Bürgermeisterkandidat Lars Bökenkröger (CDU) will Bad Oeynhausen voranbringen
AfD-Zusammenarbeit? Ausgeschlossen!

Bad Oeynhausen  (WB). Fünf Kandidaten gehen bei der Bürgermeisterwahl am Sonntag, 13. September, in Bad Oeynhausen ins Rennen. Das WESTFALEN-BLATT stellt die einzelnen Bewerber vor. Im vierten Teil des Kandidatenchecks beantwortet Lars Bökenkröger (CDU) die Fragen von Redakteur Malte Samtenschnieder.

Freitag, 04.09.2020, 05:00 Uhr
Als Bürgermeisterkandidat der CDU hofft Lars Bökenkröger, das Rennen um das Bad Oeynhausener Rathaus am 13. September für sich zu entscheiden. Foto: Malte Samtenschnieder
Als Bürgermeisterkandidat der CDU hofft Lars Bökenkröger, das Rennen um das Bad Oeynhausener Rathaus am 13. September für sich zu entscheiden. Foto: Malte Samtenschnieder

Sie treten bei der Bürgermeisterwahl am 13. September an, um Achim Wilmsmeier (SPD) abzulösen. Wie würde sich Ihre Amtsführung von der des Amtsinhabers unterscheiden?

Lars Bökenkröger: Wir brauchen einen Bürgermeister, der ganz klar sagt: Wo stehen wir? Und wo wollen wir hin? Nehmen Sie zum Beispiel das Sielbad. Das ist sicherlich ein gutes Projekt. Aber so ganz rund läuft es bei diesem Thema nicht. Keiner weiß genau, wie viel das neue Kombibad am Ende kosten wird. Nach der Beschlussfassung wurden plötzlich alle möglichen Bäume gefällt. Ich glaube, man hätte die Bürger früher in die Planungen mit einbeziehen müssen und nicht erst am Ende, wenn eigentlich alles schon eingestielt ist.

Ist das ein Einzelfall?

Bökenkröger: Mir drängt sich der Eindruck auf, dass der Bürgermeister den Überblick verloren hat, wie viele Projekte es eigentlich gibt. Ich glaube, alleine zum integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept gehören etwa 30 Teilprojekte. Ein Riesenprojekt ist der Rückbau der Mindener Straße/Kanalstraße. Hier weiß niemand, wie der aktuelle Planungsstand ist, geschweige denn, wie – und vor allem auch wann – es weitergehen soll. Dazu sind aus meiner Sicht regelmäßige Gespräche mit dem zuständigen Ministerium in Düsseldorf nötig. Das reicht mir im Moment nicht aus.

Was würden Sie im Hinblick auf die Ortsdurchfahrt als Bürgermeister anders machen?

Bökenkröger: Das Projekt müsste aus meiner Sicht zur Chefsache werden. Sollte ich die Bürgermeisterwahl gewinnen, würde ich schnellstmöglich den Kontakt zu NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst suchen, um bezüglich Fördermöglichkeiten voranzukommen. Unser Ziel muss es sein, den Rückbau der Mindener Straße/Kanalstraße und den Bau des Radschnellwegs möglichst gut zusammenzubekommen. Aus meiner Sicht macht diese Kombination Sinn, weil sich daraus viele Synergien ergeben. Die vorhandene Planung muss sicher hier und da noch optimiert werden, aber wir sollten jetzt so schnell wie möglich in die Umgestaltung einsteigen. Das ist eine echte Chance für die Stadt, ihr Gesicht zu verändern und entlang der Ortsdurchfahrt neue Impulse zu setzen.

Ein weiteres Leuchtturmprojekt des amtierenden Bürgermeisters ist der Umbau der Grundschule Eidinghausen...

Bökenkröger: Das Projekt an sich ist nicht verkehrt. Mein Eindruck ist aber, dass dafür in der Breite viel vernachlässigt wird. Wenn man sich einige andere Grundschulen anschaut, erkennt man, dass dort seit Jahren nichts passiert ist. Ein Beispiel ist die Grundschule in Werste. Dort ist wenig investiert worden. Eine energetische Sanierung hat dort bis heute nicht stattgefunden, geschweige denn, dass die dringend benötigte Mensa umgesetzt wurde. Hier liegt einiges im Argen.

Gibt es weitere Leuchtturmprojekte, die Ihnen missfallen?

Bökenkröger: Man möchte zum Beispiel mit Hilfe des Förderprogramms für Dritte Orte ein Kulturzentrum im Bereich des Begegnungszentrums Druckerei umsetzen. Warum stärkt man nicht stattdessen die Kultur in der Breite? Wir haben doch bereits gute Kultureinrichtungen in der Stadt. Das Gleiche gilt für den Sportbereich. Man hat da möglichst große Projekte versucht, beispielsweise im Schulzentrum Süd. Aber wir schaffen es nicht mal, einzelne Sportstätten in Bad Oeynhausen in Stand zu halten. Aus meiner Sicht brauchen wir nach der Wahl einen Kassensturz. Dabei müssen wir auch genau hinschauen, ob wir all die Fördermittel, die wir einplanen, auch erhalten. Der Solegarten ist ja zum Beispiel gefloppt, weil die zugesagte Förderung gar nicht geflossen ist.

Welche Priorität hat für Sie das Thema „Digitalisierung“?

Bökenkröger: Das Thema „Digitalisierung“ hat durch Corona an Dynamik gewonnen. Die Pandemie hat uns vor Augen geführt, dass unsere Schulen um einiges digitaler werden müssen. Dafür reicht es nicht, die Schüler mit passenden Endgeräten auszustatten. Wir brauchen zum einen die entsprechende Infrastruktur, etwa schnelles Internet, zum anderen müssen wir auch die Lehrkräfte entsprechend fit machen. Da muss viel mehr passieren. Das ist kein kurzer Trend. Das ist ein Thema, das uns in den nächsten Jahren stark begleiten wird.

Amtsinhaber Achim Wilmsmeier hat zum Beginn seiner Amtszeit die Ausarbeitung und Umsetzung eines Tourismuskonzepts zur Chefsache gemacht. Eine zentrale Maßnahme ist der schon genannte Solegarten. Würden Sie diesen Kurs als Bürgermeister fortsetzen?

Bökenkröger: Der Gesundheitstourismus ist eins der Topthemen in den nächsten Jahren. Er hat ja Bad Oeynhausen groß und stark gemacht. Unsere Wurzel – Sole zu erleben – ist das, was wir künftig besser umsetzen müssen. Und das nicht nur durch einen Solegarten, wo ein bisschen Wasser über einen Stein plätschert. Wir brauchen stattdessen andere innovative Angebote. Damit müssen wir neue kaufkräftige Zielgruppen ansprechen und auch jüngere Leute in den Blick nehmen, die zum Beispiel mit Depression oder Burnout zu tun haben. Wir können Kultur, Wandern und Gesundheit kombinieren. Und dabei kann die Sole ein weiterer Baustein sein. Dafür reichen für mich zwei Wannen für Solebäder im Badehaus II nicht aus. Stattdessen könnte ein wieder mit Sole betriebener Jordanspudel in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle spielen. Er ist ja das Wahrzeichen unserer Stadt.

Wie sollte denn aus Ihrer Sicht mit dem maroden Gradierwerk verfahren werden?

Bökenkröger: Für mich gehört auch ein Gradierwerk zur Stadt Bad Oeynhausen dazu. Auch hier sollten wir unsere Identität und Historie nicht vernachlässigen. Heutzutage gibt es für Gradierwerke architektonisch ganz neue Möglichkeiten, die gar nicht so teuer sind. Für uns als CDU wäre ja das Grundstück der alten Kurverwaltung ein denkbarer Standort, weil es auf der Verbindung zwischen Kurpark und Oeynhauser Schweiz liegt. Im Siel würde ich es nicht belassen. Als Tourismusmagneten würde ich den Standort des neuen Gradierwerks Richtung Kurpark verlegen. Den Siel sehe ich stärker als Sport- und Freizeitpark.

Welche Zukunft sehen Sie für die derzeit coronabedingt geschlossene Bali-Therme?

Bökenkröger: Die Stadt muss sich engagieren, damit die Einrichtung fortbesteht. Da sehe ich auch in erster Linie den Bürgermeister in der Pflicht, dass er intensive Gespräch mit den Betreibern führt. Die Bali-Therme liegt im Kurgebiet. Und da kann man aus meiner Sicht als Bürgermeister einfordern: „Wir brauchen das.“ Die Bali-Therme hat eine Schlüsselfunktion. Wenn sie nicht funktioniert, brauchen wir nicht über die Zukunft unseres Gesundheitsstandortes nachzudenken. Es müssen alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, damit die Bali-Therme schnellstmöglich wieder geöffnet wird. In diesem Kontext muss auch über Zuschüsse seitens der Stadt gesprochen werden.

Wie würden Sie den nicht erst seit der Corona-Krise gebeutelten Einzelhandel in der Innenstadt stärken?

Bökenkröger: Dazu brauchen wir einen Strauß von Maßnahmen. Neues Pflaster reicht nicht aus. Schlüsselimmobilien wie der Königshof müssen schnellstmöglich wieder betrieben werden. Wir brauchen gute Fachhändler und ein gutes Gastroangebot sowie einen vernünftigen Mix aus Wohnen und Geschäften. Wir müssen – zusammen mit den Einzelhändlern – neue Impulse setzen.

Nun noch zu einem ganz anderen Thema: Sie sind durch eine Kampfabstimmung zur Bürgermeisterkandidatur gekommen. Dabei ist die vom CDU-Vorstand favorisierte Kandidatin unterlegen. Genießen Sie inzwischen den Rückhalt des kompletten CDU-Stadtverbandes?

Bökenkröger: Die Partei ist geschlossen und sehr motiviert, jetzt einen Wechsel in Bad Oeynhausen herbeizuführen. Das ist das, was die CDU ausmacht: Man streitet sich, rauft sich wieder zusammen und hat dann das gemeinsame Ziel vor Augen, als CDU auch endlich wieder eine Gestaltungsmehrheit in Bad Oeynhausen zu erlangen und das unsägliche ehemalige Fünfer-Bündnis abzulösen, was im Grunde genommen nur noch ein restliches Linksbündnis ist.

Würden Sie jenseits der Bürgermeisterwahl eine Zusammenarbeit mit der AfD eingehen, um die Gestaltungsmehrheit im Rat der Stadt Bad Oeynhausen zu erlangen?

Bökenkröger: Eine Zusammenarbeit mit der AfD schließe ich aus. Ich sehe aber durchaus bei einigen Themen Schnittmengen mit den Grünen oder mit der FDP. Da gäbe es sicherlich auch Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit.

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