Wasser am Sielwehr in Bad Oeynhausen wird für eine Sicherheitsüberprüfung abgesenkt
Absenkung der Werre wird zur Überlebensfrage

Bad Oeynhausen (WB). „Es geht um Leib und Leben.“ So beschrieb der städtische Gewässerexperte Eckhard Nolting den Grund für die Sicherheitsüberprüfung am Sielwehr. Ein Ingenieurbüro aus Wunstorf soll den Zustand des Massivbaus sowie der Stahlwasserbauteile prüfen, um die Sicherheit zu garantieren. Um Teile sichtbar zu machen, die sonst unter der Wasseroberfläche liegen, musste das Wehr abgesenkt werden.

Mittwoch, 16.09.2020, 05:45 Uhr aktualisiert: 16.09.2020, 05:50 Uhr
Jan Eickerling (links) und Nils Hoffmann vom Büro für Umweltplanung, Gewässermanagement und Fischerei aus Bielefeld fangen Tiere auf der Fischtreppe am Sielwehr mit Hilfe der Elektrobefischung ein, um sie vor dem Austrocknen zu retten. Foto: Lydia Böhne
Jan Eickerling (links) und Nils Hoffmann vom Büro für Umweltplanung, Gewässermanagement und Fischerei aus Bielefeld fangen Tiere auf der Fischtreppe am Sielwehr mit Hilfe der Elektrobefischung ein, um sie vor dem Austrocknen zu retten. Foto: Lydia Böhne

„Die letzte Vollabsenkung hat es 2019 wegen einer Vermisstensuche gegeben“, sagte Eckhard Nolting. Damit die in der Werre lebenden Fische nicht sofort auf dem Trockenen liegen, wurde der Wasserspiegel nur langsam abgesenkt – acht Zentimeter pro Stunde. Nach Beginn der Absenkung am Samstag ist die Geschwindigkeit am Montag noch einmal auf zwei Zentimeter pro Stunde reduziert worden, um keine zu großen Strömungen für die im Wasser lebenden Fische zu erzeugen. Sie können bei einer langsamen Prozedur dem sinkenden Wasserstand folgen.

Darum, die besonders geschützten Fischarten vor dem Austrocknen zu schützen, hat sich das Büro für Umweltplanung, Gewässermanagement und Fischerei (BuGeFi) aus Bielefeld gekümmert. Gemeinsam mit dem Fischereiverein Ravensberg waren die Mitarbeiter Nils Hoffmann und Jan Eickerling in einem ersten Schritt mit dem Abfischen der Fischtreppe beschäftigt.

Nacheinander wurde jede Kammer mit Hilfe der Elek­trobefischung überprüft. Die schonende Methode zum Fischfang erzeugt über eine Stromquelle mit einem Plus- und einem Minuspol ein elektrisches Feld im Wasser. Der anodische Effekt sorgt dafür, dass die Tiere in die Richtung des Keschers getrieben werden. Gefangene Tiere wurden von den Helfern unterhalb des Wehrs wieder eingesetzt.

24 Fischarten

„Anschließend werden wir den Kokturkanal bis zum Turbinenhaus absuchen“, berichtete Eckhard Nolting. Durch die Absenkung um insgesamt 2,55 Meter fiel auch der 1,2 Kilometer lange Arm der Werre trocken. Eine Arbeit, bei der die Helfer sehr genau schauen mussten: „Steinbeißer buddeln sich zum Beispiel im Schlamm ein. Bei den Hitze-Voraussagen können sie trockenfallen und verenden, wenn das Wasser weg ist“, erläuterte Eckhard Nolting.

24 Fischarten leben nach Angaben des Biologen in der Werre. Zur Bestandsübersicht sind alle gefangenen Fische vom Fischereiverein mit Größe, Art und Menge protokolliert worden: Rotaugen, Döbel, Barsche, Bachforellen, Aale und Hechte – überwiegend jedoch Barben. „Die Werre ist ein Fluss der Barben-Region. Sie haben sich hier gut reproduziert“, ergänzte Nolting. Im April und Mai könne man die bis zu 60 Zentimeter großen Barben von der Brücke aus gut erkennen, wenn sie unterhalb des Wehrs ihren Laich absetzen.

Nach dem Abschluss des ökologischen Teils und der Vollabsenkung am Mittwochmorgen schließt sich die Sicherheitsüberprüfung der Bausubstanz durch ein Ingenieurbüro aus Wunstorf an. Dabei werden der Stahlbeton des Massivbaus sowie Stahlwasserbauteile des Sielwehrs und die Klappen kontrolliert. Ein Risikofaktor für das Bauwerk ist der hohe Sulfatgehalt in der Werre, der aus der Salzeinleitung des Staatsbades Salzuflen herrührt.

Drittes Wehr

„Wir sind etwas erstaunt, dass wir die Prüfung jetzt noch durchführen müssen“, sagte Eckhard Nolting. Laut Planung soll das 1956 erbaute Wehr ohnehin in zwei Jahren umgestaltet werden. „Sollten Mängel festgestellt werden, ist es die Entscheidung des Ingenieurs, was passieren muss. Es geht schließlich um die Sicherheit“, ergänzte der städtische Gewässerexperte.

Der Kreis Minden-Lübbecke hatte die Sicherheitsüberprüfung, die in Abstimmung mit den Unteren Naturschutzbehörden der Kreise Minden-Lübbecke und Herford erfolgt, angeordnet. Sie schließt sich an eine Funktionsprüfung von 1998 an. „Für Bad Oeynhausen ist es schon das dritte Wehr“, sagte Eckhard Nolting. „Das erste wurde aus Weiden gebaut. Anschließend gab es eins aus Stein, das nicht abgesenkt werden konnte und schließlich ein Nadelwehr, bei dem die Balken im Wasser noch händisch gezogen werden mussten“, erläuterte der Biologe. Nach der Überprüfung soll die Werre bis zum Wochenende wieder ihren üblichen Wasserstand erreichen.

Kommentare

Kommentar schreiben

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.
Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7585890?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516044%2F
Flughafen Paderborn-Lippstadt steht vor der Insolvenz
Der Flughafen Paderborn-Lippstadt in Büren-Ahden im Kreis Paderborn. Foto: Jörn Hannemann
Nachrichten-Ticker