Amtsgericht verhängt neun Monate Haft auf Bewährung – Spielsucht als Tatauslöser
Ex-Kundenberater veruntreut 28.000 Euro

Bad Oeynhausen/Herford (WB/wa). Wegen gewerbsmäßiger Veruntreuung musste sich am Montag ein 27-jähriger Mann aus Werther vor dem Amtsgericht Bad Oeynhausen verantworten. Als ehemaliger Bankangestellter in einer Bad Oeynhausener Filiale hatte er 28.000 Euro von mehreren Konten zu seinen Gunsten einbehalten.

Dienstag, 08.09.2020, 07:38 Uhr aktualisiert: 08.09.2020, 09:20 Uhr
Vor dem Amtsgericht in Bad Oeynhausen musste sich der 27-jährige ehemalige Bankangestellt wegen gewerbsmäßiger Veruntreuung verantworten. Foto: Sonja Gruhn/Archiv
Vor dem Amtsgericht in Bad Oeynhausen musste sich der 27-jährige ehemalige Bankangestellt wegen gewerbsmäßiger Veruntreuung verantworten. Foto: Sonja Gruhn/Archiv

Der Fall kam ins Rollen, nachdem sich der Mann selbst angezeigt hatte. Wie das Gericht feststellte, hatte der Mann seine Position als Kundenberater genutzt, um von den Konten zweier Kundinnen mehrere Beträge zwischen 2500 und 7500 Euro an sich selbst anzuweisen. Dabei hatte er in sieben Fällen zwischen Juli 2019 und Januar 2020 Belege für Bargeldauszahlungen verwendet und für diese die Unterschriften der beiden Frauen gefälscht. Insgesamt handelte es sich um eine Summe von 28.000 Euro.

„Es tut mir unfassbar leid“

Glaubhaft für alle Verfahrensbeteiligten äußerte der Mann seine Fassungslosigkeit über die Vorgänge. „Es tut mir unfassbar leid“, beteuerte er. Aus familiären Gründen „war ich in einer Lebenskrise und habe falsche Entscheidungen getroffen“. Aus seiner Krise habe er sich in Spiele für Online-Wetten eingeloggt, bei denen „ich in Räume eintauchen konnte, in denen alles“ – anders als in seinem derzeitigen Leben – „nach Plan lief“.

Ihr Mandant sei von der Bank angesprochen worden, erklärte die Verteidigerin. „Das war der Auslöser zu mir zu kommen“, erklärte sie. Mit ihrem Mandanten habe sie dann die Selbstanzeige auf den Weg gebracht. Seine Spielsucht sei „absolut kein Thema mehr“, beteuerte der Angeklagte, diesbezüglich habe er professionelle Hilfe in Anspruch genommen. Keinesfalls sei diese schon zu Ende, betonte er, „es ist ein langer schwerer Weg.“ Auch das Geld habe er den Geschädigten bereits zurückerstattet, den Betrag dafür „habe ich mir von meiner Familie geliehen“.

Beschwerden aus dem Kundenkreis

Nach Beschwerden der Kundinnen sei man dem Angestellten auf die Spur gekommen, erklärte ein 48-jähriger Mitarbeiter des Bankhauses. Eine der Frauen „hatte sich beschwert, 18.500 Euro an Buchungen nicht vorgenommen zu haben.“ Daraufhin habe man zeitliche Abfolgen bei Zahlungseingängen auf dem Konto des Beschuldigten mit jenen Konten der Geschädigten verglichen. „Als wir den Druck erhöht haben“, habe der Mann am Ende des Telefonats „im Nachhinein zugegeben“, dass er „die ausstehenden Beträge ausgleichen möchte“.

Von „einer Verfehlung im Leben, das sonst gerade verlief“, sprach daraufhin die Verteidigerin. Eine kriminelle Energie wollte sie nicht erkennen, „denn bei dieser Summe war klar, dass das irgendwann herauskommt.“

Beschuldigter zeigt Reue

Dieser Einschätzung folgte Amtsrichter Dr. Cornelius allerdings nicht. Gezielt habe sich der Mann Konten ausgesucht, „auf denen wenig Bewegung war.“ Die Tat sei als „kriminell“ und gewerbsmäßige Untreue zu werten, da der Beschuldigte das Geld nutzte, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Als glaubhaft wertete Dr. Cornelius aber die Reue des Angeklagten und blieb in seinem Strafmaß zwei Monate unter jenem, das die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Der 27-Jährige habe nicht nur professionelle Hilfe in Anspruch genommen und in einem anderen Beruf eine Festanstellung gefunden. Zudem sei er nicht vorbestraft und wieder auf einem „sehr, sehr guten Weg“.

Neun Monate Haft zur Bewährung setzte Dr. Cornelius als Urteil fest. Zudem erlegte er dem Mann 80 Stunden gemeinnützige Arbeit auf. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7572368?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516044%2F
Anklage fordert zehn Jahre Haft
Seit Dezember müssen sich Ismet A. (32, vorne) und sein Bruder Ferhan (34) vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Bielefeld verantworten. Die Staatsanwaltschaft will sie für zehn beziehungsweise neuneinhalb Jahre hinter Gittern sehen. Foto: David Inderlied
Nachrichten-Ticker