entgegensetzen zu wollen. Die Expertin: „Am liebsten möchte man das Problem mit Hilfe eines Witzes einfach weglachen.“

Die Corona-Krise biete dafür viele Ansatzpunkte. Seit dem Beginn im März habe es verschiedene Stadien gegeben. „Anfangs waren es die Hamsterkäufe. Dann kam die Maskenpflicht, und darüber hinaus mussten sich alle plötzlich an Abstandsregeln halten“, erläuterte Hanna Dose.

Hier schließe sich der Kreis. Um die beschriebenen und weitere Phänomene kritisch zu hinterfragen, seien Märchen die perfekte Projektionsfläche. „Dabei wird mit einem Bild gespielt, das jeder kennt“, sagte Hanna Dose. Meist werde ein Aspekt herausgegriffen und verfremdet.

Etwa, wenn die Bremer Stadtmusikanten angesichts des heruntergefahrenen kulturellen Lebens ganz bedröppelt verkünden: „Wir haben unsere Instrumente zu Hause gelassen.“ Eine neue Perspektive ergibt sich auch, wenn die bösen Schwestern, die unübersehbare Mund-Nasen-Schutze tragen, dem Aschenputtel eröffnen: „Du darfst nicht mit zum Maskenball.“

Kreativer Umgang mit Lockdown

Nachdem sie mit ersten Cartoons von Olaf Schwarzbach in Kontakt gekommen sei, habe sie den Kontakt zu dem Künstler gesucht, sagte Hanna Dose. „Anfangs ging es nur um die Frage, ob ich einige seiner Arbeiten im Schaukasten vor dem Museumseingang zeigen darf.“ Die Zeichnungen hätten sich perfekt geeignet, um angemessen mit dem Lockdown des Märchenmuseums umzugehen.

Mittlerweile habe sie mehrere signierte Drucke für dessen Sammlung erworben. „Vielleicht gibt es dazu später auch eine Ausstellung, wenn die Corona-Krise überwunden ist.“ Alternativ könne sie sich vorstellen, eine Auswahl der Cartoons im Treppenhaus zu zeigen. Hanna Dose: „Das ist aber noch offen.“

Nicht nur in Cartoons arbeiteten sich Künstler an der Corona-Krise ab. „Die Volkskundlerin Prof. Dr. Sabine Wienker-Piepho von der Universität Jena hat mir eine Sammlung mit Corona-Witzen zur Verfügung gestellt“, sagte Hanna Dose.

Einige Museen sammelten auch Gegenstände aus der Corona-Zeit. Abgesehen von Olaf Schwarzbachs Cartoons komme das für das Märchenmuseum nicht in Frage. Hanna Dose: „Ich hoffe, dass die Pandemie bald vorbeigeht.“

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7515186?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516044%2F
So geht das nicht weiter!
Hier wird kein Umsatz gemacht (Symbolbild).
Nachrichten-Ticker