Wirtschaftsclub Bad Oeynhausen lässt Bürgermeisterkandidaten ihre Ziele darlegen
Fünf Bewerber, fünf Meinungen

Bad Oeynhausen (WB). „Welcher Kandidat ist der Richtige für das Bürgermeisteramt in Bad Oeynhausen?“ Einen Monat vor der Kommunalwahl am 13. September haben sich knapp 50 Teilnehmer einer Podiumsdiskussion in der Druckerei eine Antwort auf diese Frage erhofft.

Donnerstag, 13.08.2020, 06:00 Uhr
Kay-Uwe Schneider (links), Vorsitzender des Wirtschaftsclubs Bad Oeynhausen, und sein Stellvertreter Michael Ruprecht (rechts) haben die fünf Bürgermeisterkandidaten (von links) Volker Brand (Grüne), Lars Bökenkröger (CDU), Werner Birtsch (unabhängig), Achim Wilmsmeier (SPD/BBO/Linke/UW) und Henning Bökamp (FDP) zur Podiumsdiskussion im Begegnungszentrum Druckerei begrüßt. Die Moderation der Veranstaltung übernahm Journalist Carsten Dehne. Foto: Malte Samtenschnieder
Kay-Uwe Schneider (links), Vorsitzender des Wirtschaftsclubs Bad Oeynhausen, und sein Stellvertreter Michael Ruprecht (rechts) haben die fünf Bürgermeisterkandidaten (von links) Volker Brand (Grüne), Lars Bökenkröger (CDU), Werner Birtsch (unabhängig), Achim Wilmsmeier (SPD/BBO/Linke/UW) und Henning Bökamp (FDP) zur Podiumsdiskussion im Begegnungszentrum Druckerei begrüßt. Die Moderation der Veranstaltung übernahm Journalist Carsten Dehne. Foto: Malte Samtenschnieder

Zum Schlagabtausch am Dienstagabend hatte der Wirtschaftsclub Bad Oeynhausen die fünf Bewerber Werner Birtsch (unabhängig), Henning Bökamp (FDP), Lars Bökenkröger (CDU), Volker Brand (Grüne) und Achim Wilmsmeier (SPD/BBO/Linke/UW) eingeladen. Durch den Abend führte Carsten Dehne.

„In Corona-Zeiten ist es gar nicht so einfach, alle Bürgermeisterkandidaten einmal live zu erleben“, meinte Kay-Uwe Schneider, Vorsitzender des Wirtschaftsclubs, zu Beginn. Das sei aber wichtig, um unterschiedliche Vorstellungen und Ziele der Bewerber kennenzulernen.

Bei dem letztlich rund zweieinhalbstündigen Meinungsaustausch standen wirtschaftliche Themen im Zentrum. 14 Themenbereiche brachte Carsten Dehne im Verlauf des Abends auf das Trapez. Nach jeder neuen Frage hatte jeder Bürgermeisterkandidat 90 Sekunden Zeit, seine Position darzulegen. Reihum hatte dabei in jeder Runde ein anderer das erste beziehungsweise das letzte Wort.

Der Vorteil des Verfahrens: Alle Podiumsgäste hatten die gleiche Redezeit. Der Nachteil: Die Bürgermeisterkandidaten stellten ihre Positionen zwar nebeneinander. Sie kamen aber nicht über Gemeinsamkeiten und Unterschiede untereinander oder auch mit ihren Zuhörern ins Gespräch.

Kurze Vorstellungsrunde

Diplom-Betriebswirt Werner Birtsch sagte in der Vorstellungsrunde, er wolle nach einem Wahlsieg die komplette Verwaltung umkrempeln. „Mehr Bürgerbeteiligung und Mitbestimmung“ nannte er zur Begründung.

Architekt Henning Bökamp sprach sich für eine „bedarfsorientierte Planung“ aus. Um die Stadt nach vorne zu bringen, sei es wichtig, den Bürgern zuzuhören und sie besser an den Entscheidungsprozessen zu beteiligen.

Eine „Politik der Alttagsvernunft“ forderte Lars Bökenkröger. „Viele Bürger sind derzeit von den Entscheidungsprozessen abgehängt“, sagte der Kommunikationsexperte.

Mehr Augenmerk auf die Klimapolitik möchte Volker Brand lenken. „Dieser grundlegenden Menschheitsaufgabe müssen wir uns auch vor Ort stellen“, betonte der Pädagoge.

„Ich möchte den eingeschlagenen Weg weiter begleiten“, sagte Achim Wilmsmeier. Er verwies etwa auf den erfolgreichen Schuldenabbau in den fünf Jahren seiner ersten Amtszeit.

Wege in die Zukunft

„Um junge Fachkräfte in die Stadt zu holen, müssen wir gute Ausbildungs- und Wohnangebote schaffen“, sagte Volker Brand auf die Frage, wie er Bad Oeynhausen zukunftsfähig machen wolle.

Den Ausbau des Freizeit- und Kulturangebots sowie die Stärkung der Mobilität nannte Achim Wilmsmeier als weitere Ziele.

Er wolle einen Bürgercampus auf dem Inowroclaw-Platz schaffen, um dort mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, sagte Werner Birtsch.

Bei der Bildung will Henning Bökamp ansetzen: „Ich wünsche mir eine Taskforce, um die Digitalisierung in den Schulen und in den Unternehmen voranzutreiben.“

Auf bessere Rahmenbedingungen für Familien setzt Lars Bökenkröger: „Dazu gehört für mich unter anderem eine Verbesserung des Stadtbildes und der Sicherheit.“

In den zweieinhalb Stunden auf dem Podium waren die Bürgermeisterkandidaten durch durchsichtige Stellwände voneinander getrennt. Damit trugen die Veranstalter der Corona-Krise Rechnung.

In den zweieinhalb Stunden auf dem Podium waren die Bürgermeisterkandidaten durch durchsichtige Stellwände voneinander getrennt. Damit trugen die Veranstalter der Corona-Krise Rechnung. Foto: Malte Samtenschnieder

Kritische Äußerungen der Bürgermeisterkandidaten gab es zu ganz unterschiedlichen Themen. Henning Bökamp monierte, dass in Bad Oeynhausen seit 15 Jahren Kurangebote immer weiter abgebaut werden. „Wir müssen deshalb das Kernthema ‚moderne Kurstadt‘ neu in den Blick nehmen, damit wir Besuchern nicht durch schlechtes Marketing etwas versprechen, das gar nicht da ist.“

Zur Belebung der Innenstadt will Volker Brand nicht nur auf stationären Einzelhandel setzen: „Ich könnte mir dort weitere Startups wie die Schülerfirma der Europaschule vorstellen.“ Auch neue Veranstaltungsformate etwa ein Jazz- oder ein Kabarett-Festival seien denkbar. Und vielleicht gelinge ja sogar die Umsetzung einer Senioren-Universität.

In puncto Klimaschutz sieht Achim Wilmsmeier in den nächsten Jahren noch Luft nach oben. Ein wichtiger Erfolg sei zum 1. August mit der Einführung des 30-Minuten-Takts im gesamten innerstädtischen Busverkehr in Kombination mit einem Klimaticket gelungen. „Im Bereich Nahwärme sind wir aber noch nicht soweit, wie ich mir das wünsche.“

Kritik an der Verwaltung

Seine Kritik an der Verwaltung machte Werner Birtsch wiederholt am Bau des neuen Kombibades im Siel fest. Er sprach sich nicht nur gegen die aus seiner Sicht immer weiter ausufernden Kosten aus, sondern nahm auch ökologische Aspekte in den Blick. Werner Birtsch: „Hier wurden unnötig etliche Bäume weggehackt. Außerdem wird immer mehr zusätzliche Fläche versiegelt.“

Zur Eile mahnte Lars Bökenkröger im Hinblick auf den Rückbau der Mindener Straße/Kanalstraße. Es sei alarmierend, dass der Verkehr auf der Ortsdurchfahrt knapp drei Jahre nach der Freigabe der A30-Nordumgehung wieder zunehme, ohne dass die Stadt etwas dagegen unternehme. Lars Bökenkröger: „Wir dürfen die Chance nicht vertun, das Gesicht Bad Oeynhausens zu verändern.“

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