Gäste von der Show im Bad Oeynhausener Varieté-Theater des GOP-Kaiserpalais begeistert
Absolventen bitten zum Tanz

Bad Oeynhausen (WB). Im März mussten die Proben unterbrochen werden, Spielstätten ihre Vorstellungen absagen – Corona hatte die Vorbereitungen für die Tournee der Absolventenshow der Staatlichen Artistenschule Berlin ziemlich durcheinandergebracht und die neun mitwirkenden Künstler auf eine emotionale Achterbahnfahrt geschickt. Die Freude, endlich wieder vor Publikum auftreten zu dürfen, war den Talenten bei ihrer Show „Kontraste“ im GOP-Varieté im Kaiserpalais daher deutlich anzusehen.

Samstag, 15.08.2020, 06:02 Uhr aktualisiert: 15.08.2020, 06:10 Uhr
Nicht selten sind bei „Kontraste“ alle Absolventen der Staatlichen Artistenschule Berlin gleichzeitig auf der Bühne zu sehen. Wie etwa hier, während Jannis-Arsène Kölling auftritt. Foto: Lydia Böhne
Nicht selten sind bei „Kontraste“ alle Absolventen der Staatlichen Artistenschule Berlin gleichzeitig auf der Bühne zu sehen. Wie etwa hier, während Jannis-Arsène Kölling auftritt. Foto: Lydia Böhne

Die Tatsache, dass die Show bereits mehrere Wochen im Voraus ausgebucht war, zeigte aber auch, wie groß die Vorfreude auf beiden Seiten war. Mit einem herzlichen Applaus empfingen die Besucher im ausverkauften Saal die Nachwuchskünstler. Erst Anfang Juni hatten sie an der Staatlichen Artistenschule Berlin nach mehrjähriger Ausbildung ihre Abschlussprüfung absolviert.

Die Künstler als frisch gebackener Teil der „Artisten-Familie“ zu begrüßen, darüber freute sich auch Christoph Meyer, Direktor des GOP-Varietés im Kaiserpalais. „In ein paar Jahren werden Sie sie in unseren Shows sehen“, sagte Meyer an das Publikum gewandt.

Seit fast zwölf Jahren gehört ein Stopp in der Kurstadt fest zum Tourneeplan der Absolventenshow, die zum dritten Mal unter der Regie von Karl-Heinz Helmschrot konzipiert worden war. Begonnen hatte die insgesamt 16. Auflage dieses Formates in diesem Jahr mit einer Premiere am 5. August in Herborn.

Für die Artisten ist die Absolventenshow aber nicht nur eine Kür ihrer jahrelangen Ausbildung, sie dient auch dazu, sich als Nachwuchskünstler zu präsentieren, um neue Engagements zu erhalten und sich auf dem Markt zu etablieren. Ausgefallene Events, auf Eis gelegte Shows und geschlossene Spielstätten erschweren den Einstieg in Zeiten der Pandemie.

Dass die Welt aber nicht ausschließlich düster ist, sondern Licht die Schattenseiten erhellt, macht nicht nur der Showtitel „Kontraste“ deutlich. Zur Verdeutlichung tauchten immer wieder zwei Türen mit einer hellen und einer dunklen Seite als Requisit auf. Denn auch in Krisenzeiten gilt: Wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine neue.

Vielfalt des Varietés

Zunächst hob sich allerdings der Vorhang und gab den Blick auf Tim Höfel an einem winzigen Klavier frei. Der Artist zeigte neben seinem musikalischen Talent auch eine rasante Nummer mit seinem BMX-Rad. Vorwärts, rückwärts oder seitwärts – fast schien es, als sei Höfel mit seinem Rad verschmolzen. Auf diese actiongeladene Show folgte eine reduzierte Darbietung von Jasper Mauritius Deininger.

Beeindruckende Körperspannung hielt den Berliner mit Hilfe der Strapaten bei seiner Artistik in der Luft. Hoch her ging es auch beim Auftritt von Marie Schaarschmidt, die ihre Darbietungen am Aerial-Dance-Silk und dem Lyra-Pole selbst choreografiert hatte. Im Spannungsfeld zwischen dynamisch und flexibel sowie ruhig und emotional bewegte sich Luzie Marschke am Luftring und bei ihrer Aerial Hoop-Darbietung. Die Symbiose aus Tanz, Bewegung und Musik waren der Schlüssel beim Trapez-Auftritt von Lenya Lev, die zeitweise nur wenige Meter unter der Bühnendecke schwebte.

Wieder am Boden faszinierte Jongleur Adrian Grzymkowski das Publikum mit einer schwebenden Kugel und einer Bandbreite der Jonglier-Techniken. Wer die umherwirbelnden Bälle nicht aus den Augen verlieren wollte, musste ganz genau hinschauen. Partnerakrobatik mit humoristischen Elementen vereinte das Duo Kraoul. In völliger Anspannung des Körpers fanden Karim El Nakib und Raoul Rogula sogar noch Zeit für eine kleine Partie Schere-Stein-Papier.

Die beeindruckende Schlussnummer gestaltete Jannis-Arséne Kölling. Als wären Equilibristik und Mast-Akrobatik nicht schon effektvoll genug, hatte der Artist seine Spinning Sticks zusätzlich auf einer rotierenden Platte befestigt, um sich bei den waghalsigen Figuren auch noch um sich selbst zu drehen.

Kreativität, Facettenreichtum und Ausstrahlung – kein Wunder, dass das Publikum nach der Show nicht genug von den Künstlern bekommen kann. Selbst als die Schlussverbeugung erfolgt und sich der Vorhang bereits wieder gesenkt hat, applaudieren die GOP-Gäste weiter, nur um die Künstler noch einmal hervorzubitten und zu beklatschen.

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