Landwirt André Kölling lädt CDU-Politiker zum Gespräch im Stall
Bauern wünschen sich weniger Bürokratie

Bad Oeynhausen (WB). Im Süden Bad Oeynhausens gibt es nur einen landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieb: den Bauernhof von André Kölling und seinen Söhnen. Am Samstag wurde er von Politikern der CDU besucht, um sich über die Zukunft des Berufs auszutauschen.

Dienstag, 08.09.2020, 04:42 Uhr aktualisiert: 08.09.2020, 10:44 Uhr
Die CDU-Politiker Alexander Nolte-Ernsting (von links), Bianca Winkelmann, Lars Bökenkröger und Birgit Pönnighaus (rechts) haben sich am Samstag mit André, Mirko und Pascal Kölling über aktuelle Entwicklungen in der Landwirtschaft ausgetauscht. Foto: Jenny Karpe
Die CDU-Politiker Alexander Nolte-Ernsting (von links), Bianca Winkelmann, Lars Bökenkröger und Birgit Pönnighaus (rechts) haben sich am Samstag mit André, Mirko und Pascal Kölling über aktuelle Entwicklungen in der Landwirtschaft ausgetauscht. Foto: Jenny Karpe

Mit dabei waren die NRW-Landtagsabgeordnete Bianca Winkelmann, Kreistagskandidat Alexander Nolte-Erns­ting, Bürgermeisterkandidat Lars Bökenkröger sowie die stellvertretende Vorsitzende der Ortsunion Lohe, Birgit Pönnighaus.

Neugierig auf die vielen Besucher waren vor allem die Schäferhündinnen Fynja und Neska sowie Kater Oskar, die bei jeder Station dabei waren. Während des Rundganges zu den Rindern, Schweinen und Legehennen berichtete André Kölling von seinem Hof. 170 Hektar bewirtschaftet er, davon 75 Hektar Grünland und 95 Hektar Ackerland. Er baut Weizengerste und Silomais an und kümmert sich an vier Standorten um insgesamt 300 Rinder, 500 Mastschweine und 350 Legehennen. In der Summe ist das ein großer landwirtschaftlicher Betrieb.

Zuspruch für Kölling

„Leider haben wir nicht viele Möglichkeiten, zu expandieren“, sagte André Kölling. Wohnhäuser grenzen an seine Flächen. Schwierig wird das vor allem bei dem Vorhaben, eine Biogasanlage zu bauen. Das Geruchs- und Emissionsgutachten ist hier zu risikoreich für Familie Kölling ausgefallen. Auch über bürokratische Verzögerungen beim Bau von Silos ärgert sich der Landwirt. „Von der Politik würde ich mir wünschen, dass ich weniger warten muss und weniger Sorgen wegen des Papierkrams habe“, sagte André Kölling.

Das können die anwesenden Politikerinnen und Politiker nachvollziehen. Selbst neue Regelungen wie etwa die Haltungsbedingungen der Tiere könnten nicht so schnell umgesetzt werden, wie es sich die Politik wünscht.

Verbraucher ist gefragt

„Der Verbraucher möchte verbessertes Tierwohl, ist aber meist nicht bereit, mehr dafür zu bezahlen“, sagte Bianca Winkelmann. Als Mitglied des NRW-Landtages in Düsseldorf ist sie unter anderem fachpolitische Sprecherin für Landwirtschaft. Sie selbst hat viele Jahre ausschließlich auf einem Bauernhof gearbeitet. „Wir können die Verbraucher nicht zwingen, darum müssen wir nach Möglichkeiten schauen, wie wir einen Ausgleich finden“, sagte die CDU-Politikerin. Etwa 35 Euro würde es pro Kopf und Jahr kosten, wenn die Tierhaltung optimiert wäre.

Das Hauptproblem liege bei billigem Fleisch in Supermärkten und mangelhafter Wertschätzung gegenüber Landwirten. „Gerade der Wahlkampf bietet genügend Zeit und Gelegenheit, um ins Gespräch zu kommen und zu schauen, was man in Zukunft als Stadt tun kann“, sagte Bürgermeisterkandidat Lars Bökenkröger. Zumindest mit der diesjährigen Ernte ist André Kölling einigermaßen zufrieden. „Die war knapp durchschnittlich“, sagte er.

Digitale Landwirtschaft

„Wir sind dankbar für die Regenwochen im Sommer“, ergänzte der Landwirt. Für die Zukunft stehen die Söhne Mirko, Marcel und Pascal Kölling in den Startlöchern. Sie sammeln auch schon Erfahrungen mit der Digitalisierung der Landwirtschaft. So werden beispielsweise die Düsen des Pflanzenschutzmittel-Verstreuers über GPS gesteuert. „Zu nahe am Wald kann da mal das Netz fehlen, aber ansonsten ist das Internet hier ganz okay“, sagte Pascal Kölling.

Auch die jungen Landwirte wünschen sich, mit weniger Bürokratie im Nacken in der Landwirtschaft zu arbeiten und das Familienunternehmen weiterzuführen.

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