„Kulturbühne“ – Folge 9 – Heute: „The Last Action Heroes“
„Corona hat uns erst hungrig gemacht“

Bad Oeynhausen (WB). Sie tanzen nicht, sie performen. Das bedeutet: Zu knackigen Staccato-Sounds zeigen Breakdancer akrobatische Übungen, bei denen einem der Atem stockt. Doch die Helden bleiben dabei ganz cool: „Der Spaß an der Sache ist das Wichtigste“, sagt Evgenij Zotov. Er ist Tänzer aus der Truppe „The Last Action Heroes“. Die Formation hat für Bad Oeynhausen in den Vorjahren an der Weltspitze bereits ordentlich abgeräumt. Doch aktuell steht der Dancefloor unter dem Corona-Bann.

Donnerstag, 03.09.2020, 10:14 Uhr aktualisiert: 03.09.2020, 10:18 Uhr
Üben „open air" vor der Wandelhalle im Bad Oeynhausener Kurpark: die Breakdancer (von links) Alyssa Schnalke, Roman Epp, Reza Jaxon, Huy Tran und Evgenij Zotov (Ezzy). In der Mitte zeigt Dennis Fabrizius eine Breakdance-Figur. Foto: Gabriela Peschke
Üben „open air" vor der Wandelhalle im Bad Oeynhausener Kurpark: die Breakdancer (von links) Alyssa Schnalke, Roman Epp, Reza Jaxon, Huy Tran und Evgenij Zotov (Ezzy). In der Mitte zeigt Dennis Fabrizius eine Breakdance-Figur. Foto: Gabriela Peschke

„Das Warten hat uns aber erst recht hungrig gemacht“, meint Evgenij in diesem Zusammenhang, der in der Truppe schlicht „Ezzy“ heißt. Klar, dass es im Moment keine Championships gibt. „Corona muss man schon ernst nehmen“, kommentiert er den Slow-down der Szene. Also aktuell kein Kräftemessen unter den besten Handhoppern, Headspinnern oder Flare-Performern. Das sind die Übungen, bei denen man sich fragt, wie es um die Schwerkraft dieser jungen Akrobaten bestellt ist, wenn sie im Kopfstand kreiseln, im Handstand über die Tanzfläche springen oder gar waagerecht den Rumpf zwischen den aufgesetzten Armen ausbalancieren. Wo selbst das Zuschauen ein Abenteuer ist, da ist das Mitmachen offenbar das reinste Vergnügen: Die Jungs und Young Ladies zwischen 15 und 35 Jahren trainieren fünfmal pro Woche, jeweils drei Stunden, „um absolut perfekt zu sein“, wie Ezzy erklärt. Und das hat sich bisher ausgezahlt: mehrere Welt- und Europameister-Titel in Folge, Auftritte rund um den Globus.

„Made in Bad Oeynhausen“

All das „made in Bad Oeynhausen“: Im Vorjahr hat die Formation zehnjähriges Bestehen gefeiert. Ursprünglich geht sie sogar zurück auf die tanzaktiven Brüder Huy und Quang Tran, die im Haus der Jugend mit ihren coolen Moves immer mehr Freunde fanden – bis die Crew 2009 komplett war. Seither hält sie fest zusammen – auch wenn es derzeit keine Auftritte gibt. Denn seitdem das Event „Heroes of the Future“ im März abgesagt und das legendäre „Monument Battle“ voraussichtlich auf 2021 verschoben ist, gab es keine einzige Tanzshow. „Wir können aber nicht einfach die Füße still halten“, scherzt Ezzy. Denn auch wenn dafür kein Geld in die Kasse kommt, weitergemacht wird trotzdem. Zumindest im Trainingsraum. Denn vielleicht startet im Herbst ja doch das heimische Tanzevent „BO rocks“.

Jugend motivieren

Doch auch eine andere Option steht zur Corona-Zeit hoch im Kurs bei den Breakdancern: nämlich die Jugend zu motivieren. „Wir unterrichten in der offenen Jugendarbeit der Stadt“, berichtet Ezzy. Auch für das Projekt „Kulturrucksack“ engagiert sich das Ensemble, organisiert Ferienspiele und Workshops in Schulen und Jugendzentren. „Wir wollen dem Nachwuchs zeigen, was Breakdance für eine tolle Sache ist“, haben sich die Tänzer vorgenommen. Ganz nebenbei lassen sie die interessierten Newcomer auch erleben, wie bunt es in der Crew zugeht: Aus dem Iran und Afghanistan, aus Österreich und Kasachstan, aus Russland, Griechenland und Deutschland ist das Tanz-Team zusammengemixt. Da kommt man prima miteinander klar, da gibt es keine Ausgrenzung, kein Mobbing. Der Spaß am Sport verbindet alle Nationalitäten, da ist sich Ezzy sicher. Er selbst ist vor 18 Jahren nach Deutschland gekommen und hat über das Tanzen Freunde und Halt gefunden. „Das gebe ich jetzt an andere weiter“, sagt er stolz.

„Wilde Seiten von Ostwestfalen“

Deshalb sind die Corona-bedingten Einschränkungen für das Tanz-Team auch nicht wirklich eine kreative Krise. Denn es wird weitergehen, vielleicht besser als zuvor, hofft Ezzy. Top trainiert und mit neuen Ideen. Vor allem aber im Vertrauen darauf, dass „The Last Action Heroes“ weiterhin die „wilden Seiten von Ostwestfalen“ repräsentieren werden, wie der WDR es in einer Fernsehreportage genannt hat. Denn die werden „nicht stillgelegt“ durch Corona, da sind sich alle ganz sicher.

Kategorie: „Nachwuchs“

Im Rahmen der Reihe „Kulturbühne“ sind bislang diese Beiträge erschienen:

Vorhang auf für die Kulturbühne

Folge 1: Bildhauerin Astrid Mulch

Folge 2: Theatergruppe Newcomers

Folge 3: Quartettverein Bad Oeynhausen

Folge 4: Violinistin Veronika Bejnarowicz

Folge 5: Kleines Theater Rehme

Folge 6: Handstand-Artist Sven Böker

Folge 7: Flechtwerkgestalterin Kerstin Eikmeier

Folge 8: Kantorei an der Auferstehungskirche

Anrufen und GOP-Karten gewinnen

Sie möchten im Rahmen der „Kulturbühne“ „The Last Action Heroes“ Ihre Stimme geben? Dann rufen sie bis Sonntag, 6. September 2020, über die Gewinn-Hotline 01379/883007 (0,50 €/ Anruf dt. Festnetz, ggf. andere Mobilfunkpreise) an. Unter allen Anrufern werden ein Mal zwei Karten für den Besuch einer Vorstellung im GOP-Varieté verlost. Es hat nach einer Corona-Zwangspause den Spielbetrieb am 24. Juli 2020 wieder aufgenommen.

Der Rechtsweg ist bei der Aktion ausgeschlossen.

 

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7564592?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516044%2F
Anklage fordert zehn Jahre Haft
Seit Dezember müssen sich Ismet A. (32, vorne) und sein Bruder Ferhan (34) vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Bielefeld verantworten. Die Staatsanwaltschaft will sie für zehn beziehungsweise neuneinhalb Jahre hinter Gittern sehen. Foto: David Inderlied
Nachrichten-Ticker