„Kulturbühne“ – Folge 6 – Heute: Handstand-Artist Sven Böker
„Die Frage ist nicht, ob es weitergeht, sondern nur wann“

Bad Oeynhausen (WB). Er ist einer der Großen in seiner Szene, reist um den gesamten Erdball mit seinen Varieté-Acts und räumt renommierte Preise ab auf berühmten Akrobatik-Festivals. Doch zugleich ist er sehr bescheiden, nimmt sich selbst zurück – und wartet voller Vertrauen auf bessere Zeiten. Denn Corona hat auch für den Handstand-Artisten die Welt auf den Kopf gestellt.

Donnerstag, 13.08.2020, 05:31 Uhr aktualisiert: 13.08.2020, 05:40 Uhr
Als Artist ist Sven Böker viel unterwegs. Ruhe findet er im Garten seines Elternhauses in Bad Oeynhausen. Foto: Gabriela Peschke
Als Artist ist Sven Böker viel unterwegs. Ruhe findet er im Garten seines Elternhauses in Bad Oeynhausen. Foto: Gabriela Peschke

Sven Böker sitzt im Garten seines Elternhauses in Bad Oeynhausen.„Die Frage ist nicht, ob es weitergeht, sondern nur wann“, sagt der hauptberufliche Artist. Im März hat er zuletzt für drei Wochen gearbeitet an einem Engagement, das für mehrere Monate terminiert war. Danach war Schluss. Keine einzige Show, kein Festival, keine Tour. Alle Gala-Veranstaltungen im In- und Ausland abgesagt.

„Ich bin eigentlich gut vernetzt“, räumt der 29-Jährige ein. Nach 13 Jahren Erfahrung im Showgeschäft kennt er alle wichtigen Agenten in der Szene, hat Kontakte in die großen Locations.

Aber das Entertainment liege im Dornröschen-Schlaf, sagt Böker. „Schlimm ist nicht nur, dass wir Künstler aktuell keine Engagements haben. Tragisch ist, dass die Arbeitgeber nicht hinreichend gestützt werden“, fügt er nachdenklich hinzu.

Die Politik und die Gesellschaft, sie sieht Sven Böker in der gemeinsamen Verantwortung, „eine Kultur aufrecht zu erhalten, die es bereits seit dem Mittelalter gibt“, wie er sagt. „Kultur ist immer auch Bildung, nicht bloß Unterhaltung“, stellt er klar. Doch: „Leider haben wir die Kultur in eine elitäre Nische gedrängt: teuer und selektiv. Aber Kultur ist für jeden da, jeder sollte sie sich leisten können“, fordert Böker.

Festival beim Großmeister

Jetzt, wo die Artisten-Szene sich buchstäblich im freien Fall befindet, wo weder Versicherungen noch Förderungen die Ausfälle kompensieren, richtet Sven Böker den Scheinwerfer auf das Positive: „Artist zu sein, das macht mich unendlich glücklich. Ich wollte nie etwas anderes werden“, bekräftigt er.

Gerade erst hat Sven Böker mit seiner eigenen Choreographie „Sand-Stand“ beim Artistik-Festival auf der MS Europa 2 vor dem Großmeister Anatoliy Zalevskiy überzeugt: Stellvertretend für Deutschland holt er Gold („der wichtigste Moment in meinem Leben“), da bricht Corona der Szene sozusagen das Genick.

„Die Artistik ist kein Routine-Job. Sie bietet Aufregung, Freiheit, Vielfalt. Dafür trägt man das Risiko einer schwankenden Auftragslage – das war schon immer so“, weiß der leidenschaftliche Akrobat. Aber jetzt sind diese selbstständigen Künstler, „die in guten Zeiten gut Steuern zahlen“, wie Böker sagt, vom Arbeitsmarkt abgeschnitten, weil sie nicht arbeiten dürfen, obwohl sie möchten.

Neue Hobbys entdeckt

„In unserer Szene bilden wir die interkulturelle Vielfalt der Welt ab. Hier mischen sich die Nationalitäten ohne Ausgrenzung, ohne Homophobie“, sagt Böker, und man spürt den Stolz der Zugehörigkeit. „Wie lange will die Politik noch warten, bis sie in dieser Krise wirksam eingreift? Wie viele sollen ruiniert werden?“, wirft er ein.

Auf diese Frage hat er keine Antwort. Aber er stemmt sich mit ganzem Vertrauen dagegen. „Ich habe gelernt, mit großem psychischem Druck umzugehen. Das kommt mir in der Krise zugute“, sagt Sven Böker. Darum hat er auch keine Angst. Er organisiert seinen Tagesablauf jetzt anders, aber trotzdem konsequent. Stundenlanges Training, um fit zu bleiben. Kontakte pflegen. Aber auch neue Hobbys ausprobieren, das Backen zum Beispiel. Und schließlich: die häusliche Gemeinschaft, die Nähe der Familie genießen. „Das trägt in schwierigen Zeiten“, sagt der junge Künstler. Und lächelt erneut.

Kategorie: „Nachwuchs“

Anrufen und GOP-Karten gewinnen

Sie möchten im Rahmen der „Kulturbühne“ dem Kleinen Theater Rehme Ihre Stimme geben? Dann rufen sie bis diesen Sonntag, 16. August, über die Gewinn-Hotline 01379/883007 (0,50 €/Anruf dt. Festnetz, ggf. andere Mobilfunkpreise) an. Unter allen Anrufern werden ein Mal zwei Karten für den Besuch einer Vorstellung im GOP-Varieté verlost. Es hat nach einer Corona-Zwangspause den Spielbetrieb am 24. Juli wieder aufgenommen. Der Rechtsweg ist bei der Aktion ausgeschlossen.

Die Aktion auf einen Blick

Bis Ende November stellt das WESTFALEN-BLATT in Zusammenarbeit mit der Sparkasse Bad Oeynhausen-Porta Westfalica jeweils donnerstags einen Künstler vor, je sieben aus den Kategorien „Künstler im Hauptberuf“ , „Nachwuchs“ und „ehrenamtliche Kunst auf Vereinsebene“ . Die Leser können den jeweiligen Künstler bis zum Sonntag nach Veröffentlichung des Beitrages durch einen Anruf über eine Hotline unterstützen. Unter allen Anrufern werden pro Folge ein Mal zwei Karten für eine Vorstellung im GOP-Varieté verlost.

Im Dezember stellt die Redaktion die drei Künstler jeder Kategorie nochmals im Kurzporträt vor, die die meisten Anrufe erhalten haben. Dann besteht erneut die Möglichkeit, für diese Künstler über eine Gewinn-Hotline anzurufen. Die Zahl der Anrufe entscheidet über die Vergabe der Preisgelder (pro Kategorie). Sie sollen 2021 übergeben werden, in dieser Verteilung: „Künstler im Hauptberuf“: 1. Preis 1500 Euro, 2. Preis 1000 Euro, 3. Preis: 500 Euro; „Nachwuchs“ und „ehrenamtliche Kunst auf Vereinsebene“: 1. Preis je 750 Euro, 2. Preis je 500 Euro, 3. Preis je 250 Euro.

In Folge 1 der „Kulturbühne“ ist die Bildhauerin Astrid Mulch vorgestellt worden.

In Folge 2 der „Kulturbühne“ ist die Theatergruppe „Newcomers“ vorgestellt worden.

In Folge 3 der „Kulturbühne“ ist der Quartettverein Bad Oeynhausen vorgestellt worden.

In Folge 4 der “Kulturbühne” ist die Violinistin Veronika Bejnarowicz vorgestellt worden.

In der Folge 5 der „Kulturbühe“ ist das Kleine Theater Rehme vorgestellt worden.

 

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