Bürgermeisterkandidat Werner Birtsch will die Bad Oeynhausener stärker einbeziehen
„Wir brauchen besseres Management“

Bad Oeynhausen  (WB). Fünf Kandidaten gehen bei der Bürgermeisterwahl am Sonntag, 13. September, in Bad Oeynhausen ins Rennen. Das WESTFALEN-BLATT stellt die einzelnen Bewerber vor. Im ersten Teil des Kandidatenchecks stellt sich Werner Birtsch (unabhängig) den Fragen von Redakteur Malte Samtenschnieder.

Freitag, 14.08.2020, 05:45 Uhr aktualisiert: 14.08.2020, 05:50 Uhr
Als unabhängiger Bürgermeisterkandidat hofft Werner Birtsch, das Rennen ums Bad Oeynhausener Rathaus am 13. September für sich zu entscheiden. Foto: Malte Samtenschnieder
Als unabhängiger Bürgermeisterkandidat hofft Werner Birtsch, das Rennen ums Bad Oeynhausener Rathaus am 13. September für sich zu entscheiden. Foto: Malte Samtenschnieder

Sie stellen sich als unabhängiger Bürgermeisterkandidat ohne den Rückhalt einer Partei zur Wahl. Was macht Sie zuversichtlich, am Ende dann auch zu gewinnen?

Werner Birtsch: Ich habe eine Agenda, die eindeutig auf den Bürger ausgerichtet ist. Der Bürger muss wieder stärker als bisher die Möglichkeit erhalten, seinen Willen klar zu machen. Danach muss der Stadtrat als Erfüllungsgehilfe Entsprechendes auch beschließen und darauf achten, dass es die Verwaltung umsetzt.

Was war die Initialzündung für Ihre Bürgermeisterkandidatur?

Birtsch: Ich interessiere mich schon irrsinnig lange für die Kommunalpolitik. Ich habe auch schon drei Jahre in der Wirtschaftsförderung in Bad Oeynhausen gearbeitet. Dadurch habe ich viele Einblicke von innen und außen gewonnen. Ich bin der Meinung, dass die Zusammenarbeit innerhalb des Rathauses früher besser funktioniert hat. Früher standen die Mitarbeiter in einem direkteren Austausch miteinander. Heute zieht sich jeder in sein Büro zurück. Hier möchte ich ansetzen. Ich möchte das Rathaus so umbauen, dass neue Kommunikationsräume für die Mitarbeiter entstehen, um den Austausch zu erleichtern.

In der Vergangenheit sind Sie wiederholt durch kritische Äußerungen zum Kombibad im Siel aufgefallen. Wie würden Sie nach Ihrer Wahl zum Bürgermeister mit diesem Projekt weiter verfahren?

Birtsch: Um das Bad habe ich tatsächlich schon gekämpft wie ein Löwe. Ich habe mich ja zum Beispiel dafür eingesetzt, dass wir die Bäume retten. Und dass wir die aus meiner Sicht perfekte Infrastruktur im Freibad erhalten. Die Sprungtürme hatten wir ja gerade erst saniert. Das große 50-Meter-Becken war noch top in Ordnung. Man hätte es zur weiteren Nutzung komplett mit Edelstahl auskleiden können. Diese Ideen habe ich schon vor zwei Jahren in meinen Konzept für ein Hybridbad zusammengefasst. Das wäre deutlich günstiger gewesen als das, was jetzt passiert.

Damit haben Sie meine Frage nicht beantwortet, sondern nur Ihre Kritik wiederholt. Deshalb noch einmal ganz deutlich: Würden Sie nach Ihrer Wahl den derzeit eingeschlagenen Weg für das Kombibad im Siel beibehalten?

Birtsch: Bislang ist ja außer dem Abriss noch nicht viel passiert. Für das Freibad würde ich das machen, was ich gerade beschrieben habe. Für das neue Hallenbad würde ich mich dafür stark machen, dass dort alles doch noch eine Nummer kleiner wird.

Dafür bräuchten Sie ja aber eine Ratsmehrheit. Sie könnten das ja nicht im Alleingang beschließen...

Birtsch: Das würde ich mit den Bürgern durchsetzen. Natürlich würde es heftige Diskussionen geben. Aber ich bin ja als Coach dafür da, das zu kanalisieren. Und was die Bürger wollen, muss der Rat dann am Ende umsetzen. Was bisher gelaufen ist, ist alles nebulös. Ich habe die Nase voll von der Unfähigkeit und dem Dilettantismus, der an den Tag gelegt wurde. Wir müssen eigene Expertise im Rathaus entwickeln. Wir brauchen ein besseres Projektmanagement.

Nun stecken wir ja derzeit in einer nicht so einfachen Zeit – mitten in der Corona-Krise. Wie würden Sie nach Ihrer Wahl mit den Folgen der Pandemie für Bad Oeynhausen umgehen?

Birtsch: Für uns bedeutet das vor allem einen wirtschaftlichen Abschwung. Denn die Anzahl der Corona-Infizierten ist zum Glück bei uns recht gering. Aber ich weiß, dass die Rezession tief greifend wird. Trotz der Unterstützung des Staates wird es sicher Insolvenzen geben. Und dadurch steigen die Sozialausgaben, etwa für Arbeitslosengeld oder Hartz IV. Das Thema kann man nicht als Kommune alleine lösen. Wir müssen aber daran arbeiten, dass wir für die Betroffenen individuelle Lösungen finden. Etwa für die Betriebe in der Innenstadt, die auf eine funktionsfähige Außengastronomie angewiesen sind. Dabei dürfen wir aber nicht mit dem Gießkannenprinzip vorgehen. Denn jeder Betrieb hat andere Voraussetzungen und Möglichkeiten. Auch dürfen wir nicht jedem alles erlauben.

Anderes Thema: Welche Visionen haben Sie für den Rückbau der Mindener Straße/Kanalstraße?

Birtsch: Der Radschnellweg ist Pflicht. Die Zweispurigkeit ist Pflicht. Und so viele Kreisverkehre wie möglich. Ich bin allerdings unzufrieden mit dem Tempo der Umsetzung. Wir könnten schon viel weiter sein. Aber das Problem ist, dass dem Technischen Beigeordneten Thomas Lüer nicht ausreichend Personal zur Verfügung steht. In der Vergangenheit hatten wir gute Leute. Viele arbeiten aber inzwischen in anderen Städten. Deshalb haben wir selbst nicht die ausreichenden Ressourcen für die Umsetzung derartiger Projekte und sind teueren externen Planern und Architekten ausgeliefert. Bei allem, was wir machen, müssen wir am Ende darauf achten, dass die Bürger zufrieden sind.

Haben Sie dazu auch eigene Ideen?

Birtsch: Man könnte auf dem Mittelstreifen der Ortsdurchfahrt eine Baumallee lang ziehen. Diese Baumallee könnte sich an einen Grüngürtel anschließen, der um die gesamte Innenstadt gezogen werden könnte. Dieser wäre zugleich eine Verbindung zum Mehrgenerationen-Sportpark, den ich gerne im Siel initiieren würde. Oder zum Bürgercampus, den ich gerne auf dem Inowroclaw-Platz hätte. Außerdem würde ich gerne den Süden mit Siekertal, Kurpark, Oeynhauser Schweiz und dem Grundstück der ehemaligen Kurverwaltung als Wellnessbereich stärken – mit der Bali-Therme als Leuchtturm.

Wie bekommen Sie es denn hin, dass auch die Bali-Therme mitspielt? Das Bad ist ja derzeit coronabedingt weiterhin geschlossen...

Birtsch: Indem ich mich mit dem Chef zum Gespräch hinsetze. Ich muss ja erst mal herausfinden, wo die Probleme konkret liegen, um dann meine Hilfe anbieten zu können. Meistens gibt es am Ende immer einen Kompromiss.

Von der Bali-Therme ist es nicht weit bis in die Innenstadt. Wie schaffen Sie es, dass der Einzelhandel nicht weiter zurückgeht?

Birtsch: Wir müssen die Innenstadt komplett neu denken. Dabei müssen wir auch den Werre-Park mit einbeziehen. Anstatt auf Konfrontation zu gehen, könnten Innenstadt und Werre-Park ja auch wechselseitig für die Angebote des anderen werben. So hätten beide Seiten etwas davon.

Läuft denn im Werre-Park alles super?

Birtsch: Der Werre-Park muss besser grün angebunden werden. Das wird dann später beispielsweise auch über den Radschnellweg passieren. Man könnte zudem gemeinsame Veranstaltungen machen. Dadurch könnten sich beide Seiten befruchten.

Wie könnte Ihre künftige Strategie zu Tourismus und Gesundheit aussehen?

Birtsch: Konzepte gibt es ja bereits viele. Aber ich bin für einen Neustart. Ich würde erst mal schauen, was die Bürger brauchen. Dabei würde ich mich auf jüngere und ältere Menschen konzentrieren. Hinter dem Verkehrshaus könnte ich mir zum Beispiel ein Boulefeld vorstellen. Einen Spielplatz gibt es dort ja bereits. Außerdem brauchen wir dort Bänke, die sich gegenüberstehen. So können die Leute, die dort sitzen, auch ins Gespräch kommen.

Nun kommen wir noch zu einem letzten Thema: Wie ist es aus Ihrer Sicht um die Digitalisierung – etwa in den Schulen – in Bad Oeynhausen bestellt?

Birtsch: Coronabedingt gab es ja vor den Ferien viel Homeschooling. Auf die Dauer führt aus meiner Sicht am Präsenzunterricht aber kein Weg vorbei. Doch auch dafür müssen die Voraussetzungen passen. Dazu müssen wir in die Schulen hinein und uns dort erkundigen, was fehlt. Und nicht nur das. Wir müssen auch die zur Verfügung stehenden Fördergelder für die Digitalisierung in Anspruch nehmen. Wir brauchen neben dem Frontalunterricht zudem viel mehr Möglichkeiten, dass die Schüler sowohl digital als auch experimentell Dinge ausprobieren können.

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