„Atempausen“ sollen Lage entspannen – Rektoren zwischen Zuversicht und Skepsis
Schulstart: Maskenpflicht bei 30 Grad

Bad Oeynhausen/Löhne (WB). Nach der coronabedingten Schließung aller Schulen Mitte März und dem darauffolgenden Homeschooling für eine Vielzahl der Schüler soll von diesem Mittwoch an wieder der Regelunterricht an den Schulen losgehen – jedoch mit einer erweiterten Maskenpflicht. Das WESTFALEN-BLATT hat sich stellvertretend für alle Schulen am Immanuel-Kant-Gymnasium (IKG) und der Europaschule in Bad Oeynhausen sowie dem Städtischen Gymnasium und der Bertolt-Brecht-Gesamtschule (BBG) in Löhne umgehört.

Mittwoch, 12.08.2020, 02:30 Uhr aktualisiert: 12.08.2020, 05:03 Uhr
An den Schulen in Bad Oeynhausen und Löhne startet an diesem Mittwoch wieder der Regelunterricht für alle. An den Gymnasien, Gesamtschulen, Realschulen und Berufskollegs müssen die Schüler nun auch im Unterricht einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Foto: dpa
An den Schulen in Bad Oeynhausen und Löhne startet an diesem Mittwoch wieder der Regelunterricht für alle. An den Gymnasien, Gesamtschulen, Realschulen und Berufskollegs müssen die Schüler nun auch im Unterricht einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Foto: dpa

Europaschule

Dirk Rahlmeyer, Schulleiter der Europaschule, blickt dem Schulstart zwiegespalten entgegen. Knapp 1000 Schüler erwartet er zum Schulstart. „Derzeit gibt es keine optimale Lösung, aber es gibt eine“, sagt Rahlmeyer. Zwar hätten die Schulen vor den Sommerferien grundlegende Dinge zur Umsetzung der Corona-Schutzmaßnahmen schon testen können, der Schulstart nach den Ferien sei jedoch ein „Start mit vielen Unbekannten“. „Das große Thema im Kollegium und bei den Schülern ist natürlich die Maskenpflicht im Unterricht“, berichtet Rahlmeyer. Mit Blick auf die Wetterprognosen habe er dem Kollegium gestattet, bei Bedarf „Atempausen“ einzulegen. „Dann werden die Klassen auf den Schulhof gehen, der Mindestabstand wird hergestellt, und die Kinder und Jugendlichen dürfen für ein paar Minuten durchatmen“, sagt er.

Die neuen Fünftklässler werden erst am Donnerstag in der Schule erwartet. Für die Schüler der Sekundarstufe I wird sich der Unterricht an den ersten Tagen auf die ersten sechs Stunden verteilen. Lediglich die Oberstufe soll schon nachmittags unterrichtet werden. „Das hat auch etwas mit der Mensa zutun. Das Konzept muss erst von behördlicher Seite genehmigt werden“, sagt Dirk Rahlmeyer. Sorge bereiten ihm viele Schüler, die in den Ferien mit ihren Familien Urlaub in Risikogebieten gemacht haben. „Die Lehrer sind strikt dazu angehalten, Schüler mit Symptomen umgehend nach Hause zu schicken.“ Per Videobotschaft hat sich der Schulleiter jüngst auch über soziale Netzwerke an die Schüler gewandt.

Immanuel-Kant-Gymnasium

Verhalten blickt Dr. Tom van de Loo, Schulleiter des Immanuel-Kant-Gymnasiums, dem Schulstart entgegen. „Eigentlich bin ich immer Optimist. Dem Schulstart schaue ich jedoch verhalten optimistisch entgegen“, sagt er. Etwa 1100 Schüler werden nun wieder das Gymnasium besuchen. Bei der Einhaltung der Maskenpflicht seiner Schüler macht sich der Schulleiter keine Sorgen. „Die Schüler sind für die Notwendigkeit der Maske sensibilisiert“, sagt er. Sorgen bereiten Tom van de Loo eher die Temperaturen zum Schulstart. Um die 30 Grad sind angesagt. Am IKG sind die Klassenlehrer deshalb auch dazu angehalten, kurze Hitzepausen einzulegen.

Für die Fünftklässler wird es an den ersten drei Tagen keinen Nachmittagsunterricht geben. Ab Klasse 8 sollen die Schüler von diesem Mittwoch an bereits in den Regelunterricht starten. Seit einer Woche beschäftige sich die Schule mit der Umsetzung des umfassenden Hygienekonzeptes. „Einiges wird den Schüler schon aus der Zeit vor den Ferien bekannt sein“, sagt Tom van de Loo. Am wichtigsten sei es, in den kommenden Tagen genügend Abstand zu halten und, wo dies nicht gehe, den Mund- und Nasenschutz zu tragen. Bei seinem Kollegium kann der Schulleiter auf alle Lehrkräfte zurückgreifen. Trotzdem komme es derzeit zu einer Unterbesetzung des Lehrpersonals, „das ist aber strukturbedingt“. „Generell halte ich den Schulstart für richtig“, sagt Tom van de Loo. Es sei wichtig, den Kindern und Jugendlichen nun wieder einen geregelten Tagesablauf zu ermöglichen.

Bertolt-Brecht-Gesamtschule

Etwa 1000 Schüler, die in den Pausen auf dem gesamten Schulgelände so verteilt werden, dass der Mindestabstand eingehalten werden kann, werden das Bild an der Bertolt-Brecht-Gesamtschule in den kommenden Wochen bestimmen. Mit Vier-Stunden-Tagen soll es in der ersten Woche an der BBG losgehen. Zudem gibt es in jedem Klassenzimmer an der Schule einen Platz am Fenster. „Dort wird der Mindestabstand eingehalten und die Kinder können kurzzeitig ihre Maske ablegen und durchatmen“, sagt Daniela Gehring, Schulleiterin der BBG.

Sie hoffe weiterhin auf ein „vorbildliches Verhalten“ ihrer Schüler. Für den Notfall, dass ein Schüler ohne Maske zur Schule kommt, ist ein kleiner Notfallvorrat angeschafft worden. „Die Masken gibt es jedoch nicht umsonst. Die Eltern sind verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, dass die Kinder eine Maske tragen“, sagt sie und hofft, dass sich die Lage bald soweit entspannt, dass die Maskenpflicht schnell keine mehr ist. „Die Masken sind für uns Lehrer, aber vor allem für die Schüler in den kommenden Tagen eine extreme Zusatzbelastung“, sagt sie

Städtisches Gymnasium

Wie ihre Kollegen wird auch Anja Backheuer nun wieder etwa 1000 Schüler im Schulgebäude begrüßen dürfen. In der Vorbereitungswoche habe sich das Kollegium neben der Umsetzung aller Hygienevorschriften auch explizit auf einen bald wieder möglichen Digitalunterricht vorbereitet. „Es ist wichtig, dass wir für alle Eventualitäten gerüstet sind“, sagt Anja Backheuer. Ein nochmaliger derartiger Unterrichtsausfall wäre für viele der Schüler fatal.

„Unsere Fünfer haben wir bereits begrüßt“, sagt die Schulleiterin. Auch einen virtuellen Rundgang habe es für die Neuankömmlinge gegeben. In den ersten beiden Stunden sollen organisatorische Dinge mit den Schüler besprochen werden. Ab der dritten Stunde am Mittwoch heißt es dann wieder Regelunterricht für alle Schüler am Löhner Gymnasium. Die Maskenpflicht im Unterricht sieht die Schulleiterin als notwendig, „da es keine Tests, weder bei den Lehrern noch bei den Schülern, im Vorfeld gegeben hat.“ Trotzdem freut sich Anja Backheuer auf ihre Schüler – sowie alle Schulleiter.

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