„Kulturbühne“ – Folge 8: Kantorei an der Auferstehungskirche
„Chorgefühl durch nichts zu ersetzen“

Bad Oeynhausen (WB). Was macht einen „guten Chor“ aus? Auf diese Frage hat Kantor József Opicz eine eindeutige Antwort: „Mehr noch als die Technik sind es das Zusammenklingen, die Vielfalt und die ‚Schwingung‘ des Ganzen.“ Aber genau das scheint das Schwierigste angesichts streng reglementierter Arbeitsbedingungen für die Kantorei der Altstadtgemeinde. Doch die rund 90 Mitglieder lassen sich nicht unterkriegen. Ihr starker Zusammenhalt trägt sie durch die Corona-Krise – und lässt sie sogar Chancen auf eine neue Dimension von Kirchenmusik erkennen.

Donnerstag, 27.08.2020, 20:08 Uhr aktualisiert: 27.08.2020, 20:12 Uhr
Es ist am Dienstag die erste gemeinsame Probe seit dem Shutdown im März: Die Mitglieder der Kantorei, im Bild einige der Sängerinnen und Sänger, haben sich mit vorgeschriebenem Abstand zum Open-Air-Singen vor der Wandelhalle eingefunden. Foto: Gabriela Peschke
Es ist am Dienstag die erste gemeinsame Probe seit dem Shutdown im März: Die Mitglieder der Kantorei, im Bild einige der Sängerinnen und Sänger, haben sich mit vorgeschriebenem Abstand zum Open-Air-Singen vor der Wandelhalle eingefunden. Foto: Gabriela Peschke

Es ist die erste gemeinsame Probe seit dem Shutdown im März: Die Mitglieder der Kantorei haben sich zum Open-Air-Singen vor der Wandelhalle eingefunden, erwartungsvoll. Wie wird sich das anfühlen – nach monatelangem Probeverbot? Nach mühsamen Digital-Tutorials zum Stimmtraining und nach einer „stummen“ Saison ohne Sommerkonzert?

Schwierige Zeiten

Kantor József Opicz hat es sich nicht leicht gemacht, seine Sänger durch die schwierige Zeit der strengen Corona-Auflagen zu führen. „Ich habe Videos gedreht und verschickt, damit man zuhause üben konnte“, erzählt der 31-Jährige. Aber nicht jeder Sänger konnte sich mit ZOOM-Conferencing oder mit Messenger-Diensten arrangieren. „Ich hatte Sorge, ob wir in dieser Zeit Sänger verlieren würden, weil sie den Anschluss verpassen“, gibt der Kantor zu. Doch glücklicherweise habe sich das nicht bestätigt. „Die Verbundenheit ist enorm. Viele haben untereinander Kontakt gehalten und sich gegenseitig motiviert, dabei zu bleiben“, berichtet er.

Inzwischen sind die Bedingungen gelockert, Singen auf Abstand ist wieder erlaubt. Allerdings: „Bei mehreren Metern Entfernung zueinander ist es kaum möglich, genau auf die anderen Stimmen zu hören“, weiß Opicz. Neben dem korrekten Klang bleibt dabei auch das Atmosphärische auf der Strecke. Denn die „musikalische Wucht“ einer großen Chorpartie lebe unter anderem „von der Dichte“, ist der Kantor überzeugt.

Reformations-Konzert fällt aus

Leider muss auch das geplante Reformations-Konzert coronabedingt ausfallen. 120 Sänger, nämlich die Altstadt-Kantorei und ein Gastchor aus Ungarn, wollten mit Mendelssohn und Rutter zum 31. Oktober ein festliches Klangerlebnis bieten. „Wir werden auf eine kleine Besetzung aus Solisten reduzieren, die den Gottesdienst begleiten“, gibt sich Opicz dennoch zuversichtlich.

Abstandsregeln, Aerosole, Lüftungsauflagen im Kirchraum – das sind die ständigen Themen, die der Chorleiter auf dem Schirm hat. „Einige Experten sagen, Singen könne durchaus ‚gefährlich‘ sein“, räumt József Opicz ein. Doch für ihn steht fest: „Für die meisten aus dem Chor ist es weit mehr als Hobby. Es ist Gemeinschaft, Lebensgefühl und Sinnversprechen.“ Singen sei auch ein Ventil gegen Stress und Ängste – gerade auch zur Corona-Zeit.

Positive Stimmung halten

Deshalb setzt er alles daran, die positive Stimmung in der Kantorei zu halten und den Weg nach vorn zu öffnen. „Wir erarbeiten ein neues Programm“ stellt er in Aussicht, jedoch ohne nähere Details schon nennen zu können. Das alles sei nur möglich, weil der Förderverein der Kantorei den Rücken stärke, freut sich ihr Leiter. Und er hofft, dass die Gemeinde sich auch hier wieder mitnehmen lässt. „Aktuell haben wir den liturgischen Gesang im Gottesdienst wiederentdeckt, der früher in der Kirchenmusik ganz selbstverständlich war“, freut er sich. Zurück zu den Wurzeln also. Diese Veränderung sei durchaus ein Verdienst von Corona, wie er findet. Und formuliert es so: „In jeder Aufgabe steckt auch ein Geschenk.“

Kategoie: „ehrenamtliche Kunst auf Vereinsebene“

Im Rahmen der Reihe „Kulturbühne“ sind bislang diese Beiträge erschienen:

Vorhang auf für die Kulturbühne

Folge 1: Bildhauerin Astrid Mulch

Folge 2: Theatergruppe Newcomers

Folge 3: Quartettverein Bad Oeynhausen

Folge 4: Violinistin Veronika Bejnarowicz

Folge 5: Kleines Theater Rehme

Folge 6: Handstand-Artist Sven Böker

Folge 7: Flechtwerkgestalterin Kerstin Eikmeier

 

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