Bad Oeynhausener Abiturienten blicken kritisch auf Kommunalwahl am 13. September
„Jüngere sind vielen Politikern egal“

Bad Oeynhausen (WB). Welche Bedeutung hat die Kommunalwahl für junge Bad Oeynhau­sener, die am 13. September erstmals ihre Stimme abgeben? Dieser Frage ist das WESTFALEN-BLATT im Gespräch mit 14 Abiturienten der Europaschule nachgegangen.

Mittwoch, 09.09.2020, 05:00 Uhr
Mit gemischten Gefühlen blicken die Abiturienten des Zusatzkurses Sozialwissenschaften der Europaschule auf die Kommunalwahl am 13. September. Foto: Malte Samtenschnieder
Mit gemischten Gefühlen blicken die Abiturienten des Zusatzkurses Sozialwissenschaften der Europaschule auf die Kommunalwahl am 13. September. Foto: Malte Samtenschnieder

Die meisten der Befragten sind 18 Jahre alt. Alle kommen aus Bad Oeynhausen. Alle besuchen einen Zusatzkurs Sozialwissenschaften, der speziell für Schüler des Jahrgangs 13 angeboten wird. Dann hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf. Auf Nachfrage geben neun der 14 Abiturienten an, dass sie am Sonntag auf jeden Fall zur Wahl gehen werden. Fünf meinen dagegen, dass sie ihre Stimme wohl eher nicht abgeben werden.

Ein unter Erstwählern verbreitetes Grundproblem beschreibt Arta so: „Viele wissen gar nicht, welche Parteien und Gruppierungen bei der Kommunalwahl überhaupt antreten. Geschweige denn, worin sich die Programme unterscheiden.“ Und wer sich selbst schlecht aufgeklärt fühle, tue sich meist schwer damit, zu entscheiden, für wen er abstimmen solle. „Das hat dann in vielen Fällen zur Folge, dass jemand gar nicht zur Wahl geht“, führt Arta weiter aus.

Wahlplakate fallen ins Auge

Dass am Sonntag außer dem Bürgermeister auch der Landrat sowie die Mitglieder des Stadtrates und des Kreistages neu gewählt werden, weiß Jana. Vom Wahlkampf haben die meisten der Abiturienten vor allem etwas durch die von den Parteien in der Stadt verteilten Wahlplakate mitbekommen. Dem thematischen Schwerpunkt der Plakatierung entsprechend, gilt ihr Hauptaugenmerk der Bürgermeisterwahl.

Die Botschaft der Plakate von Amtsinhaber Achim Wilmsmeier (SPD) hat sich in Pauls Kopf festgesetzt: „Er gibt an, dass er in schweren Zeiten die Ärmel hochkrempeln will“, sagt der Abiturient. Ob er ihm das abnimmt, will der Schüler weder bestätigen, noch verneinen. Seine diplomatische Antwort: „Er lächelt auf den Plakaten jedenfalls ganz nett.“ Und das strahle eine gewisse Seriosität aus.

Die anderen Bürgermeisterkandidaten haben es dagegen nicht bis in den Lebenskosmos der Abiturientengruppe geschafft. Die Namen der Bewerber Werner Birtsch (unabhängig) , Henning Bökamp (FDP) , Volker Brand (Grüne) und Lars Bökenkröger (CDU) kommen den Schülern nicht so rasch über die Lippen.

Zu wenig Infos zur Wahl

„Wir haben das Gefühl, dass Jüngere vielen Politikern egal sind“, sagt Jordi. Das führe dazu, dass sich nur wenige Erstwähler aus eigenem Antrieb über die bei der Kommunalwahl antretenden Kandidaten und Parteien informieren. Jordi: „Ich hätte es gut gefunden, wenn es – wie vor fünf Jahren – eine Podiumsdiskussion mit den Bürgermeisterkandidaten bei uns in der Schule gegeben hätte. Dann hätte man sich viel besser ein eigenes Urteil bilden können.“ Dazu kam es diesmal coronabedingt allerdings nicht.

Einen alternativen Weg, um sich zu informieren, beschreibt Lilly. „Die Kommunalwahl ist bei uns zu Hause ein wichtiges Thema. Ich spreche viel mit meinen Eltern über die Parteien und die Kandidaten“, sagt die junge Frau. Dadurch bekomme sie zum Beispiel ein besseres Gespür dafür, welcher Kandidat sich am besten für das Bürgermeisteramt eigne.

Kritik an Sportangeboten

Losgelöst von Kandidaten und Parteien gibt es viele Themen, die den Schülern aus dem Zusatzkurs Sozialwissenschaften unter den Nägeln brennen. „Ich würde mir mehr Orte in Bad Oeynhausen wünschen, an denen Jugendliche in ihrer Freizeit Sport treiben können“, sagt Lilly. Generell mehr Freizeitangebote wünscht sich Mariam.

Eine gezielte Förderung von jungen Sportlern, die sich in einer bestimmten Disziplin – etwa im Schwimmen, im Kunstturnen, im Reiten, im Badminton oder im Basketball – spezialisieren wollen, vermisst Pia. „Die einzige Alternative ist häufig, sich nach Herford oder sogar nach Bielefeld zu orientieren“, sagt die junge Frau. Das werfe dann wieder neue Probleme im Hinblick auf nicht ausreichende Angebote im öffentlichen Nahverkehr auf.

Innenstadt nicht attraktiv

Die Innenstadt von Bad Oeynhausen finden die befragten jungen Erwachsenen nur bedingt anziehend. „Dort gibt es zu wenig Angebote für junge Leute“, sagt Jana. Die meisten Geschäfte seien eher auf ältere Kunden ausgelegt. Gleiches gelte für die Gastronomie. „Ich würde mir Cafés oder Restaurants wünschen, die speziell auf jüngeres Publikum ausgerichtet sind“, sagt die Schülerin.

Enttäuscht denkt Finn an seine Besuche im Kurpark zurück. Als Ort zum Treffen mit Freunden sei dieser ungeeignet – zumindest, wenn man gemeinsam Musik hören wolle. Finn: „Wir sind mehrfach vom Sicherheitsdienst darauf aufmerksam gemacht worden, dass wir zu laut waren.“ Wirkliche alternative Treffpunkt für junge Menschen gebe es kaum. „An der Werre und im Siel fehlen geeignete Sitzmöglichkeiten“, sagt Lilly.

Auch der Werre-Park steht bei den Abiturienten nicht so hoch im Kurs wie landläufig vielleicht angenommen. „In der Innenstadt ist es eigentlich viel cooler“, sagt Paul. Das „eigentlich“ resultiert bei ihm ebenfalls daraus, dass er attraktive Geschäfte für ein jüngeres Publikum vermisst. Als geeigneter Standort dafür kämen laut Jennifer beispielsweise die Königshof-Kolonnaden in Frage. Sie habe sich oft gewundert, warum viele der Ladenlokale leer stehen.

Selbst wenn alle Vorschläge der jungen Erwachsenen zur Belebung der Innenstadt umgesetzt würden, würde der Einzelhandel wohl nur teilweise profitieren. Den Grund weiß Michelle: „Die meisten von uns bestellen das meiste, was sie brauchen, online.“

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